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REVIEW TV: „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen”


Der finale, lakonische Auftritt von Peter Kurth und Peter Schneider als Koitzsch und Lehmann im „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen” eröffnete am 1. Dezember die TeleVisionale 2025 in Weimar. Es ist eine Mischung aus meditativem Innehalten und dramaturgischer Hast geworden.   

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Regisseur Thomas Stuber (re.) mit den Darstellern Peter Schneider, Peter Kurth und Cordelia Wege (v.l.n.r.) beim Dreh vom „Polizeiruf: Der Wanderer zieht von dannen” auf dem Hallmarkt in Halle (Credit: MDR/filmpool fiction/Felix Abraham)

FAST FACTS:

• Welturaufführung bei der TeleVisionale in Weimar am 1. Dezember 2025
• Abschluss der Koitzsch & Lehmann-Trilogie mit Peter Kurth und Peter Schneider als Kommissare
• Die kurzlebige Reihe entstand ursprünglich als Jubiläums-„Polizeiruf 110” zum 50. Geburtstag  
• Ausstrahlung im Ersten ist wohl im Februar 2026

CREDITS:

Auftraggeber: MDR (Redaktion: Sven Döbler) für Das Erste; Produktion Filmpool Fiction (Produzentin: Iris Kiefer), 42film; Regie: Thomas Stuber; Drehbuch: Clemens Meyer; Kamera: Nikolai von Graevenitz; Producer: Eike Goretzka; Cast: Peter Kurth, Peter Schneider, Cordelia Wege, Jule Böwe, Thomas Lawinky, Henning Peker, Dirk Martens, Andreas Keller, Andreas Leupold, Sybille Maria Dordel, Anett Sawallisch, Ines Göbel; Start: vrsl. Februar 2026 im Ersten und der ARD-Mediathek

REVIEW:

Man muss sich erst noch mit dem Gedanken abfinden, dass die halleschen Kommissare Koitzsch und Lehmann, gespielt von Peter Kurth und Peter Schneider, mit dem „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen” schon wieder ihre Abschiedsvorstellung geben. Waren sie doch erst im Jahr 2021 fulminant mit dem „Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande” durchgestartet, der zu den besten öffentlich-rechtlichen Krimis der vergangenen Jahre zu zählen ist. Auch für den zweiten Fall „Der Dicke liebt” gab es 2024 viel Lob.

Auf der Welturaufführung von „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen”, der als Eröffnungsfilm bei der nach Weimar umgezogenen TeleVisionale 2025 lief, klang Regisseur Thomas Stuber auch eher danach, dass er zusammen mit Autor Clemens Meyer noch Ideen für diverse weitere Abenteuer für Henry Koitzsch und Michael Lehmann besaß. Aber der dritte Teil schließt auf jeden Fall jetzt eine Klammer und bezieht sich auch ganz stark auf den ersten gemeinsamen „Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande”, der zum runden 50. Geburtstag der Jubiläums-„Polizeiruf” war.

Denn der nicht aufgeklärte Fall aus dem ersten Film verknüpft sich mit dem mysteriösen Tod der alten Frau Krüger (Sybille Maria Dordel) in der Badewanne, den Koitzsch und Lehmann im dritten Film jetzt nicht als natürlich Todesursache abtun wollen. Richtige Motive, die arme alte Frau eventuell in der Badewanne ertränkt zu haben, lassen sich nur schwer finden. Aber eine zurückgelassene Blume auf der Fensterbank gibt erste Indizien, dass hier ein Unfall nur inszeniert wurde.

Es braucht etwas Zeit, um in Abschiedsstimmung zu kommen

Ähnlich wie Koitzsch und Lehmann, die in dem Film noch mit ihrem neuen Büro fremdeln und sich dann die Möbel wieder so hinschieben, wie sie es gewohnt waren, braucht es auch eine Weile, bis man sich bei „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen” in die richtige Abschiedsstimmung gebracht hat.

Der Kriminalfall wird fast in Zeitlupe geschildert. Regisseur Thomas Stuber und Kameramann Nikolai von Graevenitz nehmen sich die Zeit, um an den Tatorten nochmal innezuhalten. Die Protagonisten durchschreiten fast das Ende ahnend die Räumlichkeiten sorgfältig und sich vergewissernd. Es gleicht eher einer Meditation als einem Spannungsaufbau, ähnlich wie in Jim Jarmuschs „Ghost Dog – Der Weg des Samurai”. Die inneren Zustände der Protagonisten stehen im Mittelpunkt.

Lakonisch und ruhig erzählter letzter Fall

Dieser lakonisch und ruhig erzählte letzte Fall kreist viel um das Thema Einsamkeit, wobei der Film beide Extreme schildert: Die arme alte Dame in der Badewanne, die nur noch für Einkäufe die eigene Wohnung verließ. Und die aus dem ersten Film wieder auftretende Frau Sommer, lebensfroh melancholisch gespielt von Cordelia Wege, die vor lauter parallelen Beziehungen mit verschiedenen Männern nicht weiß, wo ihr der Kopf steht.  

Manchmal ist das schmerzlich langsam erzählt. Dann wiederum rührt das Innehalten, etwa bei einem Gefängnisbesuch eines alten Bekannten von Peter Kurth Kommissar-Figur auch an, weil die reduzierte Art so stimmig ist. Der tatsächlich aufgeklärte Mordfall wirkt dagegen etwas gehastet. Wahrscheinlich hätte die mysteriöse Person noch deutlich länger ihr Handwerk betrieben, wenn nicht jetzt schon nach drei Filmen Schluss gewesen wäre.

Dafür, dass die halleschen Kommissare Koitzsch und Lehmann beim MDR nur „eine Erweiterung des Portfolios anlässlich des Polizeiruf-Jubiläums” darstellten, wie es aus der Programmdirektion hieß, haben die beiden beachtliche Spuren hinterlassen. Peter Kurth ist eigentlich immer ein schauspielerisches Ereignis. Aber gerade mit dieser ganz trockenen Art von Peter Schneider ergänzte sich das als ermittelndes Pärchen sehr gut.  

Michael Müller