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REVIEW KINO: „Dangerous Animals“


Bösartiger australischer Horrorthriller über einen diabolischen Bootskapitän, der seine weiblichen Opfer in einem nächtlichen Ritual an die Haie verfüttert.

CREDITS:
Land / Jahr: Australien 2025; Laufzeit: 98 Minuten; Regie: Sean Byrne; Drehbuch: Nick Leper; Besetzung: Hassie Harrison, Jai Courtney, Josh Heuston, Ella Newton; Verleih: Constantin Film; Start: 11. September 2025

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„Dangerous Animals“ von Sean Byrne (Credit: Constantin Film)

REVIEW:
Nachdem Ryan Hughes’ blutiger Schocker „Red Hill“ denkwürdig den AC/DC-Prototypen „Black-Eyed Bruiser“ von Stevie Wright zum Einsatz brachte und nun Sean Byrne genialisch Verwendung für den Song „Evie“ des besagten hart lebenden und früh gestorbenen ehemaligen Frontmannes der Easybeats findet, lässt sich schon fast die Regel aufstellen: Wenn der Hardrock von Stevie Wright in einem australischen Genrefilm erklingt, ist mit einem starken Film zu rechnen. Und im Fall von „Dangerous Animals“ obendrein mit einem in Erinnerung bleibenden Bösewicht mit ausgezeichneten Musikgeschmack, ohne dass diese lobenswerte Tugend ihn in irgendeiner Form weniger bösartig und sadistisch sein ließe. Böse Menschen mögen keine Lieder haben, aber vielleicht tanzen sie gerne zu ihnen nur mit Y-Front-Unterhose bekleidet: Die bezeichnenden Charakterschnörkel lassen diesen Bruce Tucker noch monströser erscheinen, eine Steilvorlage für den vor Jahren mal als möglichen Star gehandelten Jai Courtney, mit neuem bulligem Auftreten ein Comeback einzuläuten, jetzt halt als Charakterschädel, der niemandem gefallen muss. Er ist großartig in der Rolle dieses unberechenbaren Mannes, der schneller von jovialem Charme auf schnaubende Wut umschalten kann, als er sein scharfes Schnappmesser hervorschnellen lässt – und das macht er ziemlich schnell und unerwartet. Der Höhepunkt ist dann sein Solo, in dem man Tucker allein sieht, wie er zu „Evie“ tanzt und sich auf den großen Moment vorbereitet, sein Ritual, bevor er wieder eines seiner Opfer nachts an die Haifische verfüttert.

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„Dangerous Animals“ von Sean Byrne (Credit: Constantin Film)

„Dangerous Animals“ hat auch nichts mit „Der weiße Hai“ oder irgendeinem anderen Hai-Thriller der letzten Jahre zu tun, von „The Meg“ über „47 Meters Down“ und „Open Water“ bis „The Shallows“. Die Bestie mit den toten Augen befindet sich über Wasser, sieht sich bestenfalls als seelenverwandt mit dem Raubfisch unter Wasser, und verweist doch eher klar auf das Kino, mit dem sich Regisseur Sean Byrne einst einen blendenden Namen gemacht hatte, der fiese Horrorthriller mit dem unverkennbaren Down-Under-Touch, wie er vor ihm bereits von Greg McLean zelebriert worden war. Schon Byrnes Debüt, „The Loved Ones“, war vor 15 Jahren mehr als nur ein Versprechen, einer der herausragenden Genretitel des Jahrgangs, was es umso frustrierender macht, dass danach erst fünf Jahre später mit „The Devil’s Candy“ ein weiterer Film und seither gar nichts mehr folgte. Wenn es denn nun zehn Jahre für Byrne bedurfte, sich diesen perfiden Schocker aus den Rippen zu schnitzen, will man es als gut investierte Zeit verbuchen, ansonsten als Schande: Dieser Mann muss öfters Filme machen, weil er Spannungsaufbau und -entladung ebenso gut beherrscht wie das Zeichnen glaubwürdiger Figuren und Sympathieträger, denen man ein Schicksal wie in „Dangerous Animals“ niemals wünschen würde. 

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„Dangerous Animals“ (Credit: Constantin Film)

Das ist in diesem Fall zunächst einmal das verliebte Paar, das sich von Tucker in seinem Boot aufs offene Meer steuern lässt, wo ihnen eine Haifischtour versprochen ist. Natürlich ist es am allerbesten, wenn man komplett ohne Vorwissen in den Film geht, weil dann bereits der Auftakt einem vorzüglich den Boden unter den Füßen wegzieht. Stichwort: schnell geführte Klinge (siehe oben). Nach fünf Minuten weiß man also schon, wer der Gegenspieler der patenten Surferin Zephyr sein wird: Hassie Harrington aus „Yellowstone“ ist eine wunderbare Heldin, ebenso attraktiv wie patent, ein kluges Mädchen, das in einer harten Kindheit gelernt hat, wie man sich in ungünstigen Situationen behauptet. Und auch hier nicht vorhat, kleinbeizugeben, egal wie aussichtslos die Lage auch erscheinen mag. Katz-und-Mausspiel nennt das wohl, was sie und Jai Courtney sich da liefern, die Schöne und das Biest, wenngleich die Schöne früh die Krallen ausfährt und das Biest sich alsbald auch verwundbar zeigt. Ihr Kampf auf Leben und Tod mag sich auf engstem Raum abspielen, während die Haie das Boot umkreisen, das wie ein grausames Ausrufezeichen aus dem Wasser heraussticht. Aber wie Sean Byrne ihn orchestriert, immer neue Haken schlägt und Hindernisse in den Weg legt, das fühlt sich schon auch verdammt episch an. Die Einladung nach Cannes ausgerechnet in die Quinzaine des Réalisateurs mag merkwürdig erscheinen. Wenn man aber weiß, dass dort einst auch „Texas Chain Saw Massacre“ Premiere gefeiert hatte (und erst vor ein paar Jahren Gapar Noés „Climax“), dann wird ein Schuh draus.

Thomas Schultze