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REVIEW FILMFEST HAMBURG: „Als wäre es leicht“


Mit seinem Debütfilm präsentiert Milan Skrobanek ein Liebesdrama über zwei Menschen, die gehörlos bzw. blind sind. Hier unsere Besprechung zu „Als wäre es leicht“, der beim Filmfest Hamburg Premiere feierte.

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Cindy Klink und David Knors in „Als wäre es leicht“ (Credit: CURLYPICTURES GmbH & Co KG)

CREDITS:
Land/Jahr: Deutschland 2025; Regie: Milan Skrobanek; Buch: Milan Skrobanek, Eibe Maleen Krebs; Besetzung: Cindy Klink, David Knors, Athena Lange, Marion Kracht, Joachim Raaf, Anna Unterberger; Produktion: CURLYPICTURES GmbH & Co KG; Premiere: Filmfest Hamburg 2025

REVIEW:
Auf ganz unterschiedliche Arten nehmen Kati und Florian die Welt wahr: Sie ist gehörlos und liebt es zu fotografieren, er ist blind und arbeitet ehrenamtlich beim St. Pauli-Fanradio. In seinem Spielfilmdebüt erzählt Milan Skrobanek mit viel Feingefühl die Geschichte einer Liebe, die auf zahlreiche Hürden trifft. Florian lebt zunächst vom Bürgergeld und würde am liebsten nur die ehrenamtliche Arbeit beim Radio durchführen. Von seinem Sachbearbeiter wird er allerdings dazu verdammt beim Dialoghaus Hamburg zu arbeiten, worauf er so gar keine Lust hat. Dort trifft er auf Kati, die direkt Interesse an ihm zeigt – die Figuren werden von David Knors und Cindy Klink verkörpert, die selbst blind bzw. gehörlos sind. Beide sind echte Entdeckungen und legen eine wahnsinnig starke Schauspielleistung hin – insbesondere Knors muss an dieser Stelle hervorgehoben werden, der hier das erste Mal vor der Kamera steht.

Schnell sind die Sprachbarrieren der Protagonisten mithilfe von Apps oder einer besonderen Art der Gebärdensprache, bei der man die Hände des Gegenübers berührt, überwunden. Nach einem ersten Date werden die beiden ein Paar, doch ganz so glatt gestaltet sich die noch frische Beziehung nicht: Gerade Katis Mutter scheint wenig begeistert zu sein, dass der neue Partner ihrer Tochter blind ist. Außerdem geraten die Hauptfiguren immer wieder wegen Nichtigkeiten aneinander, etwa, wenn ein Fahrradreifen plötzlich platt ist, Florian aber beim besten Willen nicht ausmachen kann, wo das Loch denn nun sein soll.

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Cindy Klink in „Als wäre es leicht“ (Credit: CURLYPICTURES GmbH & Co KG)

Gerade diese Streitigkeiten sind es, die dann doch teils etwas überzogen wirken und für eher erzwungenes Drama sorgen. So gestaltet es sich doch etwas schwierig für die Zuschauenden, eine Bindung zu dem Paar aufzubauen, dass sich die meiste Zeit über nur zu streiten scheint. Neben dem Liebesdrama werden aber auch noch andere Aspekte aus dem Leben von Florian und Kati erzählt: Insbesondere die Beziehungen zu ihrer Familie spielen eine zentrale Rolle. Florian hat den Kontakt zu seinem Vater und seinen Geschwistern komplett abgebrochen, während Kati sich mit ihrer Mutter zofft, die darauf besteht, dass sie ein Cochlear-Implantat bekommt, mit dem sie wieder hören könnte. Allerdings weigert sie sich, nicht nur, weil sie ihre Gehörlosigkeit nicht als Behinderung bzw. etwas, was repariert werden muss, ansehen möchte, sondern auch wegen der Vorurteile, die Viele gegenüber dieser Technologie hegen. „Du weißt gar nicht, wie über diejenigen gelästert wird, die ein Cochlear-Implantat haben“ sagt sie an einer Stelle. Ebendieses Stigma hatte bereits „Sound of Metal“ 2019 behandelt und sich dabei sehr stark auf die Community der Gehörlosen fokussiert.

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„Als wäre es leicht“ (Credit: CURLYPICTURES GmbH & Co KG)

Bei „Als wäre es leicht“ wird dagegen keine der Communities besonders in den Vordergrund gerückt; auch geht es nicht um das Zurechtfinden mit der eigenen Behinderung. Stattdessen fühlen sich beide Protagonisten wohl in ihren Körpern – ihre Gehörlosigkeit bzw. Blindheit wird hier schlicht als Selbstverständlichkeit dargestellt. Dabei wird die Perspektive von Kati immer wieder unmittelbar für die Zuschauenden erlebbar gemacht, indem in einigen Szenen nur ein dumpfes Rauschen zu hören ist – das Publikum hört in diesen Momenten also genauso wenig wie sie. Schade ist nur, dass diese kluge Idee nicht auch auf die Szenen mit Florian angewendet wurde. Vielmehr orientiert sich die Kamera stattdessen an Kati und lässt etwa einzelne Momente einfrieren, von denen sie gerade ein Foto geschossen hat. Andere Szenen wiederum wurden, an den Stil von Wong Kar-Wai erinnernd, in Slow Motion mit einer niedrigen Framerate gedreht und wirken dadurch wunderbar träumerisch. So liefert Milan Skrobanek einen handwerklich starken Film ab, der das Herz stets am rechten Fleck hat und Perspektiven zeigt, die so leider viel zu selten im Kino abgebildet werden.

Lea Morgenstern