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Bring’s ans Licht: Neue Kampagne gegen Missbrauch und Gewalt in der Branche


Der österreichische Fachverband der Film- und Musikwirtschaft (FAMA) hat im Rahmen der Diagonale die Kampagne „Bring’s ans Licht“ vorgestellt, die gebündelt auf einer Website zu Themen wie Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung Hilfestellungen sowohl für Arbeitnehmer:innen wie Arbeitgeber:innen anbietet. Teil der Kampagne ist ein hochwertig gestaltetes Animationsvideo, bei dem Verena Altenberger als Sprecherin zu hören ist.

In einem Pressegespräch im Rahmen der Diagonale hat der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft die Kampagne „Bring’s ans Licht“ vorgestellt, die als Awareness-Tool mit eigener Homepage wichtige Themenfelder wie Machtmissbrauch, Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung an Filmsets und Arbeitsplätzen in der Film- und Musikbranche beleuchtet. Die Homepage www.bringsanslicht.at ist als Ressourcensammlung gedacht, bei der sich Arbeitgeber:innen wie Arbeitnehmer:innen informieren können und die zum Wohlbefinden aller in der Branche beitragen soll.

Bei der Kampagnen-Präsentation anwesend waren Produzentin Claudia Wohlgenannt, Produzentin und Vorsitzende im „Berufsgruppenausschuss für Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion“ des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Verena Altenberger, Schauspielerin und Präsidentin der Akademie des Österreichischen Films, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Produzent und Obmann des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), sowie Arash T. Riahi, Produzent, Regisseur und Präsident der Akademie des Österreichischen Films.

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Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Verena Altenberger, Claudia Wohlgenannt, Arash T. Riahi (Credit: SPOT)

Produzentin Claudia Wohlgenannt erzählte einführend, wie es zu der Kampagne kam. Entstanden sei die Idee dazu schon vor gut zwei Jahren. Man habe gesehen, dass die Kick-off-Veranstaltungen, die die Vertrauensstelle #we_do! (das österreichische Äquivalent zur Themis) angefangen hat anzubieten, um Filmsets sicherer zu machen, sehr stark nachgefragt waren und es unmöglich erschien, allen Nachfragen nachzukommen. Mit dem Wissen darum und dem Wunsch, Awareness in die Branche zu bringen, sei beim Fachverband die Arbeit an der Kampagne „Bring’s ans Licht“ aufgenommen worden, um Mobbing, Diskriminierung und sexueller Belästigung in der österreichischen Film- und Musikbranche entschieden entgegenzutreten und Unternehmen wie Film- und Musikschaffende zu sensibilisieren. „Es ist wichtig, von einer Kultur des Wegschauens zu einer Kultur des Hinschauens und des Miteinanders kommen. Das geht nur gemeinsam. Das ist die beste Sicherheit und beste Prävention“, so Claudia Wohlgenannt.

In Erweiterung und auf Basis des vor drei Jahren vom österreichischen Fachverband der Film- und Musikwirtschaft (FAMA) entwickelten Leitfadens, gibt es nun also die neue Homepage und flankierend dazu ein Animationsvideo (in längerer und kürzerer Version), das auch bei Festivals oder Filmpremieren sowie in verschiedenen Social-Media-Kampagnen zum Einsatz kommen soll. Beim Diagonale-Eröffnungsabend wurde der Trailer bereits gezeigt.

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Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Verena Altenberger, Claudia Wohlgenannt, Arash T. Riahi (Credit: SPOT)

Auf der neuen Website ist die Absicht klar formuliert: „Der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft tritt konsequent dafür ein, ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Angst und Gewalt, egal ob körperlich oder emotional, keinen Platz finden. Mit der Kampagne ,Bring’s ans Licht‘ bieten wir Hilfestellungen für betroffene Personen, informieren über die Rechtslage und unterstützen Unternehmerinnen und Unternehmer in der Erfüllung ihrer Sorgfaltspflicht. Sowohl in der Prävention als auch bei der Abhilfe nach Übergriffen.“

Unterstrichen wurde diese Absicht beim Pressegespräch auch noch mal von Alexander Dumreicher-Ivanceanu: „Der Fachverband hatte zwar bereits den Leitfaden, aber wir haben dennoch festgestellt, dass es auf allen Seiten große Wissenslücken gibt, wie man Missbrauch und Übergriffe verhindert bzw. was zu tun ist, wenn es zu solchen Situationen kommt. Mit ‚Bring’s ans Licht‘ haben wir nun eine Awareness-Kampagne gestaltet, die möglichst breit gestreut werden soll in der Branche, die leicht zugänglich ist.“

Verena Altenberger, die die Sprecherin des Animationsvideos ist und sich als Ko-Präsidentin der Akademie des österreichischen Films selbst intensiv mit den Themen Missbrauch und Belästigung, Diskriminierung und Gewalt in der Film- und Fernsehbranche auseinandersetzt, sagte, dass es in der Branche lange keine Sprache für all diese Phänomene und systematischen Probleme gab unter diesem großen Begriff #metoo. „Den Begriff #metoo gibt es seit 2017. Und man mag sich fragen, warum man im Jahr 2025 immer noch solche Kampagnen braucht. Aus dem einfachen Grund, weil das immer noch eine junge Sprache ist und wir immer noch nach Worten suchen. Wir bemühen erst seit relativ Kurzem Forschung zu diesem Bereich. Es gibt bestimmte Umfelder, die sexualisierten Machtmissbrauch begünstigen und wir lernen immer noch dazu, dieses System und diese Struktur wirklich zu verstehen. Da die Sprache so jung ist und wir erst seit Kurzem diese Phänomene beschreiben können und damit auf breites Verständnis stoßen, müssen wir diese Sprache immer und immer wieder üben. Durch Angebote wie die Homepage, den Trailer, die Berichterstattung in der Presse kommt diese Sprache in Gang. Insofern hilft das alles, diese Begriffe und Probleme zu beschreiben und damit zu bekämpfen.“ Das Ziel müsse sein, so Altenberger weiter, dass alle zu Bedingungen arbeiten, wo jeder und jede zu jedem Zeitpunkt Nein sagen kann und gehen kann ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen.

Einen wichtigen Punkt sprach die Schauspielerin als persönlichen Wunsch an. „Wir sind immer noch an einem Punkt, wo als erste Reaktion nicht der Täter verurteilt wird, sondern immer noch ganz oft, der/die Betroffene. Wir gehen in unseren Köpfen noch viel zu oft in Richtung: ,Ja, wieso hast du das gemacht‘… Dafür müssen wir auch noch eine Sprache finden, um über dieses Thema, diese oft noch stattfindende Abwertung von Betroffenen, zu sprechen.“

Arash T. Riahi ergänzte, „dass vielen Menschen ihre Verhaltensweisen gar nicht bewusst sind, weil sie Resultate von jahrtausendalten Verhaltensweisen sind, die immer schon so waren. Deswegen glauben viele, das das einfach so ist. Das gehört zur Natur des Menschen. Wir können da aber eingreifen, weil wir ein Bewusstsein haben und Dinge ändern können.“

Insgesamt hat sich in der österreichischen Branche schon viel getan in Sachen Awareness und Umgang untereinander. Verena Altenberger berichtete, dass der Posten der Vertrauensperson an Filmsets mittlerweile ernstgenommen wird, dass Intimicy Coordinators Usus geworden sind. Aber die Themen dürfen nicht aus den Augen verloren werden, wie Riahi einschob: „Wir müssen permanent daran arbeiten, denn Angst darf nicht vorherrschen und dominieren.“

Bei der Arbeit daran, muss die Gesamtbranche an einem Strang ziehen. Solidarisches Handeln ist angesagt. Dumreicher-Invanceanu brachte es zum Schluss auf den Punkt: „Es ist wichtig, dass man hinschaut und nicht wegschaut. Das verändert viel. Man soll alles ansprechen dürfen, Angst ist kein guter Berater.“ Die Kampagne und die Homepage sind ein Tool zur Unterstützung, damit es keinen Schatten mehr gibt, sondern nur noch Licht.

Aus Graz berichtete Barbara Schuster