Endlich hat ProSieben ab dem 6. Oktober wieder eine eigene Daily Soap, die sich im Setting einer mondänen Küchenschule für angehende Sterneköche auf den Young-Adult-Spuren von „Maxton Hall“ bewegt. In der Hauptrolle von „Die Cooking Academy“ überzeugt Lara Kimpel.

FAST FACTS:
• Erste ProSieben-Soap seit 18 Jahren
• ITV Studios Germany setzt das Setting an einer renommierten Küchenschule an
• Lara Kimpel überzeugt in der Hauptrolle als angehende Spitzenköchin
• Das Format setzt stark auf das altbewährte Arm-Reich-Schemata im Figuren-Ensemble
• Eine Kooperation bringt die neuesten Folgen zuerst auf Joyn Plus+ und Disney+
CREDITS:
Auftraggeber: ProSieben (Redaktion: Friederike Galley, Lena Wickert, Johannes Kotzke, Christian Gerner), Joyn; Produktion: ITV Studios Germany, Produzentinnen: Christiane Ruff, Jana Kaun; Executive Producer: Barbara Süvern; Headautoren: Sarah Höflich, Richard Hemmersbach; Regie: z.B. Birte Robberts; Cast: Lara Kimpel, Simone Hanselmann, Lea Marlen Woitack, Matthias Brüggenolte, Brian Rosenkranz, Louis Jerome Wagenbrenner, Tiesan-Yesim Atas, Riccardo Ferreira, Vita Tempel, Helen Woigk, Alexandra Fonsatti; Start: Joyn Plus+ & Disney+: 2.10.25; ProSieben & Joyn: 6.10.25 um 18 Uhr
REVIEW:
Der Sender ProSieben hat im Gegensatz etwa zu RTL oder den Öffentlich-Rechtlichen keine große Historie im Bereich Daily Soaps und Telenovelas vorzuweisen. Die letzte Telenovela lief vor 18 Jahren, hieß „Lotta in Love“ mit Janin Reinhardt (heute Ullmann) in der Hauptrolle, schaffte es auf 130 Folgen und war kein wirklicher Erfolg.
Der neue Anlauf mit „Die Cooking Academy“ hat nun auch damit zu tun, dass ProSieben inzwischen die eigene Streaming-Plattform Joyn hat, auf der tägliche Seifengeschichten durchaus ein erträgliches Publikum finden, zumal der Streamer von ProSiebenSat.1 größtenteils auf die Werbefinanzierung setzt.
„Die Cooking Academy“ wird von ITV Studios Germany produziert und kreist um die angehende Köchin Irini, gespielt von Newcomerin Lara Kimpel, die ihr Leben in der griechischen Wirtschaft der Eltern in Freiburg hinter sich lässt, um ihr Glück mit einem Stipendium bei der renommierten titelgebenden Kochschule für die Sterne-Gastronomie an der deutsch-französischen Grenze zu suchen.
Ein bisschen „Maxton Hall“-Flair schadet nicht
Ihr Konkurrent um den Stipendiums-Platz ist der sehr von sich selbst überzeugte, gutaussehende Chris (Brian Rosenkranz), der mit allen Wassern gewaschen ist und auch nicht mit ganz fairen Mitteln spielt. Noch vor der Aufnahmeprüfung landen Irini und er ganz unverhofft nach ein paar zu vielen Ouzos zusammen in der Kiste, was dann die nötige Soap-Spannung für den Konkurrenzkampf an der Cooking Academy bietet.

An der Kochschule setzt das ITV-Team stark auf den klassischen Reich-Arm-Gegensatz, der gerne bei Daily Soaps herangezogen wird: Es gibt die angehenden Köche und Köchinnen, die durch Talent hierher kommen. Es gibt aber auch reiche Kinder von Hotel- und Restaurant-Ketten, die aufgrund des Familien-Bankkontos gute Karten auf eine Karriere im Jahrgang haben. Ein bisschen „Maxton Hall“- und Internats-Flair will „Die Cooking Academy“ auf diese Young-Adult-Weise auch zu ProSieben holen.
Zuerst auf Joyn Plus+ und Disney+
Wobei das interessante Auswertungsmodell gefunden wurde, dass die neuesten Episoden zuerst auf Joyn Plus+ und parallel auf Disney+ veröffentlicht werden, um etwas die Kosten mit diesem Share-Modell zu sparen. Erst dann kommen sie in den kostenlosen Joyn-Bereich und ins lineare TV-Programm von ProSieben.
Wie schwierig es ist, sich gegen die harte Konkurrenz einen neuen Daily-Soap-Sendeplatz aufzubauen, zeigte vor Kurzem erst Schwestersender Sat.1, der es mit „Die Landarztpraxis“ halbwegs schaffte, obwohl die bestellten Episoden nur für ein Drittel des Jahres reichte und erst nach und nach ausgebaut wurden. Bei solchen Formaten braucht es Geduld und das richtige Programmumfeld. Es wird sich zeigen müssen, ob „Die Cooking Academy“ zwischen „taff“ und „Die Simpsons“ dafür sinnig auf ProSieben geplant ist.

Lara Kimpel als Hauptdarstellerin ist eine gute Wahl
Was sich aber festhalten lässt: Lara Kimpel als Protagonistin Irini ist eine gute Wahl. Sie überzeugt als angehende Köchin aus einfachen Verhältnissen, die sich mit viel Lust und Frust in diese Herausforderung wirft. In ihrem Bestreben, ihrem Traum als Spitzenköchin nachzugehen, ist sie als geerdete Identifikationsfigur sympathisch und nahbar gespielt.
Der Cast ist ansonsten eine Mischung aus bekannten Soap-Gesichtern und Newcomern. Simone Hanselmann spielt zum Beispiel die Schulleiterin Felicitas Eichen, die man heute immer noch mit ihrem ersten großen Soap-Auftritt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ assoziiert. Matthias Brüggenolte als aufbrausender Sternekoch Alexander Eichen kennt man auch aus Formaten wie „Sturm der Liebe“ oder „Alles was zählt“.
Auch Louis Jerome Wagenbrenner weiß zu überzeugen
Dazu gesellen sich dann neue Gesichter wie Brian Rosenkranz oder Louis Jerome Wagenbrenner. Letzterer spielt Rafael, den Irini bei ihrer ersten Prüfung während einer Panikattacke im Kräutergarten kennen und schätzen lernt. Damit scheinen dann auch schon die ersten Koordinaten ihres Liebeslebens zwischen diesen beiden männlichen Polen ausgelotet.
Die schauspielerischen Leistungen haben dann auch mit unterschiedlichen Stilen zu tun. Manche sind zu laut angelegt und dick aufgetragen, andere wiederum funktionieren erstaunlich gut. Der schon genannte Louis Jerome Wagenbrenner ist zum Beispiel neben Hauptdarstellerin Lara Kimpel überzeugend in seiner Mischung aus professioneller Kompetenz und privater Schüchternheit.
Die Kombination einer Soap mit der Welt der Sterne-Küche und kulinarischen Phantastereien zu verbinden, die vor allem schweißtreibende Handarbeit sind, erscheint auf den ersten Blick und den ersten vorab gezeigten fünf Episoden eine gute Idee als narratives Szenario. Dabei setzt die Daily logischerweise hauptsächlich auf wenige Innen-Settings, die aber mit Ausnahme der Partys im leeren Mini-Swimming-Pool ein ansprechendes Ambiente vermitteln.
Michael Müller