Mit „She Said Maybe“ präsentiert Netflix eine leichtfüßige Culture-Clash-Komödie, die noch einmal ein wenig Sommerfeeling auf die heimischen Bildschirme bringt. Ab dem 19. September ist der Film im Programm des Streamers verfügbar. Hier unsere Besprechung.
FAST FACTS:
• Inszeniert vom Regieduo Buket Alakuş und Ngo The Chau
• Besetzt mit Newcomerin Beritan Balcı, die erst 2024 ihr Studium an der Theaterakadmie August Everding abschloss
• Deutsch-türkische RomCom mit klassischen Culture-Clash-Elementen
• starker Fokus auf weibliche Perspektiven – vor und hinter der Kamera
• Zweiter Film für Netflix der türkischen Produktionsfirma CB Medya
CREDITS:
Land / Jahr: Türkei/Deutschland 2024; Laufzeit: 107 Minuten; Regie: Buket Alakuş, Ngo The Chau; Drehbuch: Ipek Zübert; Besetzung: Beritan Balcı, Sinan Gülec, Serkan Çayoğlu, Meral Perin, Anja Karmanski, Berke Cetin, Cansu Tosun; Plattform: Netflix; Start: 19. September 2025
REVIEW:
So richtig smooth läuft die Beziehung von Can und Mavi nicht. Sein gewagter Heiratsantrag auf einer Zipline geht gewaltig schief – und Mavi ist nicht einmal sicher, ob sie überhaupt heiraten möchte. Gerade erst hat sie einen Architekturpreis gewonnen und hat das Gefühl, die ganze Welt steht ihr offen. Sich jetzt so stark an ihren Freund zu binden, macht sie eher nervös als glücklich. Eine gemeinsame Reise nach Istanbul zum zweiten Jahrestag nimmt sie dennoch freudestrahlend an, ist aber umso überraschter, als die beiden nach ihrer Ankunft von einem Chauffeur abgeholt und in eine luxuriöse Villa gebracht werden. Überraschend lernt Mavi dort ihre bis dato unbekannt Großmutter kennen, die Teil einer türkischen Unternehmensdynastie ist und bald ihre Nachfolge bekanntgeben soll. Endlich bekommt die Protagonistin eine Chance, mehr über ihre türkischen Wurzeln erfahren; schließlich hat ihre Mutter ihr nicht einmal Türkisch beigebracht, obwohl sie dort aufgewachsen ist. Doch neben Cousins, die nur ihr Bestes wollen, lernt Mavi hier auch machthungrige Verwandte und den überaus attraktiven Kent kennen. Letzterer sorgt natürlich für Spannungen zwischen Can und Mavi – denn was wäre eine romantische Komödie ohne ein Liebesdreieck?

Ipek Zübert, die zuvor etwa die Drehbücher für die Serie „The Mopes“ schrieb, präsentiert hier einen Film, der auf ihren ganz persönlichen Erfahrungen basiert. Und so bekommen die Zuschauenden eine Welt präsentiert, die ihnen aus der Türkei bisher vielleicht wenig geläufig war: Eine Welt voller Glanz und Glamour, mit teuren Kleidern, schicken Partys und einer Unternehmerdynastie, die so bekannt scheint, dass die Papparazzi auch die neu entdeckte Enkelin mit ordentlich Bohei verfolgen. Luxus pur wird in „She Said Maybe“ gezeigt, den Kamerafrau Jieun Yi in Hochglanzbildern einfängt. Der Film bietet schöne Menschen, noch viel schönere Kulissen und bringt das Sommerfeeling mit dem sonnendurchfluteten Istanbul, samt azurblauem Meer, auch im September noch einmal zurück auf die heimischen Bildschirme.

Eingeführt werden Can und Mavi in diese Welt von zwei aufgedrehten Verwandten, die natürlich perfekt Deutsch sprechen. Rein zufällig hat die Familie schon seit Jahren überaus gute Beziehungen nach Deutschland, weshalb alle Mitglieder dort studieren müssen, so die Erklärung. Solche Details wirken durchaus leicht überzogen, genauso wie der stets grimmig dreinblickende Großcousin, der auf die Nachfolge an der Spitze des Familienunternehmens baut und einigen finsteren Machenschaften nachgeht. Den zentralen Charakteren wird jedoch mehr Tiefe zugestanden. So erlebt das Publikum die anfangs eher streng anmutende Großmutter im Verlauf des Films als vielschichtige Figur, hinter der deutlich mehr steckt, als es den Anschein macht.

Hervorgehoben werden muss außerdem, dass „She Said Maybe“ vor allem weibliche Perspektiven in den Fokus stellt. Insbesondere mit Mavi steht eine Protagonistin im Mittelpunkt, die weiß, was sie will. Auch wenn es sich hier um eine klassische „fish out of water“-Geschichte handelt, verhält sie sich – mit einigen Ausnahmen – keineswegs nur wie die naive Unwissende und steht schlussendlich selbstbewusst für die Dinge ein, die ihr besonders wichtig sind. Gespielt wird Mavi von Newcomerin Beritan Balcı, die 2024 ihr Studium an der Theaterakademie August Everding abschloss und sich direkt im Anschluss über eine Netflix-Hauptrolle freuen durfte. Sie ist eine echte Sympathieträgerin, die zwischen Überforderung und Freude angesichts der sich ihr neu eröffneten Welt schwankt. Dabei wirkt sie nie abgehoben, sondern bleibt immer eine bodenständige Bezugsperson für die Zuschauenden. Souverän inszeniert das Regieduo Buket Alakuş und Ngo The Chau hier eine Culture-Clash-Komödie, die alle Zutaten hat, die zu diesem Genre gehören: eine Prise Kitsch, Welten, die aufeinanderprallen und die allen voran einen sommerlich-leichtfüßigen Spaß darstellt.
Lea Morgenstern