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REVIEW FILMFEST MÜNCHEN: „The Last Spy“


Mit Peter Sichel, einstiger Top-Spion der CIA, hat Katharina Otto-Bernstein eine schillernde Persönlichkeit als Protagonist ihres jüngsten Dokumentarfilms gewählt, der auf dem 42. Filmfest München Weltpremiere feierte.

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„The Last Spy“ (Credit: Dogwoof)

CAST:
Land/Jahr: USA/Deutschland 2025; Buch und Regie: Katharina Otto-Bernstein; Producers: Oleg Dubson, Sabine Schenk, Katharina Otto-Bernstein & Kathrin Lohmann; Executive Producers: Simon Kilmurry David Dinerstein Frida Torresblanco Frank Murray; Co-Producer: Federica Belletti. Sender: ZDF/arte.

REVIEW:
Dass Spione kein so glamouröses und actionreiches Leben führen wie James Bond, will man vielleicht nicht wahrhaben, kann man sich aber denken. In Katharina Otto-Bernsteins neuem Dokumentarfilm „The Last Spy“ steht ein solcher Top-Spion, den wir im Film als 007 – „mit der Lizenz zum Töten“ – serviert bekommen, im Mittelpunkt: Peter Sichel, 100 Jahre alt zur Zeit der Interviewaufnahmen im Film, gehörte einst zur obersten Riege des US-Außengeheimdienstes, auch bekannt als Central Intelligence Agency, kurz CIA. Sichel, der deutsche Wurzeln hat – er war ein Kind, als er mit seinen wohlhabenden jüdischen Eltern, die bei Mainz ein Weinimperium hatten, vor den Nazis in die USA geflohen ist –, ließ sich mit Beginn des Zweiten Weltkriegs als junger Mann von der US-Army rekrutieren und stieg dort schnell auf: erst beim neu gegründeten Office of Strategic Services (OSS), dem CIA-Vorläufer, dann bei der CIA, für die er 1947 die Dienststelle in Berlin übernahm.

Katharina Otto-Bernstein, die mit Kathrin Lohmann in einem transatlantischen Verbund arbeitet (beide haben zuletzt u.a. „Joyland“ mitproduziert), lässt Sichel viel zu Wort kommen, die Fragen stellt sie selbst aus dem Off. Auch seine beiden Töchter und der Sohn von Sichels ehemaligem Kollegen in Berlin treten vor die Kamera. Angereichert ist das faszinierende Porträt, das durchaus Fragen zum Wert der Wahrheit aufwirft, mit viel Archivmaterial. Unverstellt und gleichzeitig intim ist der Blick, den Otto-Bernstein auf ihren Protagonisten wirft, der wiederum nicht nur die verschlungenen Wurzeln zahlreicher heutiger Weltkonflikte offenlegt, sondern auch die stillen Opfer anspricht, die ein Leben in der Unsichtbarkeit fordert. In Anbetracht der aktuellen politischen Weltsituation kommt dieser Film (leider) genau zum richtigen Zeitpunkt. Einer der wichtigsten Sätze, die Sichel im Film sagt, lautet: „Es ist unsere Aufgabe, aus der Vergangenheit zu lernen und Zusammenhänge zu erkennen.“ Denn Weltkrisen entstehen nicht über Nacht, ohne Hintergrund. Vieles aus der Vergangenheit strahle in die Gegenwart. Das zeigt „The Last Spy“, das offenbaren die Erzählungen von Peter Sichel, dessen Lebensgeschichte auf alle Fälle auch das Zeug zum Hollywoodfilm hätte.