Späte Fortsetzung des Comedy-Formats, bei dem sich Stromberg und seine alten Mitstreiter zehn Jahre später zu einer aufwändigen Reunion vor laufender Kamera in einem Fernsehstudio treffen.
FAST FACTS:
• Der Papa ist zurück: Christoph Maria Herbst schlüpft ein letztes Mal in seine Paraderolle
• Erstes „Stromberg“-Format nach 13-jähriger Pause
• Wie immer erdacht und geschrieben von Ralf Husmann, wie immer inszeniert von Arne Feldhusen
• Auch der Rest des Casts (Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Milena Dreissig, Diana Staehly) ist wieder mit an Bord
• Erstmals produziert von MadeFor Film (Gunnar Juncken)
• Große Premiere mit Live-Übertragung in mehr als 200 Kinos; große Kinotour durch mehr als 20 Städte im Anschluss
• Fetter Marketingpush mit McDonald’s-Kampagne
• Die fünf Staffeln der Serie liefen von 2004 bis 2012 bei Pro7
• „Stromberg – Der Film“ kam 2014 auf 1,3 Mio. Tickets in den deutschen Kinos
CREDITS:
Land / Jahr: Deutschland 2025; Laufzeit: 95 Minuten; Regie: Arne Feldhusen; Drehbuch: Ralf Husmann; Besetzung: Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Milena Dreissig, Diana Staehly; Verleih: Filmwelt; Start: 4. Dezember 2025
REVIEW:
Wieder alles wie immer. Schon. Und doch ganz anders. Elf Jahre sind vergangen seit dem ersten Kinoauftritt von Bernd Stromberg, den das Kreativteam als Abschluss auf die von 2004 bis 2012 in fünf Staffeln entstandene Pro7-Comedyserie hatten folgen lassen, ein letztes Halali und Geschenk an die Fans, das mit 1,3 Mio. verkauften Tickets belohnt wurde. Wenn jetzt also Schöpfer und Autor Ralf Husmann und Regisseur Arne Feldhusen noch einmal im Kino antreten, um nachzusehen, was in der langen Zeit mit der von Christoph Maria Herbst immer schon kongenial gespielten Figur sowie den Mitstreitern an seiner Seite geschehen ist, dann ist das nicht nur in der Story als Reunion angelegt, in Form einer Fernsehshow, in der sich alle Beteiligten zehn Jahre später noch einmal zusammenfinden, sondern auch vor und hinter der Kamera, weil alle Mitstreiter von damals auch die Mitstreiter von heute sind und man nachsehen darf, was aus ihnen geworden ist. Oder besser: was sich Ralf Husmann hat einfallen lassen, was aus den von ihm geschaffenen Figuren geworden ist.

Vor etwas mehr als 20 Jahren war das zu Beginn noch die deutsche Version des legendären britischen Fremdschäm-Formats „The Office“ von Ricky Gervais und Stephen Merchant. Weil die Serie „Stromberg“ zwar grundsätzlich Look & Feel des Originals übernahm, sich aber alsbald schon die unverkennbare Handschrift von Ralf Husmann, die überzeugende Inszenierung von Arne Feldhusen und nicht zuletzt Christoph Maria Herbsts kongenial gespielter Bernd Stromberg („ein Mann wie Mundgeruch“) durchsetzen konnten mit ihrer ganz eigenen Form des „versteckt offensichtlichen Humors“, wie das auf YouTube ein Kommentator des Trailers so vortrefflich nannte, ging das Format eigene Wege als Abbild deutschen Befindens. Und bezieht sich nun in „Wieder alles wie immer“ nur noch auf sich selbst, auf einen ganz unverkennbaren Mikrokosmos, auch wenn Stromberg schon am Ende des ersten Filmes von seiner Capitol-Versicherung in Richtung Politik verabschiedet worden war. In einer großen Wiedersehensfeier schauen alle mal vorbei, die Figuren, die Darsteller, die Macher, das Publikum. Es ist ein Film, der einem freundlich entgegennickt und mit dem man gerne ein Kölsch trinkt, auch wenn er sich nicht an deinen Namen erinnern kann, vermutlich weil er ihn sich nie gemerkt hat, obwohl man mindestens fünfmal schon vorgestellt wurde.

Vor besagtem Fernsehstudio, wo die Vorbereitungen auf die Reunions-Show auf Hochtouren laufen und die auf die jeweilige Figur zugeschnittene Clips noch einmal gecheckt werden, haben sich die Stromberg-Fans schon traubenweise versammelt, wo sie sich so überzeugend wie der Papa gestylet haben, dass es gar nicht auffällt, wenn der echte Bernd Stromberg inmitten von ihnen auftaucht. Dass sich das Land vielleicht, die Zeiten und Sitten ganz bestimmt, der Titelheld aber garantiert nicht verändert hat, ist eine tröstliche Gewissheit, auch wenn die halsstarrige Misanthropie der Hauptfigur heute einen noch intensiveren Juckreiz auslöst als in den frühen Tagen der Serie: Duschen würde man sich wollen, wenn man nicht doch still in sich hineinlachen müsste angesichts der infamen Wirkungstreffer über und unter der Gürtellinie, so sehr sich die ehemaligen Kollegen und Kolleginnen auch winden mögen, um nicht in die alten Muster zu verfallen. Da ist es egal, dass der von Bjarne Mädel in einer Masterclass an passiver Aggression gespielte Ernie mittlerweile erfolgreiche Psychoratgeber schreibt, Milena Dreissig als Jennifer an der Seite ihres viel jüngeren Influencer-Boyfriends – László Branko Breiding – in einer immer an den falschen Stellen zwickenden Latexhose (Geniestreich von Kostümbildnerin Susa Sasserath) längst nicht so aufreizend ist, wie sie rüberkommen will, oder sich die Machtverhältnisse in der Beziehung von Ulf und Tanja – Oliver Wnuk und Diana Staehly – grundlegend geändert haben: Wenn Stromberg austeilt, tut es weh. Man lacht, weil einem nichts anderes übrig bleibt.
Was man nicht erwartet, ist eine furiose Volte, die der Komödie gelingt, als man sich als Zuschauer:in längst wieder gemütlich eingerichtet hat im trügerischen Wieder-so-wie-immer. Weil auf einmal, mitten drin und unvermittelt, doch alles anders ist als jemals zuvor, und es den souveränen Profis Husmann und Feldhusen im Handstreich gelingt, Stromberg erstmals als tragische Figur zu zeichnen, ohne Tonalität und Zielrichtung des Films zu verändern. Wie sie das hinkriegen und auf einmal die Geschichte unter veränderten Vorzeichen zu Ende erzählen, ist verblüffend und soll hier auf keinen Fall verraten werden: Unter den vielen Überraschungen, die dieses Wiedersehen bereithält, ist es die größte, die grundlegendste. So hat man Bernd Stromberg noch nicht gesehen. Der Mundgeruch ist auf einmal bittersüß.
Thomas Schultze