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TeleVisionale: „No Dogs Allowed” ist früher Preis-Anwärter


Der Debütfilm „No Dogs Allowed” erzählt die Coming-of-Age-Geschichte eines 15-Jährigen mit pädophilen Neigungen. Harter Tobak am ersten Wettbewerbstag der TeleVisionale 2025. Jurypräsident Andreas Dresen lässt zunächst den anderen den Vortritt. Am Ende sind sich aber alle über die Qualitäten einig.

TeleVisionale Jury Fernsehfilm 2025
Jerry Kwarteng (l.) und Andreas Dresen aus der Fernsehfilm-Jury (Credit: Sophie Schüler)

Der erste Tag des Wettbewerbs für den Besten Fernsehfilm des Jahres auf der TeleVisionale 2025 in Weimar begann gleich mit einer Ausnahmefilmerfahrung, die das Publikum an seine Grenzen führte. Die Filmerfahrung hinterließ aber auch bei der Jury einen so bleibenden Eindruck, dass das Werk nun durchaus zum Favoritenkreis auf den Hauptpreis zu zählen ist. Es geht um den Debütfilm „No Dogs Allowed” (Regie: Steve Bache, Drehbuch: Stephan Kämpf) über einen 15-Jährigen mit pädophilen Neigungen.

Ein unangenehmes Thema, aber auch ein unangenehmer, jedoch ziemlich brillant gemachter Film (THE SPOT-Review), der vor allem schon eine erfolgreiche internationale Festivaltour in den Kinos hinter sich hat: „No Dogs Allowed” gewann bei seiner Weltpremiere im vergangenen Jahr in Tallinn den Best First Feature Award, war dann auf Festivals von Jerusalem oder an die Riviera eingeladen (SPOT-Interview mit dem Regisseur Steve Bache).

Der junge Hauptdarsteller Carlo Krammling ist beim Deutschen Schauspielpreis in der Kategorie Nachwuchs nominiert. Weil neben Schiwago Film (Produzenten: Felix Ruple, Marcos Kantis, Martin Lehwald) aber auch Das kleine Fernsehspiel vom ZDF Koproduzent ist, taucht das Werk im TeleVisionale-Wettbewerb auf.

Jurypräsident Andreas Dresen ließ den anderen den Vortritt

Der Jurypräsident und gefeierte Filmemacher Andreas Dresen gab auf der Bühne der Weimarhalle nach der Vorführung in das Schweigen hinein offen zu, dass er eigentlich ganz froh sei, dass die Jury vorab eine Rotation ausgemacht habe, dass die Einleitung in die Diskussion immer jemand anderes übernimmt.

Bei „No Dogs Allowed” war die Filme- und Serienmacherin Elsa van Damke an der Reihe, die vergangenes Jahr mit ihrem Team und dem RTL+-Format „Angemessen Angry” den Preis für die Beste Serie bei der TeleVisionale gewann. „Wir versuchen, mit Filmen Menschen zu berühren. Ich wurde schockiert, ich habe mich unwohl gefühlt und war sprachlos. Ich bin dankbar für die Sensibilität, mit der dieser Film gemacht wurde” sagte van Damke.

Sie sieht vor allem bei „No Dogs Allowed” eine Entwicklung in der Branche. „Ich glaube, vor einigen Jahren wäre diese Sensibilität noch nicht da gewesen. Hier wurde ganz viel richtig gemacht.” Der Film wirft das Publikum hinein in den Alltag des 15-jährigen Gabo, wie er sich mit einem erwachsenen Mann über seine pädophilen Neigungen austauscht, der wiederum ganz eigene Interessen verfolgt. Es werden aber auch die Mutter, die Schwester und Freunde von Gabo geschildert. Van Damke lobte am Debütfilm den Mut, „nicht so perfekte Figuren” zu erzählen.

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Steve Baches „No Dogs Allowed“ mit Robin Sondermann (l.) und Carlo Krammling (Credit: ZDF)

Die Dramaturgin und Autorin Cooky Ziesche aus der Jury nannte „No Dogs Allowed“ schlicht „ein Geschenk”. „Ich hatte erst große Sorge, den Film zu sehen. Aber es ist das klügste Buch, das ich seit vielen Monaten, wenn nicht sogar Jahren gelesen habe.”

„Man erzählt, wie man nicht zum Täter wird”

Ziesche befand: „Man erzählt, wie man nicht zum Täter wird. Den Konflikt als klassische Coming-of-Age-Geschichte so zu setzen, in der einer seine Sexualität sucht. Er findet sie nun leider so. Aber er ist als Figur so nachvollziehbar. Wir richten ihn nicht. Es ist nicht der weiße alte Mann, sondern ein Junge, der auf der Suche nach seiner sexuellen Selbstbestimmung ist. Als Debüt kann man das gar nicht glauben.”

Jurymitglied Hannah von Hübbenet, Musikerin und Filmkomponistin sagte, sie klebe an diesem Charakter, an jedem Schritt, den er tue. Sie sprach ein großes Kompliment aus, wie man durch den Film mit dem jungen Protagonisten durch dessen ganze Einsamkeit mitgehen könne.

Schauspieler und Jurymitglied Jerry Kwarteng brach den Film auf drei Begriffe für sich herunter: Sensibilität, Mut und Selbstverständlichkeit. „Beim ersten Sehen hat mich überrascht, wie solch ein Thema mit so einer jungen Hauptfigur erzählt wird”, sagte Kwarteng, der nicht der einzige aus der Jury war, der sich das Werk zweimal ansah.

Andreas Dresen: „Du trägst den ganzen Film!”

Jurypräsident Andreas Dresen ließ allen anderen den Vortritt und sagte dann: „Ich bin noch total aufgewühlt. Ich habe ihn jetzt zum zweiten Mal geschaut.” Er lobte das Schauspiel, mit „welcher Feinheit und Differenziertheit” die Schauspieler das gelöst hätten.

Zum Hauptdarsteller Carlo Krammling sagte Dresen in den Publikumsraum, wo der Cast des Films saß: „Du trägst den ganzen Film.” Er lobte die erzählerische Reife dieses Debüts. „Dass ihr es auch schafft, die Szenen so lange auszuhalten. Heute werden Szenen zugemüllt mir Geräuschkulissen. Ihr nehmt euch ganz viel Zeit und Ruhe. Das gibt den Schauspielern auch die Zeit, ihre Charaktere zu differenzieren.”

Leise Kritik gab es auf der Bühne einzig aus Teilen der Studierendenjury. Die Vertreterin äußerte ihr Unverständnis gegenüber der Mutterfigur des 15-Jährigen. „Die Mutterfigur verstehe ich nicht. Da hatte ich keinerlei Empathie.” Aus dem Plenum gab es dann aber wiederum auch aus der Studierendenjury Gegenstimmen, die lobten, dass die Mutterfigur gerade in ihrer Unfähigkeit und Aggressivität nicht zu Ende erklärt wurde.