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REVIEW STREAMING: „Alphamännchen“


Humorige Miniserie über vier Freunde im besten Alter, die feststellen müssen, dass sich in ihrem Leben dringend etwas ändern muss.

CREDITS:
Land / Jahr: Deutschland 2025; Laufzeit: 8 x 30 Minuten; Regie: Tobi Baumann, Jan Martin Scharf; Drehbuch: Arne Nolting, Jan Martin Scharf, Tanja Bubbel, Fabienne Hurst; Besetzung: Tom Beck, Moritz Führmann, Serkan Kaya, David Rott, Franziska Machens, Valentina Leone, Marleen Lohse, Mona Pirzad, Jaela Probst; Plattform: Netflix; Start: 2. Oktober 2025

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„Alphamännchen“ (Credit: Netflix)

REVIEW: 
Man muss nicht zwanghaft 41 Jahre alte Lieder von Herbert Grönemeyer bemühen, um zu wissen, dass Männer es schwer haben und leicht nehmen, außen hart sind und innen ganz weich. Dass sie verletzlich sind und mit dem Kopf durch die Wand müssen. Dass sie ständig unter Strom stehen, am Telefon lügen und allzeit bereit sind. Dass all diese Erkenntnisse nicht nur gute Popsongs hergeben, sondern auch die Basis bilden können für eine Miniserie auf Netflix, 8 mal 30 Minuten, die „Alphamännchen“ heißt und sehr lustig geraten ist, sollte man zusätzlich noch sagen. Geschrieben hat den hintergründigen und bisweilen erfrischend derben Spaß mit Anleihen an die Comedys von Judd Apatow und mit einem Hauch „Die perfekte Masche“ von Neil Strauss das eingespielte Duo Arne Nolting und Jan Martin Scharf, gemeinsam mit Tanja Bubbel und Fabienne Hurst – Scharf führte hier auch Regie im Wechsel mit Tobi Baumann, dessen komisches Timing jederzeit durchscheint, aber auch von den anderen Mitstreitern geteilt wird. Die wissen, wie man’s macht. Das hat dann auch vom Start an einen hochkarätigen Anstrich, alles professionell und top umgesetzt. Mit groben Pinselstrichen werden die „Dudes“ – so der internationale Titel – doch so fein vorgestellt, dass man sie schon seit Jahren zu kennen glaubt, vier beste Freunde, die sich nach all der Zeit immer noch beim Fußball versammeln und im Anschluss im Umkleideraum Reden schwingen, sich gegenseitig hochnehmen und manchmal auch tiefer in die Karten blicken lassen als beabsichtigt, wenn sich männliches Wunschdenken und die bittere Realität mal wieder nicht richtig übereinbringen wollen. 

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„Alphamännchen“ (Credit: Netflix)

Leicht haben sie’s nicht. Wissen wir alle. Sagt die Serie. Die immer dann besonders gut ist, wenn sie es ihren Helden richtig schwermacht, sie entlarvt, ohne sie vorzuführen, und sie liebt, auch wenn sie übers Ziel hinausschießen, sich unmöglich benehmen oder irgendetwas mal wieder nicht auf die Reihe bekommen. Man ist erstaunt, warum man diesen hilflosen Kindsköpfen doch ziemlich gern zusieht. Es mag dabei nicht schaden, dass sie von Tom BeckSerkan KayaMoritz Führmann und David Rott gespielt werden, vier Sympathieträger, die, auch das hilft, easy on the eye sind. Was überhaupt zutrifft auf die Welt von „Alphamännchen“: Sie sieht gefällig aus. Weil schicke Wohnungen und Häuser, coole Restaurants und Clubs, lässige Klamotten und Accessoires. Und schöne Menschen, soweit das Auge reicht. Da nimmt man dann auch hin, dass von den Hauptfiguren der eine ein unsäglicher Hagestolz ist, der andere ein fürchterlicher Langweiler, der dritte ein alter Schisser und der letzte ein oberflächlicher Angeber.

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„Alphamännchen“ (Credit: Netflix)

Vor allem die Frauen in ihrem Leben haben unter ihnen zu leiden, die – Überraschung! – die eigentlichen Held:innen der Geschichten sind, weil sie unentwegt ein Auge zukneifen müssen und Wege finden, wie man den Alltag trotz und mit ihnen meistert. Deshalb Hut ab vor Franziska MachensValentina LeoneMarleen LohseMona Pirzad und Jaela Probst, auf deren Vernunft und Umsicht man vertrauen kann, wenn die Titelhelden wieder mal freidrehen. Aus diesem grundsätzlichen Szenario, für jedermann nachvollziehbar, entwickelt die Serie aberwitzige Situationen, komische Entgleisungen und schließlich auch ein gerüttelt Maß an Emotion. Zwischenzeitlich wird auch mal etwas auf der Stelle getreten, ein gemeinsamer Ausflug in die Berge hat wenig anderen Grund, als für Abwechslung und Bewegung zwischendurch zu sorgen. Und auch generell hätte man sich schon auch gewünscht, dass sich die generellen Betrachtungen zum bemitleidenswerten Zustand des bewegten Mannes anno 2025 etwas mehr verdichten würden zu Momenten echter Erkenntnis. Wir bleiben indes an der Oberfläche. Die wohlgemerkt eine Oberfläche ist, auf der man sich gerne aufhält – und die ihre begossenen Pudel schließlich zumindest vor Entscheidungen stellt, die signalisieren: Etwas muss sich ändern. Und etwas wird sich ändern.

Thomas Schultze