Packende Sportdoku über ein Jahr im Leben der führenden Abfahrt-Asse der Welt.
FAST FACTS:
• Hautnah gefilmt und immer dicht dabei: näher kommt eine Sportdoku nicht ran
• Alle Abfahrtstars sind mit dabei und geben Einblicke in ihre Lebensphilosophie
• Von Gerald Salmina, Regisseur von „Streif – One Hell of a Ride“
• Internationale Festivalpremiere beim 21. Zurich Film Festival
• Die offizielle Weltpremiere folgt am 13. Oktober in Wien
• Deutschlandpremiere am 19. Oktober Kinozelt im Kurgarten beim Bergfilmfestival Tegernsee
CREDITS:
Land / Jahr: Schweiz, Österreich 2025; Laufzeit: 130 Minuten; Regie: Gerald Smina; Ko-Regie: Marvin Salmina, Tom Dauer, Karim Kosta; Drehbuch: Tom Dauer; Besetzung: Dominik Paris, Vincent Kriechmayr, Justin Murisier, Marco Odermatt, Daniel Hemetsberger, Alexander Aamott Kilde, Cyprien Sarrazin; Verleih: 24 Bilder; Start: 30. Oktober 2025; Österreich-Verleih: Panda Lichtspiele; Österreich-Start: 23. Oktober 2025; Schweiz-Verleih: Ascot Elite; Schweiz-Start: 23. Oktober 2025

REVIEW:
Wir sind einfach ein bisschen verrückt. Der Satz fällt wiederholt in „Downhill Skiers: Ain’t No Mountain Steep Enough“, ein neuer Dokumentarfilm der Macher von „Streif – One Hell of a Ride“, der es in Deutschland auf respektable knapp 50.000 Tickets geschafft hatte, in Österreich aber mit 185.000 Tickets einer der erfolgreichsten Kinofilme des Jahres 2015 war. Geäußert wird der Satz von den Protagonisten des Films, die besten Skiabfahrt-Athleten der Welt, die freimütig über sich und ihren Sport reden, aber ins Stocken geraten, wenn sie ihre wahre Motivation erklären sollen. Es ist ihnen ja selbst bewusst, was für ein Wahnsinn es ist, den sie veranstalten, jede Abfahrt eine potenzielle Todesfahrt auf zwei Skiern. Und den Filmemacher Gerald Salmina und seine Ko-Regisseure da festhalten in Bildern, die diesen Sportlern nicht näher kommen könnten, jede Menge hell of rides.

Die besten Geschichten, sagt man immer so lapidar, schreibt das Leben. Die noch besseren Geschichten, muss man nach Betrachten von „Downhill Skiers“ sagen, wenn man wieder zu Atem gekommen ist, schreibt das wahre Leben, wenn es um Menschen geht, die auf Skiern mit Tempo 150 förmlich senkrecht von Hängen stürzen, um noch einmal ein paar hundertstel Sekunden schneller als die Konkurrenten eine Strecke von etwas mehr als drei Kilometern zurückzulegen. Ein Jahr lang verfolgen die Filmemacher die Besten der Besten, wie sie sich auf Rennen vorbereiten, wie sie sich in Rennen verhalten, wie sie trainieren, wie sie ihre Siege feiern und wie sie mit Niederlagen umgehen. Die Dramaturgie ist dabei völlig offen: Vorab kann keiner wissen, was passieren wird. Und natürlich kann keiner ahnen, wer sich verletzen wird, was eine Verletzung bedeuten wird.

Fest steht in diesem Film nur, dass man dabei sein wird. Dabei sein wird, wie der Favorit Marco Odermatt sich durchsetzt, wie Justin Murisier kurz davor ist, dem Rennzirkus den Rücken zuzukehren und dann wie durch ein Wunder seine erste Abfahrt gewinnt, wie der Norweger Alexander Aalmodt Kilde sich nach einer schweren Verletzung Beginn 2024 wieder nach oben zu kämpfen beginnt, nur um dann erneute herbe Rückschläge zu erfahren, wie der Franzose Cyprien Sarrazin mit einem Überraschungssieg auf der Streif in die Weltspitze vorstößt, nur um dann seinerseits von einer schweren Verletzung auf der Strecke ausgebremst zu werden. Es ist ein atemloses Ringen, das man als Zuschauer mitverfolgt: Allein die Trainingseinheiten, die diese jungen Supermänner absolvieren, lassen einen fassungslos staunen. Wenn es dann auf die Strecken geht, erhält der Film durch den Einsatz multipler Kameras eine Intensität, die weit über Liveübertragungen oder auch andere Skidokus hinausgeht. Gerade auf großer Leinwand ist „Downhill Skiers“ ein echter Thrillride, der indes nicht unkritisch ist: Die schweren Stürze registriert der Film nicht schulterzuckend, um dann zur Tagesordnung überzugehen, wie es der eine oder andere Funktionär am liebsten hätte. Die vehemente Kritik der Fahrer und Trainer an den Zuständen und einen Mangel an Sicherheit wird hier amplifiziert zu einer lautstarken Anklage. Diese Skifahrer mögen verrückt sein. Narren sind sie nicht.
Thomas Schultze