Der Umsatz von ProSiebenSat.1 ist im dritten Quartal um 7 Prozent geschrumpft, das EBITDA noch deutlich mehr. Hauptverantwortlich wird der TV-Werbemarkt gemacht. Besserung ist zudem im prognostizierten vierten Quartal nicht in Sicht. Zumindest die Wachstumszahlen bei Joyn machen nach der Übernahme von Media for Europe Hoffnung.

Das von Media for Europe (MFE) übernommene ProSiebenSat.1 hat im dritten Quartal einen Konzernumsatz von 820 Millionen Euro (Vorjahr: 882 Mio. Euro) erzielt. „In einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld lag der Umsatz damit um 7 Prozent unter Vorjahr”, heißt es dazu schon am Mittwoch aus Unterföhring. Eigentlich waren die Q3-Zahlen für den frühen Donnerstag angekündigt.
Organisch – bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen – sank der Umsatz um 2 Prozent. Auf Neunmonatssicht betrug der Konzernumsatz 2,515 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,656 Mrd. Euro). Dies ist ein Rückgang um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bzw. organisch um 2 Prozent.
Weiter schwächelnder TV-Werbemarkt
„Damit hat ProSiebenSat.1 das dritte Quartal sowie die ersten neun Monate 2025 im Rahmen seiner im September angepassten Erwartungen abgeschlossen. Diese Anpassung erfolgte, da sich vor allem der sehr konjunkturabhängige TV-Werbemarkt unter dem Vorjahresniveau und schwächer als zu Jahresbeginn prognostiziert entwickelte – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Kerngeschäft Entertainment.”
Auf Netto-Basis geht das Unternehmen daher davon aus, dass der TV-Sektor nach einem rückläufigen ersten Halbjahr auch im dritten Quartal stark beeinträchtigt war. Zudem spiegelt die Umsatzentwicklung die Entkonsolidierung des Online-Vergleichsportals Verivox wider, das im März 2025 verkauft wurde.
Entertainment-Bereich gab um 6 Prozent nach
Der Außenumsatz des Segments Entertainment belief sich im dritten Quartal auf 546 Millionen Euro und lag damit um 6 Prozent resp. 33 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Auf Neunmonatssicht sank der Außenumsatz um 5 Prozent auf 1,659 Milliarden Euro (Vorjahr 1,744 Mrd. Euro).
„Die Umsatzentwicklung spiegelt die Konjunkturlage sowie die verhaltene Investitionsbereitschaft in Werbung wider. Besonders deutlich zeigt sich dies im linearen TV-Werbegeschäft”, teilt ProSiebenSat.1 mit.
Lichtblick Streaming-Plattform Joyn
„Trotz des herausfordernden Umfelds, das sich auch auf einige digitale Werbeangebote negativ ausgewirkt hat, konnte die Streaming-Plattform Joyn erneut ein dynamisches Wachstum verzeichnen. Dies gilt sowohl für das dritte Quartal als auch für die ersten neun Monate 2025.”
Auf Quartalssicht bewegten sich die digitalen & smarten Werbeerlöse in der DACH-Region mit plus 1 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau (Q1-Q3 2025: 0 %), während die gesamten Werbeumsätze im Segment Entertainment um 6 Prozent zurückgingen (Q1-Q3 2025: -7 %). Dabei erzielte Joyn bei den AVoD-Umsätzen (Advertising-Video-on-Demand) ein Plus von 42 Prozent. Im Neunmonatszeitraum stiegen die AVoD-Umsätze von Joyn um 48 Prozent.
ProSiebenSat.1-Sender steigertenden Marktanteil bei der ausgewählten Zielgruppe der 20- bis 59-Jährigen auf 20,7 Prozent (Vorjahr: 19,5 %) im dritten Quartal; in den ersten neun Monaten stieg der Zuschauermarktanteil auf 20,6 Prozent (Vorjahr: 19,7 %). Joyn erreichte im dritten Quartal durchschnittlich 7,7 Millionen monatliche Video-Nutzer:innen – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Verweildauer stieg im gleichen Zeitraum um 42 Prozent auf 12,7 Milliarden Minuten.
8,4 Mio. Joyn-Nutzer pro Monat
Auf Neunmonatssicht steigerte Joyn die vermarktbare Reichweite ebenfalls signifikant mit durchschnittlich 8,4 Millionen Video-Nutzer:innen pro Monat (+24 % ggü. Vorjahreszeitraum) sowie einer Verweildauer von 38,9 Mrd Minuten (+39 % ggü. Vorjahreszeitraum).
EBITDA um 27 Prozent verringert
Das adjusted EBITDA des Konzerns verringerte sich aufgrund des Rückgangs im ertragsstarken, aber zugleich konjunktursensitiven TV-Werbegeschäft gegenüber dem dritten Quartal 2024 um 27 Prozent auf 76 Millionen Euro (Vorjahr: 104 Mio. Euro).
Daneben hatte die Entkonsolidierung von Verivox einen negativen Effekt. Bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen sank der Wert um 19 Prozent bzw. 19 Millionen Euro. Auf Neunmonatssicht betrug das adjusted EBITDA 174 Mio Euro, dies entspricht einem Rückgang von 35 Prozent oder 93 Mio Euro.
Steuerertrag hilft bei Konzernergebnis
Das adjusted net income (bereinigtes Konzernergebnis) stieg im dritten Quartal um 60 Millionen Euro auf 91 Millionen Euro, auf Neunmonatssicht betrug der Wert ebenfalls 91 Millionen Euro (Vorjahr: 63 Mio. Euro). Das bereinigte Konzernergebnis ist positiv durch einen latenten Steuerertrag beeinflusst, der sich aufgrund der Verschmelzung der Seven.One Entertainment Group GmbH auf die Joyn GmbH ergab. Im Zuge der Verschmelzung wurden ertragsteuerliche Verlustvorträge der Joyn GmbH in Höhe von rund 460 Millionen Euro demnach nutzbar.
So blickt ProSiebenSat.1 auf das entscheidende Q4
Zum Ausblick formuliert ProSiebenSat.1: „Die noch zu Jahresbeginn von den Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizierte konjunkturelle Erholung ist 2025 bisher nicht eingetreten. Das makroökonomische Umfeld im deutschsprachigen Raum ist zudem weiterhin von Unsicherheiten geprägt.”
Vor diesem Hintergrund rechnet der Konzern für das vierte Quartal – dem für das Unternehmen wichtigsten Quartal – mit einem Rückgang der Entertainment-Werbeeinnahmen in der DACH-Region im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auf Jahressicht erwartet ProSiebenSat.1 hier ein Minus im mittleren einstelligen Prozentbereich.
Auf dieser Basis erwartet ProSiebenSat.1 – unter Berücksichtigung des Verkaufs von Verivox – für 2025 unverändert einen Konzernumsatz von rund 3,65 Milliarden Euro bis 3,80 Milliarden Euro (Vorjahr bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen: 3,77 Mrd. Euro).
Darüber hinaus erwartet der Konzern aufgrund der weiterhin ausbleibenden Erholung des Werbemarkts nun ein adjusted EBITDA zwischen 420 Millionen Euro und 450 Millionen Euro (bisher: 420 Mio. Euro bis 470 Mio. Euro) – unter Berücksichtigung des Verkaufs von Verivox (Vorjahr bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen: 537 Mio Euro2).
Das bereinigte Konzernergebnis spiegelt die Entwicklung des adjusted EBITDA wider, wird aber positiv durch einen latenten Steuerertrag beeinflusst. Daher rechnet der Konzern hier unverändert mit einem Wert über dem Vorjahresniveau (Vorjahr: 229 Mio Euro).