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Produktionsallianz beklagt „strukturelle Probleme in der Filmwirtschaft“


Das Stimmungsbild der Mitglieder der Produktionsallianz hat sich im Verlauf dieses Jahres noch weiter eingetrübt. Laut aktueller Umfrage schätzen ganze 85 Prozent die allgemeine wirtschaftliche Lage der Produktionsbranche als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ein. CEO Michelle Müntefering verbindet derart bedrückende Ergebnisse mit der klaren Aufforderung an die Politik, die Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen. Der Standort benötige Entscheidungen.

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Michelle Müntefering, CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz (Credit: Jorinde Gersina)

Die Stimmung in der deutschen Filmwirtschaft ist schlecht. So weit keine Überraschung, erst recht nicht nach Vorlage der Herbstumfrage des VTFF Anfang November, die bereits ein ernüchterndes Bild aus Reihen der filmtechnischen Dienstleister gezeichnet hatte. Anlässlich der erstmals in Weimar stattfindenden Televisionale hat nun die Produktionsallianz die Ergebnisse der Herbstumfrage unter ihren rund 370 Mitgliedsunternehmen vorgelegt – und diese fallen tendenziell noch schlechter aus als vor einem Jahr. Wobei die Ergebnisse insofern nicht komplett 1:1 vergleichbar sind, als die Rücklaufquote 2024 nur 36 Prozent betrug, diesmal aber bei 55 Prozent lag. Was aber auch bedeutet: In absoluten Werten gemessen, hat die Zahl jener, die auf diesem Wege eine negative Situation beklagen (s.u.), noch deutlicher zugenommen, als es die Prozentwerte bei den Antworten ausdrücken…

So oder so: Vergleicht man die Prozentwerte, zeigt sich – vor allem angesichts der Tatsache, dass die zu Beginn des Jahres vollzogene Stärkung von DFFF und GMPF zu einem veritablen Nachfrageschub geführt haben soll – eine frappierende Eintrübung bei der Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage der Produktionsbranche. Schon 2024 hatten 77 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen diese als „schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“ bewertet, in der aktuellen Herbstumfrage stieg dieser Wert auf ganze 85 Prozent. Zum Vergleich: 2022 hatte er noch bei „nur“ 56 Prozent gelegen. Wer in solchen Zahlen einen Hauch Positives sucht, findet ihn allenfalls im Umstand, dass der Anteil derjenigen, die die Lage als „gut“ oder sogar „sehr gut“ ansehen, von 0,5 auf zwei Prozent gestiegen ist.

Und während im Vorjahr 66 Prozent der Unternehmen die Aussichten für die allgemeine wirtschaftliche Lage für das Folgejahr als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ bewerteten, sind es diesmal sogar 74 Prozent. Aber auch in diesem Fall zeigt sich: Der Anteil jener, die eine (sehr) gute Entwicklung der Lage erwarten, ist leicht gestiegen; von 2,9 auf vier Prozent.

„Sinkende Budgets“ führen in der aktuellen Umfrage den Reigen der als (sehr) relevant bezeichneten Problemfelder (bei möglichen Mehrfachnennungen) mit 93 Prozent an, direkt gefolgt von „Steigende Herstellungskosten“ mit 92 Prozent – im Vorjahr entfielen auf diese Punkte 90 bzw. 89 Prozent; es ging also jeweils um drei Prozentpunkte nach oben. „Sinkende Auftragsvolumina“ wurden von 80 Prozent beklagt, das sind noch einmal vier Prozentpunkte mehr als bei der letztjährigen Umfrage. Besonders deutlich nahmen prozentual die Klagen über „Zu langsame Entscheidungsprozesse der Auftraggeber“ zu. Diese wurden von 86 Prozent der Teilnehmenden als relevante Herausforderung erachtet, im Vorjahr waren es 78 Prozent. Gesunken ist der Anteil derjenigen, die „Steigende Bürokratie“ als relevantes Problemfeld sehen, allerdings auch nur leicht von 74 auf 72 Prozent.

Erwähnt sei auch – und das überrascht angesichts sinkender Auftragsvolumina natürlich keineswegs – dass das Problem „Personalmangel“ weiter an Bedeutung eingebüßt hat. 49 Prozent betrachteten es in dieser Umfrage als (gänzlich) irrelevant (Vorjahr: 39 Prozent), ein (sehr) relevantes Problem ist es nur noch für 23 Prozent; dieser Wert lag aber auch bei der Herbstumfrage 2024 schon bei nur 25 Prozent.

Dass es bei den Unternehmensgewinnen angesichts derartiger Einschätzungen keine positiven Nachrichten zu vermelden geben würde, liegt im Grunde auf der Hand – umso mehr, als diese schon in den beiden Vorjahren auf einem sehr niedrigen Niveau mit einem Median zwischen 2,5 und fünf Prozent rangierten. Allerdings hat sich die Situation gerade an dieser Stelle noch einmal verschärft: Demnach ist der Median auf Null bis 2,5 Prozent vor Steuern gesunken. Eine „ständig wachsende Schere zwischen steigenden Kosten und geringeren Einnahmen“ führe zu einer Problemlage, die kleine und große Unternehmen gleichermaßen treffe.

„Der Rückgang der Unternehmensgewinne hat ein Niveau erreicht, das eine nachhaltige Entwicklung der Branche kaum noch möglich erscheinen lässt“, heißt es dazu seitens der Produktionsallianz. Besonders dramatisch sei die Situation für die Fiction-produzierenden Unternehmen, von denen rund ein Drittel derzeit Verluste schreibe. Ein weiteres Drittel liege im Bereich der prekären Gewinnmargen zwischen Null und 2,5 Prozent. „Die Gewinnmargen liegen so niedrig, dass sich langfristig nur noch große Produktionsunternehmen am Markt überleben können“, so die unverblümte Einschätzung der Produktionsallianz.

Der Grund für die negative Entwicklung bei den Ergebnissen ist natürlich nicht zuletzt bei jener der Umsätze zu suchen. Zwar ist das Umsatzvolumen der Produktionsaufträge laut der aktuellen Umfrage von 2024 zu 2025 bei 31 Prozent der teilnehmenden Unternehmen (stark) gestiegen – bei 52 Prozent aber (stark) gesunken. Und auch wenn letzterer Wert im Fiction-Bereich mit 50 Prozent auf den ersten Blick minimal unterdurchschnittlich anmutet, wurden Steigerungen dort nur in 24 Prozent der Fälle angegeben. Etwas besser sieht es im Non-Fiction-Segment aus, wo sich Steigerungen (43 Prozent) und Rückgänge (47 Prozent) beinahe die Waage halten. Negativer Ausreißer ist das Segment Werbung, mit Rückgängen in 60 Prozent der Fälle, flankiert von Steigerungen in nur 28 Prozent. Dieses Segment hatte schon 2024 einen überdurchschnittlich hohen Prozentwert beim Minus aufgewiesen, damals aber noch begleitet vom mit Abstand höchsten Anteil bei den Zuwächsen.

Immerhin: Bei der Prognose der eigenen Entwicklung von 2025 zu 2026 zeigt sich ein deutlich ausgeglicheneres Bild. 34 Prozent erwarten (stark) ansteigende Umsatzvolumina, 35 Prozent (stark) sinkende. Allerdings fällt diese Einschätzung im Fiction-Bereich ihrerseits wieder negativer aus als im Non-Fiction-Segment.

Michelle Müntefering nimmt als CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz die Ergebnisse der Umfrage zum Anlass von der Politik Entscheidungen einzufordern – und die Erfüllung der Versprechen aus dem Koalitionsvertrag:

„Steigende Herstellungskosten, sinkende Budgets und sinkende Auftragsvolumina: Das ist die Realität der Filmwirtschaft. Die Herbstumfrage zeigt: Besonders für Produzentinnen und Produzenten mit kleinen und mittleren Unternehmen bedeutet das Arbeit im prekären Renditebereich. Das grenzt an Selbstausbeutung. Hinzu kommt eine enorme Planungsunsicherheit. Fest steht: Die Herausforderungen sind keine vorübergehende Delle, sondern inzwischen ein strukturelles Problem. Umso mehr braucht es jetzt eine Politik, die die Branche stützt und die im Koalitionsvertrag versprochenen Maßnahmen umsetzt. Der Filmstandort Deutschland braucht Entscheidungen.“