Das elfte Seriencamp Festival & Conference ist aus, zeigte sich aber von seiner besten Seite. Prime Video und ARD ergänzten das Line-Up um spannende zusätzliche Events. Die Stadt Köln fügte wiederum drei Weltkriegsbomben für den Suspense-Faktor hinzu. Es war ein einziger Rausch.

Am gestrigen Donnerstag ist die elfte Ausgabe von Seriencamp Festival & Conference zu Ende gegangen, bei der THE SPOT auch Medienpartner sein durfte. Es war ein einziger Rausch von spannenden Veranstaltungen, Network-Möglichkeiten und Energieaufladen für das, was da in den nächsten Monaten in der TV- und Streaming-Branche so kommen wird.
Das renommierte Serienfestival zieht inzwischen auch im Umfeld große Events an, womit explizit nicht die drei gefundenen Weltkriegsbomben bei der Kölner Messe gemeint sind, die das Verkehrsaufkommen ein bisschen auf den Kopf stellten, aber zumindest einen zusätzlichen Suspense-Effekt brachten. Die zusammen gelegte Prime Video Presents & Upfront Veranstaltung von Amazon zum Beispiel, die mit Rotem Teppich eine epische Länge von mehr als drei Stunden erreichte, war nahe dem Cinenova-Kino des Seriencamp ein absolutes Highlight. Das galt auch für den Degeto Streaming Campus, der erstmals mit der Unterstützung der Film- und Medienstiftung NRW ebenso in Köln stattfinden konnte.
Eröffnungsserie „Hundertdreizehn“ setzt den Ton
Aber die Highlights waren vor allem auf dem Festival selbst und im Conference-Branchenarm zu finden, wo die Auswahl so groß war, dass man eigene Schwerpunkte setzen konnte. Das Team um Simone Schellmann, Gerhard Maier und Malko Solf zeigt in Köln ein besonders glückliches Händchen bei den Eröffnungsserien. Die kaleidoskopisch erzählte ARD-ORF-Dramaserie „Hundertdreizehn“ über ein aus allen Blickwinkeln erzähltes Busunglück setzte qualitativ den Ton.
Als ein Leitmotiv bei den eingeladenen Serien war das Thema Männlichkeit auszumachen. Das galt für die RTL+-Serie „Softies“ genauso wie für die Coming-of-Age-Serie „Club der Dinosaurier“ oder die ZDFneo-Serie „Chabos“. Fast ein wenig zu kurz bei der Berichterstattung kamen dabei die Frauen, die aber auf den spannenden Panels eine große Präsenz hatten wie zum Beispiel bei „The Male & Female Gaze in the Creative Process“ mit Julia Penner, Bettina Oberli, Silke Eggert und Sebastian Ladwig, das exzellent von Paula Essam moderiert wurde.
Oder die wie immer starke Drehbuchautorin und Creative Producerin Annette Hess, die beim „Work in Progress“-Panel zu „Ku’damm 77“ ihre Vorliebe für „Die Geissens“ teilte. Oder Komponistin Jessica De Rooij, die beim Entstauben der Klassikmusik bei „Mozart/Mozart” half. Oder die ukrainisch-kanadische Drehbuchautorin Anastasiia Starova, die für das Serienprojekt „A Remarkable Woman“ die internationale Co-Production Pitching Session gewann.
Koproduktionen im Fokus
Internationale Koproduktionen waren ein riesiges Thema in Zeiten, in denen die Budgets der Auftraggeber knapper werden, der Appetit der Zuschauerinnen und Zuschauer dagegen aber nicht abnimmt. Das wurde auch genutzt, um Projekte wie eine zweite Staffel zu „Davos 1917″ oder die neuen Thriller-Serie „Gnadenlos“ anzukündigen.
Der inoffizielle Critics Choice Award von THE SPOT geht in diesem Jahr an Mickey Paatzsch und Arkadij Khaet für die wirklich superstarke Coming-of-Age-Serie „Chabos“. Der offizielle Deadline German TV Disruptor Award ging verdientermaßen an btf-Geschäftsführer Philipp Käßbohrer.
„Mit knapp 900 Fachbesuchern aus Europa haben wir eine magische Grenze überschritten und gezeigt, dass die Zukunft des seriellen Erzählens eben auch in Deutschland, hier in Köln, geschrieben wird. Mit Schwerpunkten wie KI, Gaming und unseren längst etablierten Pitching Sessions haben wir einen Rahmen setzen können, der zum Diskutieren, zum Netzwerken, aber auch zum Produzieren neuer Stoffe einlädt”, fasste Seriencamp-Programmdirektor Gerhard Maier die Ausgabe zusammen.