Catherine Laakmann zieht sich aus dem Kinogeschäft zurück: Ihre beiden Kölner Häuser Rex am Ring und Metropolis wurden von Mustafa El Mesaoudi übernommen – einem Kinobetreiber, dem für sein über die eigenen Betriebe hinausgehendes Engagement im vergangenen Jahr eine besondere Ehre zuteilwurde.

Ein Rex zu führen, ist für Mustafa El Mesaoudi nichts neues – schließlich trägt schon eines seiner Wuppertaler Häuser diesen Namen: Ein Haus mit äußerst bewegter Geschichte und mit Wurzeln, die im Prinzip bis ins Jahr 1899 zurückreichen, als in einem Wuppertaler Hotel als Quasi-Urvater des Kinos erstmals ein Kinematograph zum Einsatz kam. Seit 2015 betreibt Mesaoudi das Wuppertaler Rex mit seinen drei Sälen.
Jetzt kam ein größeres Rex zu Mesaoudis Kinofamilie hinzu, die unter anderem auch das Wuppertaler Cinema und das Capitol in Montabaur umfasst: Das Kölner Rex am Ring, das er von Catherine Laakmann übernimmt. 1928 ursprünglich als Lichtspiele des Westens eröffnet, ist es heute das älteste noch bestehende Filmtheater Kölns. Seinen jetzigen Namen erhielt es 1951; zwei Jahre, bevor dort der legendäre Herbert Strate* die Zügel übernahm.
*Bis einschließlich 2019 vergaben der HDF Kino und die Film- und Medienstiftung NRW gemeinsam den Herbert-Strate-Preis an Menschen, die sich in besonderer Weise um den deutschen Film verdient gemacht haben
Einst als Ein-Saal-Haus gebaut, wurde das Rex am Ring insbesondere in den Jahren zwischen 1974 und 1984 mehrfach umgebaut und hat heute sechs Säle. Nach seiner Übernahme durch Catherine Laakmann im Jahr 2000 wurde das Haus übrigens über mehr als ein Jahrzehnt hinweg als nachspielendes „One Dollar Kino“ geführt. Von diesem Konzept ist man zwar längst abgerückt, allerdings zeichnete sich das Rex bis zuletzt durch vergleichsweise günstige Preise aus.
Laakmann legt unterdessen nicht nur das Rex am Ring – dessen Logo schon jetzt stark an jenes seiner künftigen Wuppertaler Schwester erinnert – in die Hände von Mesaoudi, sondern auch das Metropolis. 1950 ursprünglich als Burgtheater eröffnet, wechselte es den Namen 1972 zu Eldorado und 1982 im Zuge der Übernahme durch die Ufa-Kette dann zu Metropolis. Das Programmkino-Konzept der Ufa verfing nicht, im Frühjahr 1986 übernahm Laakmann das Haus gemeinsam mit Rolf-Rüdiger Hamacher und Claudia Wolscht (die beide längst als Gesellschafter ausgeschieden sind). Heute setzt das Metropolis in drei Sälen auf OV und auf Kinderprogramm.
Mustafa El Mesaoudi wurde bei der letztjährigen Verleihung der Kinoprogrammpreise NRW mit einem mit 25.000 Euro dotierten Ehrenpreis gewürdigt. El Mesaoudi gehe „weit über die klassische Rolle eines Kinobetreibers hinaus“, hieß es damals in der Laudatio von Jan Bonny. Sein Engagement umfasse die Förderung des Kinos als Ort des gesellschaftlichen Austauschs und als kulturelles Zentrum, er steht für Verständigung und Kooperation. Sein Engagement erstreckt sich auch auf die internationale Ebene – El Mesaoudi ist Mitglied im Board of Directors von Europa Cinemas.
Formell hat Mesaoudi, der nun insgesamt 20 Leinwände an fünf Standorten (zwei in Wuppertal, zwei in Köln, einer in Montabaur) bespielt, die beiden neuen Betriebe schon zum 15. Februar übernommen – und damit in einer Stadt Fuß gefasst, in die es ihn nach eigener Aussage eigentlich schon immer zog. Tatsächlich habe er Catherine Laakmann schon seit geraumer Zeit signalisiert, bereit zu stehen, sollte sie je über eine Nachfolge nachdenken – nun war für die engagierte Betreiberin der Zeitpunkt gekommen, um die Zukunft ihrer beiden Häuser langfristig abzusichern.
Schon in den vergangenen Monaten hatte Mesaoudi in Sachen Programmplanung unterstützt und dabei auch ein Gefühl für die beiden Kinos entwickelt, in die er natürlich auch noch investieren will. „Ein wenig den Pinsel ansetzen“ werde er schon kurzfristig – um sich dann Gedanken zu machen, wie man vor allem atmosphärisch noch stärker auf die Wünsche des Publikums eingehen könne.
Ob die Übernahme der beiden Kölner Traditionshäuser auch potenziellen Zuwachs für das deutsche Cineville-Netzwerk bedeutet? Schließlich ist Mesaoudi mit den Wuppertaler Häusern Rex und Cinema Mitglied. Man werde, so der umtriebige Kinomacher, auf jeden Fall entsprechende Gespräche aufnehmen. Denn von einem sehr wichtigen Aspekt des Cineville-Abos könnten gerade Häuser wie Rex und Metropolis nur profitieren: der Bereitschaft von Nutzerinnen und Nutzern, sich programmatisch auch wieder stärker abseits ausgetretener Pfade zu bewegen.