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REVIEW TV: „Katharina Tempel – Was wir begehren“


Dritter Film der von Produzentin Lydia-Maria Emrich und Drehbuchautorin Elke Rössler entwickelten ZDF-Krimi-Reihe mit Franziska Hartmann in der Titelrolle.

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„Katharina Tempel – Was wir begehren“ mit Franziska Hartmann und Florian Stetter (Credit: Georges Pauly/ZDF)

CREDITS:
Land/Jahr: Deutschland 2025; Regie: Jens Wischnewski; Drehbuch: Elke Rössler, Produzentin: Lydia-Maria Emrich (Network Movie Film- und Fernsehproduktion); Cast: Franziska Hartmann, Stephan Szász, Florian Stetter, Hanife Sylejmani, Davina Donaldson, Petra Zieser, Michel Hoppe, Jessica McIntyre, Golo Euler, Casting: Lina Behr, Rebecca Gerling; Kamera: Frank Küpper; Redaktion: Daniel Blum (ZDF); Martin Gerhard (ZDF/arte). Ausstrahlung: 4. April bei arte; ZDF: nkT

REVIEW:
Ein starker dritter „Katharina Tempel“-Film ist Jung-Produzentin Lydia-Maria Emrich und Drehbuchautorin Elke Rössler da gelungen, die die Reihe von Beginn an gemeinsam entwickelt und zu einem Herzensprojekt gemacht haben. Geschickt wird der Zuschauer gleich zum Start aufs Glatteis geführt und fühlt sich den ermittelnden Kommissaren Katharina Tempel (Franziska Hartmann) und Georg König (Stephan Szász) lange um eine Nasenlänge voraus. Aber von Anfang an schwingt auch eine unheimliche Schräglage mit, weil man es nicht wahrhaben will, dass Katharina Tempel tatsächlich nach und nach nicht mehr darum herumkommt, die Ermittlungen immer mehr in Richtung ihres Ehemanns Volker (Florian Stetter), Pressesprecher der Hamburger Polizei, laufen zu lassen. 

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„Katharina Tempel – Was wir begehren“ (Credit: ZDF/Georges Pauly)

Um die Ehe der beiden steht es nicht zum Besten. Eine Paartherapie soll helfen, auch um des gemeinsamen Sohnes willen. Volker ist ein Mann, der zu aggressivem Verhalten neigt, der schnell mal die Selbstkontrolle verliert. Das hat Katharina Tempel bereits am eigenen Leib erfahren, das spielte bereits in den Vorgängerfilmen schon eine Rolle. Trotzdem spürt man, dass noch gegenseitige Liebe da ist. Als dann aber gleichzeitig eine Frau brutal vergewaltigt und eine andere Frau ermordet wird, die beide eine Verbindung zur Paartherapeutin des Ehepaars Tempel hatten, zieht sich die Schlinge schön langsam um den Hals des Kommissars-Gatten zu, der bei der Therapeutin zusätzlich in einer Selbsthilfegruppe für gewalttätige Männer war. Zu viele Puzzleteile stimmen, und auch, wenn Katharina Tempel von ihrem Kollegen König und Kollegin Dela Tahiri (Hanife Sylejmani) von den Ermittlungen aufgrund des Interessenkonflikts zurückgezogen wird, kann sie nicht aufhören, selbst zu graben. 

Tempel ist taff, temperamentvoll, hat Scharfsinn, gleichzeitig ist sie bestrebt, ihre Familie zu schützen. Es macht große Freude, Franziska Hartmann dabei zuzusehen, wie ihre Figur ins Straucheln gerät, mit so vielen Zweifeln überschüttet, dass ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Sie will und will wiederum nicht. Will es nicht wahrhaben, aber deixelt dann sogar Dinge so hin, dass sie extra auf ihren Mann passen… Könnte Volker tatsächlich ein Vergewaltiger und Mörder sein? „Angehörige von Gewaltstraftätern haben oft bis zuletzt keine Ahnung. Die Täter können einen Teil ihrer Persönlichkeit abspalten. Das sind blinde Flecken. Wir neigen dazu, unliebsame Wahrheiten auszublenden“, sagt ihr die Paartherapeutin Dr. Marita Rubesch (Jessica McIntyre), die mit ihrem Mann (Golo Euler) eine Gemeinschaftspraxis betreibt. 

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„Katharina Tempel – Was wir begehren“ mit Golo Euler und Jessica McIntyre (Credit: ZDF/Georges Pauly)

Gewalt an Frauen, toxische Männlichkeit, aggressives Verhalten in einer Beziehung und das sich nicht Lösen Können aus eben solchen ungesunden Beziehungen sind Themen in „Was wir begehren“. Katharina Tempel steckt da mittendrin und durchläuft eine Abwärtsspirale, die sie alles Schwarz sehen und in Verzweiflung versinken lässt, wie der im Film zu hörende Song „Paint It Black“ von den Stones unterstreicht. Am Schluss entlädt sich auch alles in Gewalt, in handfester Gewalt, bei der Tempels Mann im Spiel ist… hervorragend gespielt von Florian Stetter, der es schafft, seine Rolle so zwielichtig anzulegen, dass man, ja, aufs Glatteis geführt wird. Katharina Tempel gehört sicherlich zu den spannendsten Kommissarinnen im aktuellen deutschen Fernsehen. Wie Film zwei wurde auch Teil drei von Jens Wischnewski inszeniert. Dass die Tempel zwei Seelen in Ihrem Herzen vereint, äußert sich auch im Kostümbild (Nana Kolbinger): mit Grün und Rot trägt sie stets nur Komplementärfarben: Hoffnung und Gefahr liegen eben nah beieinander. 

Barbara Schuster