Im Münchner Royal Filmpalast feiert man den Abschluss der ambitioniertesten Modernisierung, seit das Kino Anfang der 1990er Jahre im Inneren umgebaut wurde. Saal D wurde komplett neu gestaltet und bietet als Premium-Auditorium nun Dolby Atmos, Laserprojektion, Recliner-Bestuhlung und mehr.

„Wo is‘ denn out?“ „Goetheplatz!“ Lieben Gruß nach Papenburg, wo man an dieser Stelle auch mitlachen könnte, wenn man sich mittlerweile auf die beste Serie aller Zeiten eingelassen hätte. Aber was Manni Kopfeck alias Karl Obermayr natürlich vergessen hat: Auch Anfang der 1980er-Jahre, in denen „Monaco Franze“ spielt, war’s am Goetheplatz natürlich nie „out“. Schließlich steht dort seit 1957 der Royal-Palast.
Die Zeit ist dort wiederum nicht stehengeblieben, wobei sich die größten baulichen Veränderungen in den 1990er Jahren abspielten. Zu deren Beginn wurde das Kino im Inneren völlig neu gestaltet: Kinoarchitektin Anne Batisweiler zeichnete federführend mit dafür verantwortlich, dem Royal fünf völlig neu und individuell gestaltete Auditorien zu spendieren, darunter den Königssaal (D), den Drachensaal (E) sowie das sogenannte „Raumschiff“ (Saal B). Kurz vor der Jahrtausendwende erhielt das Gebäude dann jene ikonische Glashülle, die die alte Klinkerfassade seither nicht nur schützt, sondern die sie auch optisch aufwertete – und deren Front noch heute von großformatigen Plakaten dominiert wird, die weithin sichtbar für das aktuelle Programm, besondere Aktionen oder ausgewählte Technikhighlights werben. Zu diesen zählt schon seit 2016 Dolby Atmos im zweitgrößten Saal B, auch 4K- und später HFR- bzw. Laserprojektion fanden als USPs den Weg auf die Fassade.
Modernisiert wurde aber selbstverständlich nicht nur die Technik. Zu den Maßnahmen der jüngeren Vergangenheit zählt unter anderem die (auch über Förderung via „Neustart Kino“ ermöglichte) Installation von 46 Premium-Sitzen im größten Saal A im Jahr 2022. Zugunsten von mehr Komfort und Reihenabstand wurde damals die Gesamtzahl der Sitze von gut 430 auf 367 reduziert.
Nicht zuletzt diese Modernisierung und die Erfahrungen mit der Akzeptanz der Premium-Sitze durch die Gäste gaben die Richtung für die Modernisierung von Saal D vor. Eigentlich, so Geschäftsführer Robert Englberth, war zunächst nur vorgesehen, Wandbespannung und Bestuhlung auszutauschen – aber seine Töchter Christin und Denise Englberth hatten ehrgeizigere Vorstellungen, ganz nach dem Motto „Wenn schon, dann richtig“. Und so wurde der „Königssaal“ als erster Saal des Hauses komplett entkernt und von Grund auf neu gestaltet.
Die Zahl der Sitze wurde in diesem Zuge mehr als halbiert, aus einst 110 Plätzen wurden 51 Premium-Seats; extrabreite, elektrisch verstellbare Recliner mit Getränkehaltern und zusätzlichen, klappbaren Tischchen an jedem einzelnen Platz. Der Projektionsraum konnte zugunsten einer nunmehr direkt im Saal an der Decke installierten Projektionsbox mit einem Laserprojektor weichen, der mangels Notwendigkeit aufwändiger Abluftkonstruktionen auch von jenen, die in unmittelbarer Nähe sitzen, nicht zu hören ist, wenn er die gestochen scharfen 4K-Bilder auf die neue Leinwand wirft. An den Wänden wurde nicht nur die Bespannung komplett erneuert, sondern es wurden individuell programmierbare LED-Lichtelemente installiert, die insbesondere im Vorprogramm für einzigartige Lichtstimmung sorgen. Und last but not least erhielt Saal D die zweite Atmos-Installation des Royal. Was am Ende bei dem zusammen mit PAM/cinema umgesetzten Umbau unverändert blieb? „Der Leinwandrahmen und die Notausgangsleuchte“ heißt es von den Betreibern.

Hingezogen haben sich die Arbeiten letztlich über gut zwei Monate, investiert hat die Familie Englberth zwischen 500.000 und 600.000 Euro – ohne Förderung. Anträge hatte man zwar gestellt, aber aus Sicht der Betreiber hatte sich gezeigt, dass die Chancen auf (vor allem rechtzeitige) Förderung angesichts knapper Töpfe und überforderter Förderreferenten eher gering waren. Ergo zog man das Projekt komplett auf eigene Kosten durch – denn spätestens zur Sommersaison wollte man mit dem komplett neuen Premium-Angebot am Start sein: „Dass man so etwas als Einzelbetreiber nur in einer Immobilie machen kann, die einem selbst gehört, versteht sich von selbst.“
Einfach fallen derartige Investitionsentscheidungen natürlich nicht. Zwar will man im Royal nicht klagen – aber dass das erste Halbjahr insgesamt noch nicht der ganz große Bringer war, gilt natürlich auch dort; generell seien die Zahlen noch nicht wieder da, wo sie vor Corona waren.
Das Rezept dagegen? Zunehmend bessere Angebote machen. „Das Publikum fragt wirklich gezielt nach Premium-Angeboten, erst recht seit der Pandemie – und gewünscht sind vor allem Sitzkomfort und mehr persönlicher Freiraum“, erklärt Christin Englberth, der gemeinsam mit ihrer Schwester Denise die Gestaltung des neuen Saals oblag. „Unser Vater hält sich da mittlerweile komplett raus, ihm obliegt nur der Blick auf die Finanzen.“
Auf dem Abstellgleis fühlt sich der Seniorchef in dieser Rolle indes nicht – ganz im Gegenteil. „Loslassen macht Sinn!“ Er könne nicht glücklicher sein, dass das Tagesgeschäft in die Hände einer nächsten Generation gegangen und dass damit die Zukunft des Royal langfristig gesichert sei. Dass das in Kinofamilien nicht zwangsweise der Fall ist, dafür gibt es ja nicht zuletzt in München ein ganz anderes, trauriges Beispiel: die Baugrube, die sich mittlerweile an der Stelle des einstigen Gabriel Filmtheaters befindet (das übrigens auch von Anne Batisweiler gestaltet worden war).
Unterdessen reagiert man im Royal natürlich auch auf programmatische Trends. OV-Vorstellungen würden sukzessive ausgebaut und auch auf Klassiker legt man im Rahmen der „Retro Royal Time“ seit Anfang des Jahres besonderen Wert. Ein Angebot, das sich zwar erst habe herumsprechen müssen, dass die Mühe aber zunehmend wert sei. „Nicht zuletzt deshalb, weil wir tatsächlich ein überraschend stark gemischtes Publikum zu diesen Klassikern begrüßen können – hier treffen sich wirklich Jung & Alt, um gemeinsam ein paar tolle Stunden zu verbringen“, so Christin Englberth. Und das nun auch in einem Saal, auf den sie selbst besonders stolz ist. Offiziell gefeiert wird dessen Eröffnung am 11. Juli.