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Unifrance Rendez-Vous lockt mit Frankreich-Serien-Highlights nach Le Havre


Französische Serien mögen nicht den weltweiten Ton angeben. Aber sie setzen Trends wie bei „HPI“ und „Call My Agent“, sie können auch internationale Hits wie bei „Cat’s Eyes“ und präsentieren in Le Havre Anfang September wieder auf einem eigenen Markt die neuesten Highlights.

Französische Serien 2025
Französische Serien: „Vendetta“, „Cat’s Eyes“, „Escort Boys“ und „HPI“ (Credit: ZDF, Story Nation/Oberkampf, CPB Films)

Vom 1. bis 5. September findet zum zweiten Mal das Unifrance Rendez-Vous in Le Havre statt. Es ist mit mehr als 500 präsentierten und ins Scheinwerferlicht gestellten Formaten für internationale Käufer der größte Markt, der sich ausschließlich auf französische Serien, Dokumentationen und Animationsformate im TV- und Streaming-Bereich fokussiert. Tatsächlich ist es schon die 31. Ausgabe, aber der Umzug von Biarritz in die französische Küstenstadt aufgrund der starken Förderung durch die Normandie-Region ist noch frisch.

Am Dienstag werden beim Rendez-Vous die Export-Zahlen der französischen TV- und Streaming-Industrie von CNC und Unifrance gemeinsam präsentiert. Trotz herausfordernder Marktbedingungen werden rund 150 Käufer aus aller Welt, aber doch hauptsächlich aus Europa, erwartet. Sie sollen aus 40 verschiedenen Ländern anreisen. Zum ersten Mal ist zum Beispiel das deutsche AVoD-Distibutionsunternehmen Quintus Studios dabei. Das ZDF dagegen gehört seit langem zu den treuen Reisenden.

Fiction auf dem Vormarsch

Unifrance-Präsident Gilles Pélisson sieht vor allem gegenüber dem US-Branchenblatt Variety die Fiction auf dem Vormarsch: „In den vergangenen Jahren haben wir einen deutlichen Anstieg an Scripted-Serien beobachtet, insbesondere bei leichten Krimiserien wie ‚HPI‘, ‚Astrid et Raphaëlle‘ oder ‚Tom & Lola‘, die zu internationalen Erfolgsgeschichten geworden sind.“

Eine sehr schöne internationale Erfolgsgeschichte war dahingehend die Manga-Verfilmung „Cat’s Eyes“ über drei diebische Schwestern. In der französischen Heimat sahen bis zu sechs Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer auf TF1 zu. Auch in Deutschland fand das Format vor allem im Streaming-Bereich des ZDF sein Publikum. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ist auch bei der zweiten Staffel wieder als Koproduzent dabei.

SWR-Koproduktion „Etty“ mit Julia Windischbauer an der Mostra

Bei dem parallel zum Unifrance Rendez-Vous laufenden Venedig-Filmfestival feiern dieser Tage zwei verheißungsvolle französische Serien ihre Weltpremiere: Eine Serienversion des Jacques-Audiard-Gefängnisklassikers „Un Prophete“ von Studiocanal und die Serie „Etty“, bei der der SWR Koproduzent ist und Sebastian Koch sowie Julia Windischbauer tragende Rollen spielen (Produktion: Les Films du Poisson, Komplizen Serien, Topkapi Series und Quiddity).

Hagai Levi erzählt in „Etty“ mit Windischbauer in der Hauptrolle vom Leben der 27-jährigen Etty Hillesum während der Besatzung von Amsterdam durch die Nazis. Studiocanal bietet neben „A Prophet“ auch „The Sentinels“ beim Rendez-Vous-Markt an, wo superstarke Soldaten in einem alternativen Ersten Weltkrieg kämpfen. Canal+ ist der Sender, der das Format auch in andere europäische Länder bringen wird.

Internationale Adaptionen boomen

Gleichzeitig gibt es aktuell diverse internationale Adaptionen von französischen Serien-Hits wie „HPI“, das in den USA zum Beispiel als „High Potential“ mit Kaitlin Olson („It’s Always Sunny in Philadelphia“) einer der erfolgreichsten Serienneustarts der vergangenen Jahre neben „Tracker“ ist und in Deutschland auf Disney+ läuft.

Am 12. September startet die mit großer Spannung erwartete deutsche Adaption des französischen Hits „Call My Agent“ – ebenso auf Disney+. Dazu passt, dass Fanny Herrero, die Erschafferin dieses Serienformats, das inzwischen zahlreiche internationale Adaptionen erfahren hat wie nun „Call My Agent Berlin“, beim Unifrance Rendez-Vous in Le Havre den Deadline TV Disruptor Award überreicht bekommen wird.

Neue Highlights „Vendetta“, „After Us“ oder „Escort Boys“

Zu den exklusiv präsentierten einheimischen Serien-Highlights in Le Havre ist „Vendetta“ (im Original: „La Terre et le Sang“) von CPB Films über eine korsische Gangsterdynastie von Creator Ange Basterga zu zählen, der die sechsteilige Serie mit Pierre-Marie Mosconi und Emmanuelle Michaux schrieb.

Das Format reicht von den frühen 1990er-Jahren bis in die Jetzt-Zeit. France TV Distribution hat den Vertrieb, die auch eine dritte Staffel des Cybercrime-Formats „Stalk“ über einen begabten Hacker anbieten, dessen zweite Staffel in 120 Länder verkauft wurde. „Stalk“ gab es in Deutschland zuerst auf dem Sony Channel, den es bekanntlich nicht mehr gibt. Das Format war dann aber auch auf One und so in der ARD-Mediathek mit seinen ersten beiden Staffeln zu sehen.

Ein weiterer Tipp in Le Havre ist die Drama-Serie „After Us“ von Louis Aubert und Matthieu Bernard mit Natacha Lindinger, François Berléand, Marie Colomb und Léo Legrand über Klimaaktivisten, die Kinder europäischer Spitzenpolitiker entführen, um ihre Forderungen durchzudrücken. Der Vertrieb ist Mediawan Rights. Es wird eine exklusive Premiere vor Ort geben.

Das Projekt ist besser bekannt als „Phoenix“ und ist Teil der zweiten Staffel der verheißungsvollen New8-Projekte, an denen auch das ZDF beteiligt ist – hier sogar federführend. Produziert werden sechs Folgen á 45 Minuten von Les Films du Cygne, Storia Télévisions und Maze Pictures. Maik Platzen und Frank Seyberth haben die verantwortliche Redaktion im ZDF.

Wild Bunch TV bietet die zweite Staffel der Hit-Serie „Escort Boys“ auf, die Marc Syrigas, Ruben Alves und Yael Lebrati Attuil geschrieben haben. Die vier Protagonisten, gespielt von Guillaume Labbé, Thibaut Evrard, Corentin Fila und Simon Ehrlacher, müssen wegen Geldsorgen nochmal ins Sex-Work-Geschäft zurückkehren.

Auch große Naturdokus im Angebot

Auch gibt es eine Premiere für die große Natur-Doku „Nature: The Call for Reconciliation“ von Yann Arthus-Bertrand („Die Erde von oben“), die bereits im Vorfeld für Deutschland ans ZDF verkauft wurde.

Federation bietet die Serie „Log Out“ an, die ihre Weltpremiere bei Series Mania in Lille im französischen Wettbewerb feierte. Es ist eine schweizerisch-französische Koproduktion, die eine Cybercrime-Geschichte erzählt. Gaumont setzt derweil auf „The Deal“, eine Koproduktion zwischen Frankreich, der Schweiz, Belgien und Luxemburg über die letzten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vor einem drohenden Nuklearschlag.

Größerer Druck auf unabhängige Unternehmen

Unifrance-Präsident Pélisson verschweigt nicht, dass es in Frankreich wie auch in anderen Teilen Europas wie Deutschland aktuell markttechnisch die Situation schwieriger geworden ist. „Unabhängige Produktions- und Vertriebsunternehmen stehen zunehmend unter Druck, da sie mit Streaming-Anbietern und konsolidierten Medienkonzernen konkurrieren. In diesem Zusammenhang spielen internationale Koproduktionen eine entscheidende Rolle – nicht nur für die Finanzierung von Projekten, sondern auch für einen breiteren Vertrieb in den Koproduktionsländern“, führt Pélisson aus.

Größere französische Streaming-Erfolge der letzten Zeit waren die beiden auf Netflix veröffentlichten Action-Produktionen „Lost Bullet“ und „Ad Vitam“. Letzterer Film steht aktuell sogar mit 63,1 Millionen Views auf Platz acht der erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Netflix-Filme aller Zeiten. Wobei den französischen Rekord immer noch der Hai-Horror „Under Paris“ („Im Wasser der Seine“) von Xavier Gens mit 102,3 Millionen Views hält.

Aus Le Havre berichtet Michael Müller