Am 28. September feierte „Der letzte Walsänger“ Weltpremiere beim 30. Schlingel in Chemnitz. „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ Regisseur Reza Memari und „Meine Chaosfee und ich“-Produzentin Maite Woköck stellten den ersten Spielfilm ihrer Telescope Animation gemeinsam vor. Hier lesen Sie die Besprechung zum schönen Animationsabenteuer.

FAST FACTS:
• Debüt von Telescope Animation der Branchenprofis Reza Memari und Maite Woköck
• Auf Festivaltour in Chemnitz, Hamburg, Zürich usw.
• Kooperation mit Meeres- bzw. Walschutzorganisationen sind zum Start geplant
CREDITS:
Land/Jahr Deutschland, Tschechien, Kanada 2025; Laufzeit: 91 Min; Regie/Buch: Reza Memari; Produktion: Maite Woköck; Koproduktion: Jiri Mika, Fanny Laure-Mal;. Verleih: Little Dream; D-Kinostart: 12. Februar 2026
REVIEW:
Eine ebenso klassische wie moderne Helden- und Selbstfindungsreise erzählt „Der letzte Walsänger“, die eines jungen Buckelwals, der seine Stimme und damit seine Bestimmung finden muss. Mit seinem Gesang soll er wie einst sein Vater das Meer vor einem Ungeheuer retten, das farbenprächtige Korallen in graue Landschaften verwandelt. Doch er braucht erst Selbstvertrauen. Vincent wird begleitet von einem Nanny namens Walter, genannt Walt, einen gerne Sprüche klopfenden Putzerfisch als sympathischen Sidekick. Die beiden werden in einer hübsch ausgestalteten Eingangsszene vorgestellt, die Witz, Dynamik und Warmherzigkeit versprüht. Der Name Walt bleibt nicht die einzige liebevolle Referenz an Disney bzw. das von ihm geprägte Märchenanimationskino. Wie „Bambi“ verliert Vincent früh seine ihn liebenden Eltern. Teils wird man an Pixars Klassiker „Findet Nemo“ erinnert.

Memari und sein Team erzählen ihre Geschichte ganz auf der Höhe der Zeit, in der Geschlechterklischees längst nicht mehr gelten. Vincent findet eine Freundin und Wegbegleiterin in einem Orcamädchen, das taff und kämpferisch ist und wegen einer alten Verletzung fast taub. Auf der abenteuerlichen Reise, die in die Arktis und zu den Narwalen führt, und durch einen Müllstrudel in die Tiefen des Marianengraben, treffen sie auch einige schräge Figuren, die hier nicht verraten werden sollen. In „Der letzte Walsänger“ geht es nicht nur um Familienzusammenführung, den Glauben an sich selbst und um Freundschaft, sondern auch darum, ein Bewusstsein für die Umweltzerstörung, für Naturschutz bei den Kids zu schaffen. Und das nicht auf eine belehrende Art, sondern sehr charmant, auf der erzählerischen wie auf der visuellen Ebene. Originelle Ideen, Komik aller Schattierungen, und besonders am Ende berührende Dramatik werden geboten. Auch die von Asgeir geschriebenen Gesangs tragen wesentlich zur letztgenannten bei. Das internationale Team, das sich auch aus einem tschechischen und frankokanadischen Studio rekrutiert, kreierte auch veritable Publikumslieblinge wie niedliche rosafarbenen Miniquallen. Tatsächlich gehört auch ein legendärer, riesiger, weißer Wal zum Meerespersonal, der eher für ein etwas älteres Publikum ein Begriff ist.
Der Film findet Wege zu allen Altersschichten. Ein Besucher der Weltpremiere machte Memari und Woköck ein schönes Kompliment, als er sagte, er sei von seinem Sohn überredet worden zu kommen und er habe selbst noch etwas lernen können. „Der letzte Walsänger“ wird auch auf den Festivals in Hamburg und Zürich und anderswo gezeigt werden, bevor Little Dream ihn im Februar 2026 regulär in die Kinos bringt.
Heike Angermaier