Immer ein Highlight auf der Seriencamp Conference ist das sogenannte „Work in Progress“-Panel, bei dem Kreative teils noch unfertige, aber umso spannendere neue Serienprojekte vorstellen. „Mozart/Mozart“ wusste dabei besonders zu begeistern, die Sci-Fi-Serie „We Come in Peace“ vom ZDF sah aber auch spannend aus.

Eine der beliebtesten Veranstaltungen auf der Seriencamp Conference ist jedes Jahr das Work-in-Progress-Panel, das dieses Mal auf gleich drei Tage aufgeteilt wurde, weil der Andrang von spannenden neuen Serienformaten so groß war. Da der sonstige Moderator Thomas Lückerath noch auf der Kongressmesse Anga nahe der Schlagzeilen machenden Weltkriegsbomben in Köln-Deutz weilte, übernahm verantwortungsvoll THE SPOT-Chefredakteur Thomas Schultze die schöne Aufgabe, die beiden ganz frischen Serienprojekte „Mozart/Mozart“ und „We Come in Peace“ mit den verantwortlichen Kreativen auf der Bühne vorzustellen.
Und es lässt sich gleich festhalten: Was von der High-End-Serie „Mozart/Mozart“ mit „Love Sucks“-Shooting-Star Havana Joy als Maria Anna Mozart und Eren M. Güvercin als Amadeus Mozart zu sehen war, sah sexy, wild und modern aus. Hier steht eben nicht der weltberühmte Musiker Wolfgang Amadeus Mozart, sondern seine nicht minder begabte Schwester Maria Anna im Mittelpunkt.
Bildersturm klopft Staub ab
Das Projekt von Showrunner Andreas Gutzeit, der zusammen mit Swantje Oppermann die Drehbücher schrieb, und Regisseurin Clara Zoë My-Linh von Arnim wirkte in seinem bilderstürmerischen Stil und dem abgeklopften Staub der eigentlich so alten Geschichte sehr heutig.
„Wir erzählen nicht die Geschichte von Wolfgang Amadeus Mozart. Wir erzählen die neue Geschichte von Mozarts Schwester, die bis zum Alter von 15 Jahren als das Wunderkind galt. Wir erzählen, wie sie Amadeus rettet, als er in einer finsteren Rockstar-Phase seines Lebens war“, sagte Showrunner Gutzeit über das Projekt, dessen Dreharbeiten aktuell noch in Litauen und Lettland laufen.
„Wir haben uns viele Freiheiten genommen“
„Wir wollten nicht in die Falle geraten, dass wir einfach nur Wikipedia reproduzieren. Wir wollen dem Publikum etwas geben, was es noch nicht weiß. Wir haben uns viele Freiheiten genommen“, erklärte Gutzeit, der durch vier „Sisi“-Staffeln durchaus erfahrungsgesättigt bei der Modernisierung von bekannten Stoffen ist. „Mozart/Mozart“ ist eine Story House Pictures Produktion zusammen mit der ARD (WDR, SWR, ARD Degeto Film), dem ORF und Bavaria Media als Weltvertrieb.
Das „Mozart/Mozart“-Team wollte keine historische, sondern eine moderne Serie machen. Gutzeit lobte in diesem Zusammenhang explizit die gerade drehende Regisseurin Clara Zoë My-Linh von Arnim, die in der Biografie von Maria Anna Mozart die eigene Geschichte wiederfand und dementsprechend leidenschaftlich umsetzte. „Es ist kein Musical, aber es ist eine sehr musikalische Serie“, sagte Gutzeit. Auch Co-Drehbuchautorin Swantje Oppermann betonte auf der Bühne, dass es ihr wichtig war, mit der sich kreative Freiheiten nehmenden Geschichte vor allem eine emotionale Wahrheit zu treffen.
Nah am Idealbild vom modernen Mainstream
Frank Tönsmann für den in der ARD bei diesem Projekt federführenden WDR schwärmte auf der Bühne: „Durch die Marke Mozart spricht das Ganze alle Altersschichten an. Es ist die Geschichte einer jungen Frau. Es gibt aber viel Mozart-Musik, die jedoch modern interpretiert wird. Die Serie macht Spaß. Es gibt eine Romanze und Suspense. Wir sprechen in der ARD von modernem Mainstream. Mit der Serie sind wir nah an das herangekommen, was wir mit diesem Begriff erreichen wollen.“
Komponistin Jessica De Rooij erklärte den frische Soundtrack-Ansatz der Produktion. „Unsere Herangehensweise war: Es gibt viel Mozart-Musik, die wir aber in Popmusik mit neueren Instrumenten transformieren.“ Sie sei ungewöhnlich viel am Set gewesen, weil es eine enge Abstimmung zwischen der Musik, der Regisseurin, dem Drehbuch und der Produktion geben musste.
Schwedische Sci-Fi fürs ZDF
Die zweite groß vorgestellte Serie des ersten Tages der Seriencamp Conference war die internationale Sci-Fi-Serie „We Come in Peace“, bei der nicht auf der Bühne aufgeklärt wurde, ob es sich dabei um ein nerdiges Filmzitat aus dem trashigen 1990er-Klassiker „Dark Angel“ mit Dolph Lundgren handelt. Aber die Koproduktion zwischen dem schwedischen Sender TV4 und dem ZDF mit Piodor Gustaffson als verantwortlichen Produzenten ließ zumindest daran denken.
Es ist die klassische Frage, wenn wieder eine neue Alienrasse auf die Erde kommt, ob die Absichten gute oder schlechte sind. Der Kniff dieser besuchenden Spezies ist aber zum Beispiel, dass das Alien-Raumschiff aus organischer Materie besteht. Das Publikum bekam hier wirkliche „Work in Progress“-Bilder zu sehen, weil größtenteils die doch elementaren Spezialeffekten noch nicht fertig waren.
Wobei auch eine kurze Sequenz mit einem Baby-Alien und fertigen Effekten gezeigt wurde, die sehr überzeugend aussah. Gustaffson, der als Produzent ein Händchen für außergewöhnliche Genrestoffe wie „Border“ oder „Lamb“ hat, betonte, wie wichtig es sei, starke Koproduktionen bei einem so ambitionierten Serienprojekt an Bord zu haben.
„Sci-Fi ist für uns auch eher ungewöhnlich“
„Es hat ein größeres Budget, als wir normalerweise in Skandinavien für Serien ausgeben. Sci-Fi ist für uns auch eher ungewöhnlich. Es gibt eine ganz feine Linie, bei der es schnell lächerlich, aber auch großartig werden kann“, sagte er zur Herausforderung, diese Alien-Invasion aus Schweden heraus zu erzählen.
„Bei unseren Budgets in Europa macht es wenig Sinn, auf Englisch zu drehen und in direkter Konkurrenz mit Hollywood zu stehen. Wir sollten uns lieber auf unsere eigenen Stärken konzentrieren und durchaus auch zeigen, dass es sich um eine schwedische Serie handelt“, sagte Gustaffson, der auch in Belgien und Litauen drehte.
Claus Wunn vom beteiligten ZDF sagte auf der Bühne: „Wir haben die Serienidee geliebt. Wir waren schon vom Pitch beeindruckt. Für uns ist das Projekt ziemlich einzigartig. Es ist für unseren Montagskino-Slot gedacht. Wir nennen es Grounded Sci-Fi.“