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REVIEW TV: „Die Toten vom Bodensee: Der Wunschbaum“


Die 23. Folge der Gemeinschaftsproduktion von ZDF und ORF wird vor allem vom Einstieg Anna Werner Friedmanns als neue Kollegin der inzwischen erfreulicherweise zusammengewachsenen Kriminal-Polizisten Oberländer und Komlatschek geprägt. Der Fall weckt Interesse, bleibt aber fast etwas im Hintergrund, und die östliche Bodensee-Region wird ihrer Rolle als zusätzlicher Hauptdarsteller perfekt gerecht.

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Kaum im Bild, schon am Tatort: Die Neue, Anna Werner Friedmann als Maria Eisler (Credit: ZDF und Manuel Paul)

CREDITS:
Land/Jahr: Deutschland/Österreich, 2025; Auftraggeber: ZDF/ORF; Produktion: Rowboat Film,  Graf Film – Sam Davis, Klaus Graf, Kim Fatheuer, Livia Graf-Bechler; Regie: Michael Schneider; Drehbuch: Jeanet Pfitzer, Frank Koopmann, Roland Heep; Cast: Matthias Koeberlin, Hary Prinz, Anna Werner Friedmann, Stefan Pohl, Miriam Stein, Julian Looman, Kenda Hmeidan, Philip Birnstiel, Emanuel Fellmer; Redaktion: Daniel Blum (ZDF), Sabine Weber (ORF); Kamera: Lukas Gnaiger; Montage: Jörg Kroschel; Casting: Judith Limberger; Musik: Chris Bremus, Ton: Herbert Verdino; Szenenbild: Michaela Weniger; Kostümbild: Heike Werner; Maske: Birgit Beranek, Ariane Gmeiner; Termin: ZDF, 27. Oktober, 20.15 Uhr

REVIEW:
Ohne viel Federlesens fällt die 23. Folge von „Die Toten vom Bodensee“ mit der Tür ins Haus. Beim morgendlichen Joggen am Bodenseeufer trifft Maria Eisler auf eine nicht schön zugerichtete, an die Wurzeln eines mächtigen Baumes gefesselte Frauenleiche, im Mund eine Blüte des Blauen Eisenhutes. Maria Eisler ist die neue Kollegin von Mischa Oberländer und Thomas Komlatschek, steht aber noch vor ihrem Dienstantritt.

Originell ist es vielleicht nicht gerade, die neue Ermittlerin und den neuen Fall in der ersten Szene zusammenzubringen, von der Wahrscheinlichkeit solcher Zufälle ganz zu schweigen, aber es ist zielführend. Zumal es diese Maria Eisler in sich hat, wie sich bald schon zeigen wird. Schon ihre aufrechte Jogging-Haltung, die eher an eine olympische Geherin erinnert, lässt sie besonders wirken.

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Künftig ermittelt in Bregenz wieder ein Trio: Matthias Koeberlin als Micha Oberländer, Anna Werner Friedmann als Mara Eisler und Hary Prinz als Thomas Komlatschek (Credit: ZDF und Manuel Paul)

Das Drehbuchteam, Produktion und Redaktion haben Maria mit einer gewaltigen Backstory ausgestattet, aber bei Anna Werner Friedmann ist die Figur in besten Händen. Nach einem Kopfschuss, den ihr ein Junkie verpasst hat, kehrt sie gerade wieder aus der Reha zurück in den Dienst. Sie hat große Probleme, Emotionen zu lesen oder sie einzuordnen. Beim Gespräch mit dem Lebensgefährten des Opfers agiert sie geradezu pietätlos. Gleichzeitig zeigt sie Emotionen, wenn sie von Oberländer kritisiert wird, geht ihr das sehr zu Herzen. Die Tränen, die ihr beim Betrachten eines Videos auf ihrem Handy kommen, öffnen die Tür für privates Drama aus der Vergangenheit. In der Arbeit ist sie handlungsorientiert, direkt, kühn, aber auch ungeduldig. Anna Werner Friedmann bringt diese ganze Bandbreite auf den Tisch und hat enormes Interesse an ihrer Figur und am Fortgang des Zusammenspiels mit dem Team geweckt.

Obwohl ein frischer Wind weht, bleiben Matthias Koeberlin und Hary Prinz als Oberländer und Komlatschek die Alten. Oder besser die neuen Alten. Denn seit die beiden eine Zweck-WG bilden, sind beide Figuren zugänglicher geworden, ohne dass ihr Einzelgängertum, das beide auf ganz unterschiedliche Weise interessant macht, auf der Strecke geblieben wäre. Hary Prinz aus der anfänglichen Rolle des steifen Bürokraten im Hintergrund herauszuholen, war ohnehin eine der besten Entscheidungen. Trotz vielen Befremdens, für das Maria bei den beiden sorgt, wird schon aus diesem ersten Zusammentreffen erkennbar, dass es passt als Team, dass an einem Strick gezogen wird, auch wenn Konfliktpotential vorhanden ist.

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Feine, aber tragische Rolle: Miriam Stein als Gärtnereibesitzerin Saskia Prixner (Credit: ZDF / Manuel Paul)

Der Fall der jungen Toten unter dem „Wunschbaum“ tritt fast ein wenig in den Hintergrund, so groß ist der Fokus auf die neue Ermittlerkonstellation, enttäuscht aber keinesfalls. Wie so oft in den Krimis vom Bodensee wird eine Legende herangezogen, der „Wunschbaum“ erfüllt denen, die sich der Natur verpflichtet fühlen, ihre Wünsche. Und so landen Oberländer und Eisler in der Gärtnerei Baum & Strauch und deren an Parkinson erkrankten Besitzerin, die mit dem Wunschbaum in einer übersinnlichen Verbindung steht. Eine wunderbare Rolle für Miriam Stein, um wieder aus dem Hintergrund hervorzutreten.

Apropos Hintergrund: Die ZDF-Erfolgsformel „Crime in Nature“ erfüllen Regisseur Michael Schneider und Kameramann Lukas Gnaiger geradezu bravourös. Sie fangen die Bodenseeregion in mehreren Bildern so unaufdringlich ein, dass der Erzählfluss nicht aufgehalten wird, aber auch prägnant genug, um den zarten Crime-Schauder in Wohlgefühl münden zu lassen.

Frank Heine