Einer der profiliertesten und engagiertesten deutschen Filmemacher ist tot. Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler und Hochschulprofessor Hark Bohm starb heute im Kreis seiner Familie. In Hamburg trauert man um eine „Ikone des Filmstandorts“.

Mit „Amrum“, das auf seinen Kindheitserinnerungen und einem von ihm mitverfassten Drehbuch basiert, wurde ihm von seinem Freund Fatih noch ein Denkmal gesetzt, heute ist Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler und Hochschulprofessor Hark Bohm im Alter von 86 Jahren gestorben.
Bohm war einer der prägenden Autorenfilmer des deutschen Nachkriegskinos, er galt als Allrounder, dessen sozialkritisches Werk Generationen bewegte. Seinen Durchbruch hatte er 1973 mit dem Jugend-Western „Tschetan, der Indianerjunge“, kurz darauf folgte der Klassiker „Nordsee ist Mordsee“ (1976), in dem er die Härten des Aufwachsens eindringlich schilderte. 1978 inszenierte er „Moritz, lieber Moritz“, ebenso ein emotionales Coming-of-Age-Drama wie der vielfach preisgekrönte Erfolg „Yasemin“ (1988), der unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet wurde.
Auch in späteren Jahren blieb Bohm kreativ und engagiert. 1990 etwa drehte er „Herzlich willkommen“, 1997 den Thriller „Für immer und immer“, und als Co-Autor arbeitete er mit seinem langjährigen Freund Fatih Akin an den Drehbüchern zu „Tschick“ (2016) und „Aus dem Nichts“ (2017). Sein letztes großes Projekt war das Drehbuch zu „Amrum“.
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit war Bohm ein Vordenker: Er mitbegründete den Filmverlag der Autoren, das Hamburger Filmbüro und das Filmfest Hamburg, zudem baute er das Filmstudium an der Universität Hamburg auf. Sein Engagement für den Nachwuchs wurde 2018 mit einer Ehren-Lola beim Deutschen Filmpreis gewürdigt.
Als Schauspieler wirkte er in zahllosen Filmen mit – u. a. in Rainer Werner Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ oder Helmut Dietls „Schtonk!“. Sein künstlerisches Vermächtnis umfasst nicht nur prägende Filme, sondern auch seine Liebe zur Insel Amrum, die sich als roter Faden durch Leben und Werk zieht.
Bei der MOIN Filmförderung trauert man um eine „Ikone des Filmstandorts“. „Was Hark Bohm im Filmnorden und in ganz Deutschland für die Filmbranche geschaffen hat, lässt sich gar nicht hoch genug bemessen. Ein unermüdlicher Arbeiter, der viele Weichen für die deutsche Filmbranche gestellt hat. Mit dem Filmbüro Hamburg hat er Ende der 70er den Weg für die MOIN Filmförderung geebnet – und damit das Modell der regionalen Filmförderung in Deutschland ins Rollen gebracht. Parallel dazu schuf er Klassiker wie ‚Nordsee ist Mordsee‘, die sich ins kollektive Gedächtnis vieler Filmfans gebrannt haben. Wir sagen ‚Danke‘ für all seine Leistungen um den Filmstandort – und sprechen seiner Familie unser tiefes Beileid aus“, so Geschäftsführer Helge Albers.