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REVIEW TV: „Von uns wird es keiner sein“


Einer der vielleicht melancholischsten Filme des Jahres startet beim ZDF und Arte: Das Melodram „Von uns wird es keiner sein“, das von einer Schüler-Clique, den dazugehörigen Eltern und Lehrern erzählt, die von einem anonymen Video aus der Bahn geworfen werden, in dem ein Suizid angekündigt wird.

Von uns wird es keiner sein
V.l.: Derya Akyol, Mina-Giselle Rüffer, Kosmas Schmidt und Lukas von Horbatschewsky in „Von uns wird es keiner sein“ (Credit: ZDF/Martin Valentin Menke)

FAST FACTS:

• Produzentenpreis beim Filmfest Hamburg 2024
• Vier der angesagtesten Jungschauspieler in Hauptrollen: Derya Akyol, Kosmas Schmidt, Mina-Giselle Rüffer & Lukas von Horbatschewsky
• Teil des ZDF-Programmschwerpunkts „Psychisch stark – Wege aus der Depression“
• Koproduktion von Warner Bros. ITVP Deutschland und Chromosom Film

CREDITS:

Auftraggeber: ZDF (Redaktion: Diana Kraus), Arte (Redaktion: Martin Gerhard); Produktion: Warner Bros. ITVP Deutschland, Chromosom Film; Produzent:innen: Bernd von Fehrn, René Jamm, Roxana Richters, Alexander Wadouh; Regie: Simon Ostermann; Drehbuch: Lucas Flasch; Casting: Liza Stutzky; Cast: Lukas von Horbatschewsky, Mina-Giselle Rüffer, Kosmas Schmidt, Derya Akyol, Sabin Tambrea, Mariele Millowitsch, Christina Hecke, Stefanie Reinsperger, Tom Keune, David Vormweg, Anna Schudt, Serkan Kaya; Start: ZDF-Stream 9.10.25, Arte 17.10. 20.15 Uhr, ZDF 20.10. 20.15 Uhr  

REVIEW:

Schwieriges Thema, guter, aber auch sehr melancholischer Film: Über den Bildschirmen einer deutschen Schule und in den sozialen Netzwerken läuft ein anonymes Video, in dem eine Stimme ihren Suizid ankündigt. Die sowieso schon nicht vor Freude sprudelnde Freundesclique um Waldi (Lukas von Horbatschewsky), Julia (Mina-Giselle Rüffer), Tom (Kosmas Schmidt) und Mina (Derya Akyol) im ZDF-Film „Von uns wird es keiner sein“ hinterfragt, wer hinter dieser Ankündigung stehen könnte.

Das Wetter in Simon Ostermanns Film nach Lucas Flaschs Drehbuch ist herbsttrüb. Die Bilder sind von entsättigten Farben bestimmt. Optisch passt sich das Ganze perfekt den lethargischen jungen Protagonisten an, die selten bis gar nicht lächeln. Es sei denn sie singen „Take on Me“ von a-ha beim Karaoke-Abend. Im nächsten Moment bezichtigen sie aber auch schon wieder, selber der anonyme Videomacher zu sein.

Schauspielerische Qualität liegt im spröden Realismus und dem genau getroffenen Alltag

Mit Derya Akyol, Kosmas Schmidt, Mina-Giselle Rüffer & Lukas von Horbatschewsky spielen vier der angesagtesten Jungschauspieler die Schülerclique. Zur Weltpremiere auf dem Filmfest Hamburg 2024, als die Serie den Produzentenpreis gewann, kannten nur Insider wie Casting Director Liza Stuzky zum Beispiel Derya Akyol. Mittlerweile ist die Schauspielerin durch ihre Hauptrolle in der RTL+-Serie „Euphorie“ zurecht in aller Munde und spielt demnächst in der Neuauflage des Klassikers „Mädchen in Uniform“ mit.

Von uns wird es keiner sein
Der Film kreist um ein anonymes Video, in dem jemand seinen Suizid ankündigt (Credit: ZDF/Martin Valentin Menke)

In „Von uns wird es keiner sein“ sind es scheinbar unspektakuläre Performances der vier. Wobei die Qualität gerade im spröden Realismus und dem genau getroffenen Alltag der Figuren liegt. Zumal der Film drei verschiedene, miteinander lose interagierende Gruppen charakterisiert: Die Schüler, aber die mindestens genauso lethargischen Eltern und die ebenso prominent besetzten Lehrer-Figuren.

Wahnsinns-Cast mit ZDF-Verbindungen

Dort finden sich zum Beispiel die kettenrauchende Mariele Millowitsch, der die Welt verändern wollende Sabin Tambrea oder der dauerüberforderte Serkan Kaya. Anna Schudt spielt Mina-Giselle Rüffers Filmmutter. Im Lehrerzimmer kann man auch in wenigen Szenen Tarkan Bagci entdecken, der mal als Schreiber für „Neo Magazin Royale“ anfing und inzwischen Moderator und Podcaster ist. Viele der hier auftretenden Schauspieler kennt das ZDF-Publikum bereits aus anderen ZDF-Formaten. Selbst bei den Jungschauspielern wie Mina-Giselle Rüffer gibt es über die Horrorserie „Was wir fürchten“ Verbindungen zum Öffentlich-Rechtlichen.   

Der Film, der Teil des ZDF-Programmschwerpunkts „Psychisch stark – Wege aus der Depression“ ist, suggeriert: Eigentlich könnte nahezu jeder gezeigte Charakter hinter dem geheimen Video stecken. Niemand ist vor negativen Gefühlen in seinem Leben gefeit. Gleichzeitig zeigt der Film auch konstruktive Auswege aus der emotionalen Isolierung. In diesem Dauer-Gefühl der Melancholie ist das Ganze schon eine emotionale Herausforderung für das Publikum, obwohl es das Thema Suizid sensibel behandelt. Auch dahingehend ragt „Von uns wird es keiner sein“ als Einzelstück heraus, weil er mehr über die dichte Atmosphäre und die Bilder und weniger über Dialoge oder klassische Narration funktioniert.

Michael Müller