Die Medientage München sind am Mittwoch mit einem medienpolitischen Impuls von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und Gedanken des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder losgegangen. Weimer will in den kommenden Tagen Details zur Selbstverpflichtung der Streamer präsentieren, Söder äußerte sich zum ausgetauschten ProSiebenSat.1-Vorstand.
Am Mittwoch sind die Medientage München eröffnet worden. Nach leichten Tonproblemen und der technischen Umstellung von digital auf analog – ein Fingerzeig? – setzte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den ersten medienpolitischen Impuls des Tages. Er grüßte vor allem zwei Menschen: Pier Silvio Berlusconi von Media for Europe (MFE) und Oliver Berben von Constantin Film.
Der erste Gruß ging an MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi, der gerade ProSiebenSat.1 umbaut. „Wir hatten intensive und gute Gespräche. Sie sollten aber wissen, dass Markus Söder ein echter Löwe ist, der ein Auge für die Medien hat und um sie kämpft.“ Weimer sei sich sicher, dass MFE hinsichtlich des übernommenen deutschen Unternehmens die gemachten Zusagen einhalten werde. „Das ist wichtig für den Medienstandort in München und für Deutschland insgesamt.“
Weimers zweiter Gruß ging an Oliver Berben, der gerade mit der Constantin Film einen spektakulären Kinoerfolg mit „Das Kanu des Manitu“ feiert, der schon auf fünf Millionen Kinozuschauerinnen und -zuschauer zusteuert. „Wir brauchen solche außergewöhnlichen Erfolge“, sagte Weimer.
Wolfram Weimer: „Man sieht, dass die Impulse wirken und die Branche wieder Mut fasst”
„Deswegen haben wir etwas Ungewöhnliches in der Regierung gewagt. Wir haben die deutsche Filmförderpolitik dramatisch neupositioniert, die Förderquote auf 30 Prozent erhöht. Wir geben im Kulturhaushalt so viel Geld aus wie noch nie. Darauf bin ich stolz“, führte Weimer aus. „Wir müssen das aber auch nützen. Man sieht, dass die Impulse wirken und die Branche wieder Mut fasst. Wir starten ein Sonderprogramm Liebling Kino für Kinos, die besonders Arthouse-Filme unterstützen.“
Die weitergeführten Gespräche mit den Streaming-Häuser bezeichnete Weimer vor der geplanten Selbstverpflichtung, in deutsche Produktionen und Infrastruktur zu investieren, als „gut“. „Ich glaube, da können wir in den nächsten Tagen auch gute Nachrichten verbreiten.“
Markus Söder zu ProSiebenSat.1 und Digitalabgabe
Die nächste Duftmarke setzte traditionell der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Auf die Übernahmen von ProSiebenSat.1 und Sky angesprochen sagte er: „Ich freue mich, dass die Unternehmen wie ProSiebenSat.1 oder Sky so attraktiv sind. Wir müssen schauen, wie wir mit den Partnern zurechtkommen. Bei RTL sehe ich keine Probleme, der Chef ist gebürtiger Münchner.“ Das sagte Söder über den heute auch sprechenden RTL Deutschland CEO Stephan Schmitter.
„Für uns ist wichtig, dass der Medienstandort in München erhalten bleibt. Die Wahrheit war, dass ProSiebenSat.1 nicht so erfolgreich war, wie es hätte sein können“, blickte der bayerische Ministerpräsidenten auf die vergangenen Jahre zurück. „Wenn die Zahlen nicht so stimmen, wie sich das Anteilseigner erwarten, muss man was verändern“, sagte er auf die Frage nach dem gerade komplett personell ausgewechselten ProSiebenSat.1-Vorstand.
„Achten darauf, dass ProSiebenSat.1 eine starke Marke bleibt”
ProSiebenSat.1 sei nach der Leo-Kirch-Zeit immer ein bisschen fremdbestimmt. „Wir werden darauf achten, dass ProSiebenSat.1 eine starke Marke und in München bleibt.“ Auf die von Wolfram Weimer geforderte Digitalabgabe für große international agierende Tech-Konzerne, sagte Söder: „Wir müssen uns in Deutschland irgendwann auch mal ehrlich machen. Digitalabgabe klingt schön. Aber gerade unsere amerikanischen Freunde nutzen jede Gelegenheit, ihre Forderungen maximal durchzusetzen. Der Wettbewerb ist international und herausfordernd.“
Söder plädiert dafür, mit der eigenen Technik stärker zu werden. „Wenn das technische Genom ausschließlich woanders herkommt, hängen wir hinterher. Ich glaube eher an die Freiheit und Investitionen als Regulatorik. Man muss stärker werden, um mit den anderen auf Augenhöhe zu reden.“