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Enya Baroux zu „Bon Voyage“: „Das Publikum zum Nachdenken anregen“


Schauspielerin und Filmemacherin Enya Baroux, Tochter des Comedians und Filmemachers Olivier Baroux, gibt ihr Langfilmdebüt als Regisseurin und Drehbuchautorin mit der emotional berührenden Komödie „Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter“. Happy Entertainment startet den ebenso amüsanten wie berührenden Film am 1. Januar in den deutschen Kinos.

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Regisseurin und Autorin Enya Baroux bei der Französischen Filmwoche (Foto: Sebastian Gabsch)

Warum wählten Sie das schwere Thema Sterbehilfe für Ihren ersten Langspielfilm als Regisseurin und Autorin?

Enya Baroux: Ich wollte einen Film über meine Großmutter machen, um die ich mich bis zu ihrem Tod kümmerte. Wir sprachen über Sterbehilfe. Sie wollte nicht leiden und von anderen abhängig sein, aber sie wurde zu schnell zu krank und konnte sie nicht mehr in Anspruch nehmen.
So wollte ich einen Film machen, wie es anders hätte sein können und er sollte lustig sein. Sie war eine sehr humorvolle Person, brachte mir bei, dass man über alles lachen kann. Ich fand, dass der Film ein passendes Denkmal an sie wäre, ein Film in ihrem Sinn.

Dann war es von Anfang an klar, den Film als Komödie anzulegen?

Enya Baroux: Nur so kann ich über solch schwere Dinge sprechen. Ich denke, es ist gut, Menschen zum Lachen zu bringen, auch über Krankheit und Tod. Es erleichtert uns die Auseinandersetzung damit. Wir sind alle fähig dazu. Es braucht nur einen Anstoß.

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Eine ungewöhnliche Familienreise in „Bon Voyage – Bis hierhin und noch weiter“ (Credit: © BONNE PIOCHE CINÉMA – CARNAVAL PRODUCTION – ZINC)

Wie haben Sie die Balance zwischen Ernst und Komik gefunden?

Enya Baroux: Die Komik darf nicht zu grob sein, wir brauchten auch keine Witze am laufenden Band. Es braucht subtileren Humor und den an den richtigen Stellen. Wenn über Sterbehilfe gesprochen wird, ist eine entsprechende Ernsthaftigkeit nötig. Es muss sich richtig anfühlen.

Sie haben bereits eine Serie inszeniert, deren Folgen jeweils nur zwei oder drei Minuten lang sind. Wie war für Sie der Übergang zum Langspielfilm?

Enya Baroux: Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst und fragte mich, ob mir ein Team von 60 Leuten zuhören würde, ob ich nicht fehl am Platz sei. Aber schon in der Vorbereitung merkte ich, dass man mir vertraute. Das war sehr ermutigend. Magisch wurde es spätestens am dritten Drehtag, als ich fühlte, dass ich genau am richtigen Platz bin! Seit ich 18 Jahre alt war, war es mein Traum, einen Langspielfilm zu drehen. Ich hatte eine tolle Crew und einen ebensolchen Cast.

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Pierre Lottin und Hélène Vincent als Odd Couple in „Bon Voyage – Bis hierhin und noch weiter“ (Credit: © BONNE PIOCHE CINÉMA – CARNAVAL PRODUCTION – ZINC)

Insbesondere Hélène Vincent und Pierre Lottin sind perfekt als Odd Couple. Wie haben Sie sie gefunden?

Enya Baroux: Hélène Vincent, die ich seit langer Zeit bewundere, war die erste Schauspielende, die ich fragte. Sie sagte sofort ja. Das war 2017. Sie hat mich aufgebaut, wenn ich kurz davor war, zu glauben, dass der Film gar nicht mehr zustande kommen würde. Die Finanzierung war sehr schwierig. Pierre Lottin kannte ich von Filmen, bei denen ich als Regieassistentin arbeitete. Ich sagte ihm damals, dass ich mich bei ihm melden würde, wenn ich ein eigenes Projekt habe. Das ist zwar zehn Jahre her. Er erinnerte sich aber daran. Tatsächlich stand er mit Hélène bereits in François Ozons „Wenn der Herbst naht“ vor der Kamera.

Wie war es mit den beiden zu arbeiten?

Enya Baroux: Als sie ans Set kamen, waren sie befreundet, schätzten einander sehr, hatten eine enge Verbindung, ein bisschen wie Sohn und Mutter. Das war ein großes Glück für mich, weil wir nur ganz wenig Drehtage zur Verfügung hatten. Pierre ist seiner Figur Rudy sehr ähnlich und manchmal auch ein bisschen verrückt. Am Anfang war ich etwas schüchtern, dachte, ich kann den beiden doch nichts beibringen, aber ich verfolgte meine Ideen, und sie mochten sie.

Worum wird es in Ihrem nächsten Film gehen?

Enya Baroux: Ich schreibe gerade an meinem zweiten Langspielfilm, den wir im nächsten Juli drehen wollen. Es wird wieder eine Tragikomödie, eine feministische, und geht um ein schweres Thema, ein Tabuthema. Mir geht es bei meinen Filmen darum, das Publikum zum Nachdenken anzuregen.