Die vorläufige Comscore-Bilanz unterstreicht: Auch das dritte Quartal im deutschen Kinomarkt wusste nicht voll zu überzeugen – das gilt insbesondere für den deutschen Film. Beeindruckend war allerdings das Abschneiden von Walt Disney, die nach der Silbermedaille zum Halbjahr das Quartal nun als klarer Marktführer abschlossen.

Das erste Halbjahr im deutschen Kinomarkt endete mit einem Ausrufezeichen (in Form von „Alles steht Kopf 2“), ähnliches lässt sich nun auch vom dritten Quartal behaupten. Über 5,6 Millionen Besuche werden es bei „Die Schule der magischen Tiere 3“ zwar nicht ganz werden – aber auf möglichem Kurs für den erfolgreichsten deutschen Film des Jahres darf man den Hit, der schon zu Beginn des zweiten Wochenendes die erste Besuchsmillion geschafft hat, allemal sehen. Insofern konnte das Threequel nicht nur die insgesamt leider schwache Septemberbilanz noch positiv abrunden, sondern insbesondere auch ein Ausrufezeichen im Sinne des deutschen Films setzen, dessen Marktanteil im laufenden Jahr nach neun Monaten ordentlich zu wünschen übrig lässt.
Wobei man ganz grundsätzlich schon eingangs feststellen muss: Ja, es galt zuletzt große Erfolge zu feiern – immerhin durfte der HDF seit Anfang Juli drei Mal ausrücken, um Goldene Leinwände zu vergeben. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nur drei Neustarts des dritten Quartals gelang, sich zum Stichtag in den Top 20 des laufenden Jahres zu platzieren. Wenigstens taten sie dies mit beeindruckenden Ergebnissen. Und man sollte nicht vergessen: Dass Sequels wieder und wieder (und das sogar auf so hohem Niveau wie bei „Alles steht Kopf“ oder „Ich – Einfach unverbesserlich“) in der Lage sind, die Zahlen ihrer (vorpandemischen) Vorgänger zu verbessern, macht Mut.
Die Gesamtzahlen nach neun Monaten
Laut der nun vorgelegten Comscore-Zahlen wurden in dem an vollen Spielwochen orientierten Bilanzzeitraum 04. Januar bis 02. Oktober rund 57,3 Mio. Tickets verkauft und damit gut 559 Mio. Euro Umsatz eingespielt. Damit ist der Rückstand auf das Vorjahr gegenüber dem Stand zum Ende des zweiten Quartals leider relativ deutlich gewachsen: Bei den Besuchen um ganze 5,6 Prozentpunkte auf ein Minus von nun 14,5 Prozent; beim Umsatz um 3,7 Prozentpunkte auf ein Minus von 16 Prozent. Zwar war das dritte Quartal (wie üblich) stärker als das schlechte zweite – diesmal sogar ein gutes Stück. Aber knapp 198 Mio. Euro Ticketumsatz zwischen Juli und September 2024 waren dann doch deutlich weniger als die gut 243 Mio. Euro aus dem Vorjahr.
Erstes bis drittes Quartal/Entwicklung 2019-2024
| Zeitraum | Umsatz in € | +/- zum Vorjahr | Besuche | +/- zum Vorjahr | Durch. Eintrittspreis in € | Anzahl Filme | Anzahl Neustarts |
| 04.01.2024 – 02.10.2024 | 559.300.464 | -16,0% | 57.301.702 | -14,5% | 9,76 | 641 | 493 |
| 05.01.2023 – 04.10.2023 | 665.919.341 | 42,6% | 67.050.393 | 31,2% | 9,93 | 582 | 452 |
| 06.01.2022 – 05.10.2022 | 466.991.637 | 150,1% | 51.091.386 | 136,7% | 9,14 | 565 | 434 |
| 07.01.2021 – 06.10.2021 | 186.710.339 | -27,2% | 21.581.391 | -28,7% | 8,65 | 404 | 259 |
| 02.01.2020 – 30.09.2020 | 256.427.008 | -60,8% | 30.252.496 | -59,7% | 8,48 | 534 | 346 |
| 03.01.2019 – 02.10.2019 | 654.249.264 | 12,4% | 75.012.725 | 12,4% | 8,72 | 646 | 519 |
Was dieser Zwischenstand für das Ziel bedeutet, zumindest die jüngsten Prognosen von Comscore und FFA für das Gesamtjahr noch zu erfüllen? Das hatten wir bereits Anfang Oktober grob überschlagen. Kurz gesagt: Rein statistisch betrachtet ist es durchaus machbar, auch wenn mittlerweile der eine oder andere kleine Zweifel laut wird.

Weniger als 15 Prozent Marktanteil für den deutschen Film
Insgesamt mag der deutsche Kinomarkt – wenngleich in diesem Jahr durchaus erwartungsgemäß – nicht das allerbeste Bild abgeben, der deutsche Film steht aber ausgesprochen schwach da. Schon die Marktanteile zum Halbjahr wussten mit 16,8 Prozent nach Besuchen und 15,8 Prozent nach Umsatz nicht zu überzeugen – im Lauf der vergangenen Monate ging es aber um jeweils zwei Prozentpunkte (weiter) nach unten. 14,8 und 13,8 Prozent lautet die miserable Zwischenbilanz. Und was schon zum Halbjahr galt, gilt auch nach neun Monaten des Jahres 2024: Es wurden unter dem Strich weniger Besuche für deutsche Filme verzeichnet als im Vergleichszeitraum des von mehrmonatigen, bundesweiten Kinoschließungen geprägten Corona-Jahres 2020… Insgesamt zählte Comscore für deutsche Filme in den ersten neun Monaten gut 8,45 Mio. Besuche und gut 77 Mio. Euro Umsatz – das sind Rückgänge um 26,5 Prozent bzw. gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zumindest an der Quantität lag es eher nicht: 140 Neustarts zählte Comscore im Bilanzzeitraum, einen mehr als im Vorjahr.
Immerhin: Nach Boxoffice lagen deutsche Filme knapp über dem 2020er-Niveau – was aber schlicht darauf zurückzuführen ist, dass der durchschnittliche Ticketpreis für deutsche Filme gut 16 Prozent höher lag als damals. Generell fällt auf, dass sich die Preise für den Besuch deutscher Filme gegenüber dem Vorjahreszeitraum etwas verteuert haben, während sie im Gesamtmarkt leicht gesunken sind. Die Erklärung ist aber relativ naheliegend: Beim deutschen Film war die Rolle der Familientitel 2024 weniger, bei den US-Produktionen stärker ausgeprägt.
Insgesamt steht der Besuchsmillionär-Zähler beim deutschen Film auch nach neun Monaten bei nur zwei („Die Schule der magischen Tiere 3“ nahm die Hürde zwei Tage nach Bilanzschluss). Erfolgreichster Film war „Chantal im Märchenland“ mit 2,73 Mio. Besuchen, dahinter folgt „Eine Million Minuten“ mit knapp 1,2 Mio. verkauften Tickets. Schon das Startwochenende (!) katapultierte die magischen Tiere in der Quartalsbilanz auf Rang 3, nicht einmal ein weiterer Film schaffte 500.000 Besuche, auch wenn der schöne Erfolg „Zwei zu Eins“ zumindest in die Nähe kam.

Auch US-Film baute überproportional ab
Nicht dass der US-Film im Vergleich mit dem Vorjahr übermäßig geglänzt hätte – tatsächlich liegt das Minus gegenüber dem Vorjahr mit 18,4 Prozent nach Besuch und 21 Prozent nach Umsatz auch nach neun Monaten noch über dem Gesamtmarktschnitt. Und auch beim US-Film mangelte es nicht an Titeln per se. Comscore zählte 125 Neustarts, das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Woran es mangelte, waren Tentpoles. Was man an dieser Stelle aber auch anmerken kann: Der Besuchsanteil von US-Filmen am Gesamtergebnis lag mit 73,7 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2019 (71,8 Prozent).
Mausterhaft stark*
Grundsätzlich war es vor allem die Familienunterhaltung, von der im dritten Quartal die positiven Schlagzeilen kamen. „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ war mit über vier Mio. Tickets der meistbesuchte Neustart des dritten Quartals, Überflieger „Alles steht Kopf 2“ machte den Löwenanteil seiner 5,6 Mio. Besuche in diesem Zeitraum – und wie schon erwähnt, setzte „Die Schule der magischen Tiere 3“ den starken Schlusspunkt. Ansonsten glänzten „Deadpool & Wolverine“ als umsatzstärkster Neustart (knapp 37 Mio. Euro bei gut 3,2 Mio. Besuchen) und „Nur noch ein einziges Mal“ als einer der größten Überraschungshits des Jahres mit über 1,6 Mio. Besuchen.
(*Ausnahmsweise Wortspiel, kein Tippfehler)
Eindruckvolle Erfolge, die aber – wie schon eingangs erwähnt – nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sich lediglich drei Neustarts des dritten Quartals in den Top 20 des laufenden Jahres platzieren konnten. Erst auf Rang 22 geht es dann mit „Alien: Romulus“ (knapp 600.000 Besuche) weiter, auf Rang 23 folgen dann schon die Zaubertiere und dann meldet sich erst auf Platz 30 „Beetlejuice Beetlejuice“ als fünftstärkster Neustart des dritten Quartals zu Wort.
Was die Aufzählung der Titel aber schon deutlich macht: Das dritte Quartal war vor allem ein Disney-Quartal. „Alles steht Kopf 2“, „Deadpool & Wolverine“ und „Alien: Romulus“ brachten es zusammen auf rund 9,4 Mio. Besuche. Wenn man davon den Anteil des Pixar-Blockbusters abzieht, der auf das zweite Quartal entfiel, steht dennoch fest: Weit mehr als ein Drittel sämtlicher Kinotickets wurden zwischen Juli und September für einen Disney-Film gelöst. Und das obwohl Universal mit dem Tophit „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ den Besuchsprimus in diesem Zeitraum stellte.
Was das für das Verleiherranking bedeutet? Nach dem Ende des ersten Halbjahres fand sich Disney mit jeweils rund 13 Prozent Besuchs- und Umsatzanteil noch auf dem zweiten Platz hinter Warner, deren Filme für knapp 19 Prozent aller Besuche und gut 21 Prozent des Umsatzes gestanden hatten. Drei Monate später sieht das Ranking so aus:
Marktanteile Verleih/Reihung nach Umsatzanteil
| Rang | Verleih | Umsatz in € | Umsatzanteil | Besuche | Besuchsanteil | Anzahl Filme | Anzahl Neustarts | Toptitel |
| 1 | Walt Disney | 117.571.736 | 21,0% | 11.850.376 | 20,7% | 14 | 12 | Alles steht Kopf 2 |
| 2 | Warner | 93.476.660 | 16,7% | 8.562.186 | 14,9% | 21 | 16 | Dune: Part Two |
| 3 | Universal | 84.263.138 | 15,1% | 9.095.563 | 15,9% | 26 | 22 | Ich – Einfach unverbesserlich 4 |
| 4 | Sony | 66.983.984 | 12,0% | 6.806.460 | 11,9% | 15 | 11 | Nur noch ein einziges Mal |
| 5 | Leonine | 38.449.176 | 6,9% | 3.990.153 | 7,0% | 41 | 21 | The Beekeeper |
| 6 | Constantin | 29.188.444 | 5,2% | 2.991.955 | 5,2% | 11 | 5 | Chantal im Märchenland |
| 7 | Studiocanal | 21.308.814 | 3,8% | 2.374.073 | 4,1% | 19 | 11 | Ella und der schwarze Jaguar |
| 8 | Paramount | 14.122.795 | 2,5% | 1.591.769 | 2,8% | 9 | 6 | Bob Marley: One Love |
| 9 | Wild Bunch/Central | 10.599.247 | 1,9% | 1.105.288 | 1,9% | 13 | 10 | Der Junge und der Reiher |
| 10 | DCM | 9.628.738 | 1,7% | 1.042.942 | 1,8% | 9 | 5 | Perfect Days |
| 11 | Tobis | 8.933.909 | 1,6% | 911.329 | 1,6% | 8 | 6 | Horizon |
| 12 | Weltkino | 8.581.192 | 1,5% | 947.471 | 1,7% | 15 | 12 | Oh La La – Wer ahnt denn sowas? |
| 13 | Sony/Crunchyroll | 5.504.859 | 1,0% | 439.272 | 0,8% | 7 | 7 | Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba – Zum Training der Säulen |
| 14 | Neue Visionen | 5.007.010 | 0,9% | 586.853 | 1,0% | 18 | 9 | Maria Montessori |
| 15 | X-Verleih/Warner | 4.689.725 | 0,8% | 501.626 | 0,9% | 5 | 4 | Zwei zu Eins |
| Sonstige | 40.991.037 | 7,3 | 4.504.386 | 7,9% | 410 | 336 | ||
| Gesamt | 559.300.464 | 100,0% | 57.301.702 | 100,0% | 641 | 493 |
Anders ausgedrückt: Disney hat seinen Marktanteil im Laufe eines Quartals um acht Prozentpunkte angehoben. Das nennt man dann wohl Dominanz…
An dieser Stelle übrigens noch ein abschließendes Obiter Dictum: Was vor allem in den USA massiv auffällt, sind die unterschiedlichen Strategien beim Kinofenster. Wir reden an dieser Stelle jetzt nicht von den Flops. Dass Filme wie „Borderlands“ (dem der Autor selbst tatsächlich etwas abgewinnen konnte) in den USA nach kürzester Zeit den Gang in die PVoD-Verwertung antreten, ist nachvollziehbar (in Deutschland ist der Film bislang allerdings nur vorstellbar). Dass US-Hits wie „Beetlejuice Beetlejuice“ nach gut einem Monat oder einer wie „Twisters“ nach gerade einmal 25 Tagen (!) in ihrem Heimatland in die Zweitverwertung gehen, lässt aber aufhorchen.
Hingegen gönnt gerade Disney – wo man in der Pandemie nicht nur die Fenster radikal verkürzte, sondern diverse Filme Day&Date oder sogar gleich komplett exklusiv ins Streaming schickte – dem Kino für einen Hit wie „Deadpool & Wolverine“ rund 70 Tage Exklusivität, die noch dadurch aufgewertet werden, dass man die Filme erst sehr nah zum tatsächlichen HE-Start überhaupt vorbestellen kann. Bei „Alien: Romulus“ etwa ist das aktuell noch gar nicht möglich…
Bei den dargestellten Zahlen für 2024 handelt es sich um vorläufige Ergebnisse, die laut Comscore noch minimal nach oben angepasst werden könnten. Wir werden dies – auch wenn sich an den grundsätzlichen Trends nichts ändern wird – natürlich im Wege eines Updates skizzieren, sobald die finalen Resultate vorliegen.