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REVIEW CANNES: „Eagles of the Republic“


Effektiver Verschwörungsthriller über einen ägyptischen Schauspielstar, der sich von der Regierung einspannen lässt und nicht erkennt, dass er nur Spielball in einem schmutzigen Spiel ist.

CREDITS:
Land / Jahr: Schweden, Frankreich 2025; Laufzeit: 129 Minuten; Regie, Drehbuch: Tarik Saleh; Besetzung: Fares Fares, Zineb Triki, Lyna Khoudri, Amr Waked

REVIEW:
Tarik Saleh
 hat gerade den Druck erhöht. In „Die Nile Hilton Affäre“ implizierte der schwedische Filmemacher mit ägyptischen Wurzeln, dem die Einreise in das Land seiner Eltern untersagt ist, die Polizei, in „Die Kairo Verschwörung“ (bestes Drehbuch in Cannes 2022) nahm er die Religion ins Visier. Zum Abschluss seiner Kairo-Trilogie ist nun sein eigenes Medium fällig: Das Kino selbst rückt der volatile Filmemacher in den Brennpunkt seines neuen Politthrillers, macht die Kunst zum Brandbeschleuniger einer paranoiden Verschwörungsgeschichte, die verhalten beginnt, mehr oder minder den Konventionen folgt, um sich dann im letzten Drittel zu einem der unerhörtesten und radikalsten Angriffe gegen das aktuelle Regime Ägyptens zu verwandeln, als würde er eine Bombe im Zentrum der Macht zünden. Abgesehen davon, dass hier Genrekino auf höchstem Niveau zelebriert wird von einem der Regisseur, der die Form verinnerlicht hat, wird man Zeuge, wie Kino auch im Jahr immer noch unerhört sein kann, mitten ins Nervenzentrum trifft.

Eagles of the Republic x

Eagles of the Republic“ steht nicht nur filmisch „Die Nile Hilton Affäre“ näher als „Die Kairo Verschwörung“, er hat auch erneut Fares Fares in der Hauptrolle (in „Die Kairo Verschwörung“ spielte er lediglich eine Nebenrolle). Hier ist er der größte Filmstar des Landes, George El-Nabawi, dessen Eitelkeit und Hybris keine Grenzen zu kennen scheinen. Wegen seines Erfolgs auf der Leinwand und seiner öffentlichen Bekanntheit hält er sich für einen wichtigen Player, einen Unberührbaren, der sich auch mit der Macht arrangieren zu können glaubt. Er genießt seine Freiheiten, die ihm das Startum ermöglicht, kann sich in dem streng muslimischen Land eine Geliebte halten, ohne von der Gnade abzufallen. Ebenso glaubt er, Herr der Situation zu sein, als ihm und seinem offen schwulen Manager nahegelegt wird, er solle in einer kommenden Hurra-Großproduktion über die frühen Tage und den Aufstieg des aktuellen Präsidenten Abdel Fatah El-Sisi die Titelrolle übernehmen, obwohl der dem Mann nicht im Geringsten ähnlich sieht und auch viel größer ist. 

Auf einmal ist George ganz nah dran an der Macht und glaubt auch, den einen oder anderen Gefallen einfordern zu können, für einen Nachbarn in Not, eine auf die schwarze Liste gesetzte Kollegin und schließlich selbst, als sein Sohn verhaftet wird. Er realisiert nicht, dass er sich immer abhängiger macht und ein bloßer Spielball für einen aberwitzigen Plot ist, wie ihn sich Costa-Gavras für seine paranoiden Staatsstreichfilme niemals zu erzählen getraut hätte, eine Art „Labyrinth der Angst“, noch einmal zwei Drehungen weitergeschraubt, mit Fares Fares als bequemer und leicht zu steuernder Trottel, ähnlich wie es Emily Blunt in „Sicario“ widerfahren war: Bis er erkennt, was wirklich gespielt wird, ist es längst zu spät. Tarik Saleh ist unbeirrbar bei der Umsetzung seiner Geschichte, die nicht mehr und nicht weniger macht, als die aktuellen Machthaber in Ägypten gleichzusetzen mit dem organisierten Verbrechen, die absoluten Gehorsam einfordern in einem Land, in dem das Leben schnell verwirkt ist, wenn man auf der falschen Seite gewöhnt wird. Am Ende bleibt nur die Betäubung un Ablenkung. Der Film beginnt mit einer Gruppe von Männern, die vor einem Radio auf Pferde wetten – und endet auch so. Am Anfang ist Aufregung, am Ende Resignation. 

Thomas Schultze