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REVIEW KINO: „How to Make a Killing“


Schwarzhumorige Krimikomödie, in der ein harmloses Ehepaar in der französischen Provinz kurz vor Weihnachten in eine Reihe kurioser Todesfälle verstrickt wird und zu unverhofftem Geldsegen kommt.

CREDITS: 
O-Titel: Un ours dans le Jura; Land/Jahr: Frankreich 2024; Laufzeit: 114 Minuten; Drehbuch: Franck Dubosc, Sarah Kaminsky; Regie: Franck Dubosc; Besetzung: Franck Dubosc, Laure Calamy, Benoît Poelvoorde, Joséphine de Meaux, Louka Meliava, Emmanuelle Devos; Verleih: Weltkino; Start: 6. November 2025

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Franck Dubosc und Laure Calamy in „How to Make a Killing“ (Credit: 2024 Gaumont, Pour Toi Public Productions, France 2 Cinéma, Foto Julien Panié))

REVIEW:
Das wahrscheinlich überraschendste französische Weihnachts-Feelgood-Movie der Saison sieht von Weitem gar nicht so aus, der internationale Titel „How to Make a Killing“ lässt eher eine von „Fargo“ inspirierte skandinavische Krimikomödie vermuten. Tatsächlich aber handelt es sich um die fünfte Regiearbeit von Franck Dubosc, der hier eine schwarzhumorige Parodie eben jener charmanten Boulevardkomödien zelebriert, zu deren beliebten Vertretern er gehört, frei nach dem Motto: „Der beste Weg, sich selbst zu finden, ist zu wissen, wo man sich verlieren wird.“ So lautet dann auch die Botschaft des Films, mit dem sich Dubosc entschlossen aufs Glatteis begibt, vertrautes und gefälliges Terrain verlässt, um sich in der winterlichen Berglandschaft des Jura neu zu erfinden, an einem Schauplatz, der dem verschneiten Minnesota der Coen-Brüder durchaus ähnelt. Die Handlung wiederum wird durch einen freilaufenden, amerikanischen Schwarzbären in Gang gesetzt – wie unlängst in Elizabeth Banks’ Instantklassiker „Cocaine Bear“, der das Drehbuch gleichermaßen inspiriert haben könnte. 

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„How to Make a Killing“ von Franck Dubosc (Credit: Weltkino)

Der Bär verängstigt zuerst eine vierköpfige Gruppe von Migranten, die sich durch den eisigen Wald kämpfen, was für einen von ihnen tödlich endet. Anschließend kreuzt er den Weg des Tannenbaumhändlers Michel, gespielt von Dubosc, der beim Ausweichmanöver mit seinem Pickup in einen parkenden BMW kracht, dessen Insassen ebenfalls auf grotesk grausame Weise umkommen. Anstatt den Unfall zu melden, gerät Michel in Panik und begeht Fahrerflucht, nachdem er sich vom Ableben der beiden Fremden überzeugt hat. Beim Abendessen gesteht er die Tat seiner Frau Cathy (Laure Calamy), die ihn daran erinnert, dass es im Jura keine Bären gibt (der Running-Gag des Films). Der Haussegen hängt schief, Geldprobleme und Sorgen um das möglicherweise autistische Verhalten ihres introvertierten zwölfjährigen Sohns Doudou (Timéo Mahaut) überschatten das bevorstehende Weihnachtsfest. Da Cathy (zu) viele Krimis liest, weist sie Michel auf das Offensichtliche hin: Er hat vermutlich Fingerabdrücke hinterlassen, der Verdacht wird schnell auf ihn fallen, und eine Kaution können sie sich nicht leisten. Am nächsten Tag versuchen sie gemeinsam, die Spuren zu verwischen, stoßen dabei auf eine Pistole und zwei Millionen Euro im Kofferraum und damit auf ein moralisches Dilemma, das aber schnell gelöst wird: Angesichts ihrer prekären finanziellen Lage beschließen sie, das Geld zu behalten und ihrem Sohn ein glückliches Fest zu bereiten. 

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„How to Make a Killing“ von Franck Dubosc (Credit: Weltkino)

Cathy mag pragmatischer und weniger zimperlich sein als Michel mit seiner schüchternen Loser-Mentalität – in Sachen Skrupellosigkeit sind beide Amateure, die umgehend fürchten, dass man ihnen beim Geldausgeben auf die Schliche kommt. Sie laden die Leichen auf ihren Pickup, um sie später zu beseitigen („Wenn’s keine Toten gibt, gibt’s auch kein Verbrechen“), halten es kurz darauf für einen schweren Denkfehler („Man darf die Leichen nicht verschwinden lassen. Wenn sie sie nicht finden, dann suchen sie sie zwangsläufig, und dann finden sie sie auch“), in einer Szene, die noch lustiger ist als der Einfall, sich nachträglich ein Alibi in einem Swingerclub zu verschaffen, der von Michels alter Freundin Sabine (ein Gastauftritt von Emmanuelle Devos) betrieben wird, mit der er die Landwirtschaftsschule besucht hat. Was wiederum ein Twist ist, der vorrangig dazu führt, dass Cathy bei einem Polizeiverhör aussagen kann: „Wir waren im ,Popodrom‘. Donnerstags ist immer Bangbang“. Natürlich wird das kriminalistische Versagen des Paars nur von dem der lokalen Ermittler übertroffen: Die verschnupfte Polizeibeamtin Florence (Joséphine de Meaux) und ihr Kollege mit Migrationshintergrund (Mehdi Meskar) sind damit beschäftigt, drei Flüchtenden, die kein Französisch verstehen, Phantombilder eines Bären zeichnen zu lassen, ihr dauererschöpfter Chef Roland (eine Paraderolle für Benoît Poelvoorde) ist heillos überfordert mit der Organisation des Weihnachtsessens mit seiner Ex-Frau und vor allem mit seiner Gen-Z-Tochter Blanche (Kim Higelin).

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„How to Make a Killing“ von Franck Dubosc (Credit: Weltkino)

Das großartige komödiantische Talent und Timing des gesamten Ensembles wiegt jedes Klischee auf – wobei man anmerken muss, dass in einem Film mit der wundervollen Laure Calamy grundsätzlich nichts schiefgehen kann (abgesehen von allem, was schiefgehen soll). Ohne Übertreibung manövrieren sich die Schauspieler mit einer fantastischen deadpan seriousness und mehr Onelinern als in „Stirb langsam“ durch den Krimiplot, den Franck Dubosc nie aus dem Blick verliert und der im letzten Akt eine Reihe kurios verdächtiger Charaktere in das Provinznest lockt, die mitsamt dem Bären irgendwie aus Minnesota entflohen sein müssen. Dubosc Hauptaugenmerk liegt jedoch einmal mehr auf den Figuren und ihrer Suche nach Verbindungen, einem Ehepaar, dessen eingeschlafene Beziehung wieder aufblüht, einem Vater, der seine Tochter zu verstehen versucht, einer einsamen Polizistin, die sich mit drei Geflüchteten anfreundet, die kurzerhand in die ausnahmslos sympathisch-empathische Gemeinschaft integriert werden, der man als Zuschauer jeden Geldsegen, wo immer er herkommt, von Herzen gönnt. Man wäre sogar bereit zu glauben, dass dies eine wahre Geschichte ist, auf Wunsch der Überlebenden die Namen geändert wurden und aus Respekt vor den Toten der Rest exakt so erzählt wurde, wie er sich ereignet hat. 

Corinna Götz