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REVIEW BERLINALE: „Das tiefste Blau“


Gabriel Mascaro ist nach „Divino Amor“ wieder zurück auf der Berlinale und läuft jetzt sogar im Wettbewerb mit seiner sowohl dystopischen als auch entspannten Near-Future-Geschichte „Das tiefeste Blau“ / „The Blue Trail“. In Brasilien werden Menschen ab 75 Jahre in eine Seniorenkolonie abgeschoben. Aber es regt sich Widerstand.

The Blue Trail
„Das tiefste Blau“ (Credit: Guillermo Garza / Desvia)

CREDITS:
Brasilien, Mexiko, Chile, Niederlande 2025; 86 Minuten; Produktion: Desvia, Cinevinay, Quijote Films, Viking Film; Regie & Buch: Gabriel Mascaro; Cast: Denise Weinberg, Rodrigo Santoro, Miriam Socarrás, Adanilo; Weltvertrieb: Lucky Number;  Weltpremiere: Berlinale 16.2.25

REVIEW:
Der brasilianische Wettbewerbsbeitrag „O último azul“ („Das tiefste Blau“) erzählt in einem Near-Future-Szenario von einer Gesellschaft, die ihre alten Menschen mit 75 Jahren wegschließt, damit die nachfolgende Generation die Reproduktion wieder stärker ankurbeln kann. Tereza bekommt zu ihrem 75. Geburtstag Lorbeergkränze an die Haustür gehängt, obwohl sie bereits 77 Jahre alt ist. Die kurze staatliche Aufmunterung bedeutet aber nichts anderes, als dass sie nun in die Seniorenkolonie umgesiedelt wird.

Tereza, gespielt von Denise Weinberg, denkt aber gar nicht daran, sich altersdiskriminierend abschieben zu lassen. Stattdessen begibt sie sich auf einen Roadtrip, um den staatlichen Kräften zu entkommen. Dabei begegnet sie unterschiedlichen Menschen, die ihr beim Verstecken helfen. Da ist zum Beispiel Cadu (Rodrigo Santoro), der sie mit auf seinem Boot durch den Amazonas nimmt und ihr nebenbei zeigt, wie man mit dem Schleim der blauen Schnecke sich Zukunftsvisionen in die Augen träufelt.

Gabriel Mascaro: „Neon Bull“, „Divino Amor“ & jetzt „Das tiefste Blau“

„The Blue Trail“ ist Gabriel Mascaros vierter Spielfilm. Der Brasilianer erlangte im Jahr 2015 Bekanntheit mit seinem viel dekorierten Werk „Neon Bull“. Zuletzt lief er mit „Divino Amor“ 2019 im Panorama. Sein jetziger Film ist trotz ernster Thematik sonnendurchflutet, gefüllt mit entspannten Amazonas-Bildern und gut gelaunten Helfenden.

Abgesehen von der dystopischen Prämisse besitzt das Ganze wenig bis keine optischen Sci-Fi-Aspekte und wirkt wie eine moralische Fortführung des Vorgängerfilms „Divino Amor“, der sich auch schon mit in Mascaros Augen falschen gesellschaftlichen Entwicklungen Brasiliens auseinandersetzte. „Das tiefste Blau“ lenkt den Blick auf den immer älter werdenden Teil der Gesellschaft und ist ein Plädoyer für mehr Würdigung der Lebensleistung von Seniorinnen und Senioren. Die Flucht von Protagonistin Tereza setzt dabei nicht auf Spannungseffekte oder Genremomente, sondern will eine Frau im besten Alter zeigen, die es immer noch draufhat.

Michael Müller