SmHJHX

Am Freitag, den 25.10. werden wir ab 15.00 Uhr bis ca. 18 Uhr umfangreiche technische Wartungsarbeiten durchführen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Director Fiction Kristina Gralla Löbbert: „Weichen für kommende Jahre gestellt”


Seit einem Jahr ist Kristina Gralla Löbbert jetzt als Bernd von Fehrns Director-Fiction-Nachfolgerin bei WBITVP Deutschland unterwegs. Ein guter Zeitpunkt mit ihr über neue Projekte wie „Westwell“, „Der kleine Vampir”, einen Terence-Hill-Western von Peter Thorwarth und Jan Berger sowie einem Entwicklungsprojekt mit HBO zu sprechen.   

Kristina Gralla Löbbert
Bei Warner Brothers International Television Production Germany aufgestiegen: Kristina Gralla Löbbert (Credit: WBITVP Germany)

Sie sind jetzt ziemlich genau seit einem Jahr als Nachfolgerin von Bernd von Fehrn als Director Fiction bei Warner Brothers International Television Production Deutschland im Amt. Wie fällt Ihr erstes Zwischenfazit aus?

Kristina Gralla Löbbert: Der Einstieg in meine neue Rolle bei der WBITVP Deutschland ist mir denkbar leicht gemacht worden. Das Team kannte ich ja bereits, da ich als EP schon eine Weile für die WBITVP tätig war, und ich wurde von allen Seiten unterstützt. Ich blicke auf ein Jahr zurück, das geprägt war von ausgesprochener Kollegialität, einem offenen Miteinander, und einer bemerkenswerten Bereitschaft, gemeinsam neue Wege zu gehen. Gerade in Zeiten, in denen sich der Markt rasant verändert und die Gürtel überall enger geschnallt werden müssen, war dieses Vertrauen im Unternehmen ein enormer Rückenwind. Wir haben aufregende Projekte auf den Weg gebracht, unsere erfolgreichen Reihen weiter ausgebaut, und wichtige Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Dieses erste Jahr hat mir gezeigt, wie viel Stärke und Kreativität in diesem Team steckt – und wie viel Lust darauf, besondere Geschichten zu erzählen, neu zu denken, und unser Portfolio mutig auszubauen.

Welche Projekte haben Sie in dieser Zeit anschieben können? Was war Ihnen besonders wichtig?

Kristina Gralla Löbbert: Noch in meiner Rolle als EP und vor dem großen „Maxton Hall“-Hype habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Nadja Malkewitz eine Romance Initiative im Unternehmen gestartet, und u.a. Lena Kiefers Bestseller-Reihe „Westwell“, sowie die erfolgreiche „Berühr mich. Nicht“-Reihe von Laura Kneidel optioniert und gemeinsam mit den Autorinnen Esther Bernstorff („Westwell”) und Vanessa Arp („Berühr mich. Nicht”) entwickelt. Tolle Liebesgeschichten kann es einfach nicht genug geben, und der Markt wächst immer weiter. Wir werden in diesem Segment aktiv bleiben, und haben bereits weitere Projekte im Köcher. Zu unserem aufregenden seriellen Reboot der Kult-IP „Der kleine Vampir“ von Angela Sommer-Bodenburg, das wir gemeinsam mit Ronny Schalk, Jenn Knott und Manuel Bickenbach von der Frisbee Films entwickelt haben, laufen erste vielversprechende Sendergespräche. Und dann freue ich mich auch schon sehr auf unseren TV-Western mit Legende Terence Hill, der nach einem Buch von Jan Berger und unter der Regie von Peter Thorwarth im kommenden Frühjahr gedreht werden soll. Darüber hinaus befinden wir uns mit Autorin Annika Tepelmann in der Entwicklung zur Adaption von Emily Rudolphs wendungsreichem Thriller „Das Dinner“, in dem ein Krimidinner unter Freunden außer Kontrolle gerät, als Realität und Fiktion verwischen und Wahrheiten zur vermissten Freundin ans Tageslicht dringen. Romance, ikonische Kinderbuch-IP, Western, Thriller und unsere beliebten Reihen „Alpentod“, „Friesland“, „Marie Brand“, „WaPo Duisburg“, Wilsberg“. Die Vielfalt steht exemplarisch für das, was unsere Fiction ausmacht und auch in Zukunft ausmachen soll.

„In diesem Rahmen gibt es auch ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit HBO.”

Sind Sie auch an lokalen deutschsprachigen HBO-Max-Formaten für den neuen Streamingdienst von Warner Bros. Discovery beteiligt, der am 13. Januar in Deutschland starten wird?

Kristina Gralla Löbbert: Mit Anke Greifeneder und ihrem Team sind wir im regen Austausch, und fühlen uns natürlich auch besonders verbunden. An den lokalen HBO-Formaten, die sie mit externen Partnern vorantreiben, sind wir allerdings nicht beteiligt. Unser Fokus liegt auf unseren eigenen Entwicklungen, die wir gemeinsam mit unterschiedlichen Sender- und Streamerpartnern umsetzen – und in diesem Rahmen gibt es auch ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit HBO.

Friesland - Abdrift
Sophie Dal (l.) und Maxim Mehmet in „Friesland – Abdrift“ (Credit: ZDF/Willi Weber)

Die schon angesprochenen langlaufenden und erfolgreiche Reihen wie „Wilsberg”, „Marie Brand” oder „Friesland” bei den Öffentlich-Rechtlichen bilden das Rückgrat Ihres Fiction-Portfolio. Wie wichtig sind ZDF und ARD in der aktuellen Zeit als Auftraggeber?

Kristina Gralla Löbbert: Die Verlässlichkeit dieser Formate ist für uns von zentraler Bedeutung, und die betreuenden Produzent:innen – Melissa Graj („Friesland”), Carina Hackemann („Wilsberg”), Hanna von Kienbaum („Alpentod” und „WaPo Duisburg”) und Marc Werner („Marie Brand”) – leisten Herausragendes, um unter hohem Kostendruck die Qualität kontinuierlich zu sichern. Darüber hinaus schätzen wir uns ausgesprochen glücklich, mit ZDF und ARD zwei Partner zu haben, die gerade in dieser anspruchsvollen Marktphase verlässlich an unserer Seite stehen. Diese langjährigen Beziehungen bieten nicht nur Stabilität und Planungssicherheit, sondern ermöglichen es uns auch, in einem intensiven kreativen Austausch mit den Redaktionen unsere Reihen konsequent weiterzuentwickeln und inhaltlich mutig voranzugehen.

„Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem Planungssicherheit für die Produzent:innen.”

Wie ist Ihre Meinung zur aktuellen politischen Diskussion um die Investitionsverpflichtung für Streamer, die nun eher eine Selbstverpflichtung zu werden scheint?

Kristina Gralla Löbbert: Ob Investitionsverpflichtung oder Selbstverpflichtung – entscheidend ist am Ende, dass verlässlich und langfristig von Seiten der Streamer in den deutschen Markt investiert wird. Wenn eine Selbstverpflichtung diesen Anspruch zuverlässig erfüllt, kann sie funktionieren. Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem Planungssicherheit für die Produzent:innen, und daran sollten auch die Streamer ein großes Interesse haben. Denn nur eine nachhaltig stabile Branche kann weiterhin hochwertige Fiction liefern, die einem internationalen Vergleich standhält und ein breites Publikum anspricht.

FBC scaled e x
„Alpentod – Ein Bergland-Krimi: Alte Wunden“ (Credit: RTL/Walter Wehner)

Über die Jahre haben Sie viel Erfahrung als Produzentin sammeln können. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die aktuelle herausfordernde produzentische Lage in Deutschland in Kombination mit den Bewegungen des Mutterkonzerns in den USA?  

Kristina Gralla Löbbert: Solche Veränderungen bringen immer eine gewisse Unsicherheit mit sich, aber sie eröffnen auch Chancen: für strategische Schärfung, für eine bewusste Steuerung unseres Portfolios und für eine noch engere Zusammenarbeit innerhalb der Firma. In der allgemein sehr angespannten Marktlage mit weniger Aufträgen auf der einen, und einem enormen Kostendruck bei den Produktionen auf der anderen Seite zeigt sich, wie wertvoll stabile Partnerschaften, klare Prozesse und ein starkes, resilientes Team sind. Wir bewahren die Ruhe und konzentrieren uns unsere kreativen Stärken und verlässliches Produzieren.

Das Interview führte Michael Müller