Wenn in diesen Wochen eine neue HDR-Projektionslösung erstmals auch in vier deutschen Kinos ausgerollt wird, sind die Initiatoren des Cineplex-PLF-Konzepts „Ultimate.“ mit am Start. Mit SPOT sprachen sie über die Motivation hinter einer Investition im siebenstelligen Bereich und die Fortentwicklung des Konzepts.

Zu Beginn kurz der Blick zurück: Welcher Gedanke steckte 2018 hinter der Einführung des ersten Ultimate.-Saals im Cineplex Münster?
Ansgar Esch: Unser Anspruch war schon immer, auch und gerade an Standorten, die nicht zu den größten Metropolen zählen mögen, stets „State of the Art“ zu sein, möglichst sogar einen Schritt voraus. Das bedeutet für uns kontinuierliche, aber auch zielgerichtete Modernisierung. Wir machen uns sehr viele Gedanken darüber, welche Maßnahme bzw. welche Maßnahmenkombination in welchem Saal Sinn macht – und die gängigen PLF-Formate haben aus unterschiedlichen Gründen, teils auch wegen der damit verbundenen Geschäftsmodelle, nie ganz in unser Raster gepasst. Irgendwann war in Münster der Punkt erreicht, wo in so kurzer Zeit so viel in einem Saal passiert ist – Laserprojektion, Dolby Atmos, D-Box, LED-Lichtgestaltung – dass wir überlegt haben, wie wir dem Publikum das Gesamtpaket am besten nahebringen. Ich und mein Bruder haben uns dann an unsere Münsteraner Haus- und Hofagentur GUCC gewandet, bei der auch einige ehemalige Cineplex-Mitarbeiter tätig sind, die also sehr kinoaffin ist. So kamen wir dann auf die Marke Ultimate.
„Das sechste Projektions-Setup seit 2009“
Aus der in einem der Säle in Münster 2022 im Rahmen einer deutschlandweit einmaligen Kooperation Ultimate. powered by CGS wurde.
Anselm Esch: Insbesondere im 3D-Bereich haben wir immer allergrößten Wert auf höchstmögliche Helligkeit gelegt, von daher haben wir gerade in unserem größten Münsteraner Saal, wo die Leinwand über 220 Quadratmeter misst, immer sehr schnell nachgelegt, wenn es eine Technik gab, die das Erlebnis spürbar verbessert hat.
Das bedeutet in Zahlen…?
Anselm Esch: Wenn wir jetzt HDR by Barco in Münster einweihen, wird es im größten Saal das sechste Projektions-Setup seit 2009 sein. Das ist eigentlich Wahnsinn, wenn man an die Innovationszyklen zu Zeiten der analogen 35mm-Projektion denkt. Aber es ist ja nicht so, dass die „alten“ Projektoren dann entsorgt werden, sondern wir werten dann andere Säle entsprechend auf. Der schnelle Wechsel im späteren Ultimate.-Saal von 2K-Projektion über 2K- und 4K-Doppelprojektion bis hin zum Laser war eine wesentliche Motivation dafür, ein Label zu finden, das dem Gast ganz einfach vermittelt, dass er in einem entsprechenden Saal stets die modernste Technologie vorfindet, ganz unabhängig davon, ob er nun mit den unterschiedlichen Technikbegriffen vertraut ist.
Und CGS versprach damals diese spürbare Verbesserung?
Anselm Esch: Ja, denn irgendwann wurde klar, dass man noch so viel Licht auf eine Leinwand bringen kann und doch an Grenzen bei der Qualität stößt, wenn das Material nicht speziell dafür aufbereitet ist. Ab einem gewissen Qualitätsniveau der Technik lässt man mit Standard-DCPs viel zu viel auf der sprichwörtlichen Straße liegen – und mit CGS sind wir in den Bereich „Enhanced Content“, also speziell gemasterten DCPs, vorgestoßen.
Ansgar Esch: Dazu kann ich eine Anekdote erzählen: Wir hatten uns damals in der ersten europäischen CGS-Installation in Kopenhagen „Dune“ angesehen. Und mein Bruder meinte nur, dass ihn an diesem Bild nichts mehr störe. Das ist bei ihm das höchste nur denkbare Lob.

Was hat Sie nun von der neuerlichen Investition überzeugt?
Ansgar Esch: Wir hatten schon frühzeitig erste Gespräche über die neue Lösung geführt – und für uns war schon die Grundidee, Licht gezielt dorthin zu steuern, wo es benötigt wird, absolut einleuchtend. Denn in den allermeisten Teilen des Bildes braucht man selbst im Extremfall nur einen Bruchteil dessen, was ein moderner Laserprojektor an Licht auf die Leinwand werfen kann, in anderen Bildteilen kann es dafür fast nicht genug sein. Ausschlaggebend ist für uns auch, dass wir von einem zentralen Baustein sprechen, bei dem wir völlig frei in der Entscheidung sind, was wir im Rahmen eines eigenen PLF-Konzepts darum herum stricken. Nicht zuletzt bleibt unser Label Ultimate. als Dachmarke im Lead. Vor allem sind wir mit dieser Lösung absolut frei in der Entscheidung, was wir auf diesen Leinwänden einsetzen. Das ist für uns ein entscheidender Punkt – programmatische Kontrolle in andere Hände zu legen, kommt für uns nicht infrage.
Wie stark wog bei der Entscheidung der Wunsch, erneut zu den „First Movern“ zu zählen?
Anselm Esch: Das war sicherlich auch ein Faktor und ein gewisser Ansporn, zumal wir unsere großen Säle gerne als Flaggschiff-Säle betrachten. Wir haben uns mittlerweile aber auch ein wenig an diesen Erneuerungsrhythmus etwa alle drei Jahre gewöhnt. Das ist selbstverständlicher einer, den man in dieser Form nicht in allen Sälen umsetzen kann, aber das ist es eben auch, was Ultimate. auszeichnet. Stets auf der Höhe der Entwicklung zu sein, das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Hinzu kam dann natürlich noch eine enge Partnerschaft, aufgrund derer wir schon sehr früh in Gesprächen über die neue Technologie standen.
Happy Birthday, Cineplex Münster!
In Münster, dort wo Ansgar und Anselm Esch 2018 das Ultimate.-Konzept aus der Taufe gehoben haben, schenkt man sich das HDR-Upgrade quasi zum Geburtstag bzw. unmittelbar danach. Am 15. November wird im Cineplex Münster 25-jähriges Jubiläum gefeiert; unter anderem mit einer kostenlosen Führung hinter die Kulissen, zahlreichen Familienaktionen und als Sekt-Matinee dem nach Aussage der Betreiber „wohl schönsten Film der Eröffnungswoche“: „Billy Elliot – I Will Dance“. 25 Jahre Cineplex Münster bedeuten übrigens fast 10.000 unterschiedliche Filme, rund 20 Mio. Besuche und rund 30 Mio. Liter Popcorn (rund 1,5 Liter pro Besuch…). Für die erste Vorführung im neuen HDR-Format hat man ein Special Screening jenes Films gewählt, der als absoluter Jahresfavorit des Autoren übrigens noch geschlagen werden will: „F1“.
Wie genau werden die umgerüsteten Säle dann künftig gelabelt?
Ansgar Esch: Das Ganze läuft dann unter „Ultimate. in HDR by Barco“, dementsprechend werden wir natürlich nicht nur die Werbematerialen anpassen, sondern auch die Saaleingänge entsprechend neu gestalten. Vor allem haben wir einen eigenen, wirklich tollen HDR-Clip für das Vorprogramm produziert. In Münster schenken wir uns das Upgrade ja praktisch zum Geburtstag. Am 15. November feiern wir unser 25-jähriges Jubiläum und mit Beginn der darauffolgenden Spielwoche wollen wir dort in beiden Ultimate.-Sälen loslegen. Wir werden also nicht zuletzt die Kommunikation rund um die Feier dafür nutzen, unser Publikum gebührend auf das nächste Upgrade einzustimmen.
„Wenn man felsenfest von der Daseinsberechtigung des Kinos überzeugt ist, dann gibt es gar keine Alternative dazu, die sprichwörtliche Flucht nach vorne anzutreten“
Ohne an dieser Stelle Geheimnisse zu verraten – aber die bislang inoffiziell kolportierten Kosten für die Projektoren lassen ahnen, dass allein in Ihren Häusern eine siebenstellige Summe investiert wird. Was bedeutet das für den Ticketpreis?
Ansgar Esch: Wir hatten bei CGS bislang zwei Euro Ultimate.-Zuschlag, das erhöht sich auf drei Euro – womit wir unserer Ansicht nach aber in einem sehr akzeptablen Bereich für PLF-Zuschläge sind, wenn man das mit anderen Angeboten vergleicht. Natürlich müssen wir uns ein Stück weit auch auf diesem Wege refinanzieren. Aber es geht uns nicht zuallererst um die Frage, wie wir eine solche Investition 1:1 über einen Zuschlag abbilden. Sondern wir sind schlicht und ergreifend davon überzeugt, dass solche Maßnahmen notwendig sind, um Gäste dauerhaft bei uns zu halten bzw. im besten Fall auf Sicht wieder nennenswerten Mehrbesuch zu generieren. Die Aufgabe ist am Ende des Tages, für einen Preis x ein Erlebnis zu bieten, für das dieser vom Publikum als angemessen betrachtet wird. Ich erzähle nichts Neues, wenn ich berichte, dass die teuersten Plätze in unseren Häuser – die D-Box-Recliner in den Ultimate.-Sälen – regelmäßig die ersten sind, die gebucht werden. Und wir haben vom ersten Tag an gesehen, dass Filme – und insbesondere die sogenannte Mittelware im Actionbereich – in den Ultimate.-Sälen klar überperformen. Um Preisanpassungen kommen wir alle dank steigender Kosten ohnehin nicht auf Dauer herum. Aber man kann solche Schritte den Kunden gegenüber viel besser verargumentieren, wenn man dafür auch wirklich etwas bietet.
Jetzt ist das Kinojahr 2025 vielleicht nicht ganz das, was man sich erhofft hatte – aber an Vertrauen in die Zukunft mangelt es Ihnen offenbar nicht.
Ansgar Esch: Eigentlich ist der Zeitpunkt gerade ideal. 2025 hat wirklich ausgesprochen schwach begonnen, aber wir sind jetzt in einer Phase des Aufschwungs angekommen, wir haben noch tolle Filme vor uns – darunter „Wicked: Teil 2“, mit dem wir quasi loslegen, und natürlich vor allem „Avatar: Fire and Ash“ – und wir blicken vor allem auf ein äußerst vielversprechendes Kinojahr 2026. Natürlich lässt sich nicht leugnen, dass das Geschäft zuletzt nicht einfacher wurde. Aber wenn man wie wir felsenfest von der Daseinsberechtigung des Kinos überzeugt ist, dann gibt es aus unserer Sicht gar keine Alternative dazu, die sprichwörtliche Flucht nach vorne anzutreten.

Während Ultimate. auf der einen Seite weiter aufgerüstet wird, hat auf der anderen Seite mit Ultimate. Studio bereits eine Diversifizierung des Konzepts stattgefunden.
Anselm Esch: Das ist richtig. Denn während sich Ultimate. auch dank weiterer „Early Adopter“ wie den Familien Stürtz und Spickert sehr schnell innerhalb der Cineplex-Gruppe verbreitet hat, sind wir irgendwann an den Punkt gelangt, an dem sich gezeigt hat, dass die Vorgaben hinsichtlich der Leinwandgröße gerade im ländlichen Raum etliche Standorte ausklammern, bei denen technisch aber ein Niveau geboten wird, das den Stempel Ultimate. absolut verdient. Am Ende des Tages ist „Premium“ ein mindestens so wichtiger Faktor wie „Large“ – und deswegen haben wir mit Ultimate. Studio ein Sublabel ins Leben gerufen, das Gästen auch abseits der größten Säle die Sicherheit gibt, das dort Bestmögliche vorzufinden.
Wir hatten eingangs bereits über den Qualitätsgewinn gesprochen, den ein High-End-Setup vor allem im 3D-Bereich bedeutet. Aber ist dieses Segment – von einem „Avatar“ natürlich einmal abgesehen – perspektivisch noch groß genug, um als Investitionsargument dienen zu können?
Anselm Esch: Die Blütezeit für 3D ist vorbei und sie war am Ende auch relativ kurz. Aber ich bin einhundertprozentig davon überzeugt, dass „Avatar: The Way of Water“ nie im Leben zehn Mio. Besucher gemacht hätte, wenn er nicht ein so umwerfendes 3D-Erlebnis gewesen wäre. Zugegeben: Es gibt nichts Schlimmeres, als schlechtes 3D – weswegen wir in der Vergangenheit schon auf 3D-Einsätze verzichtet haben. Aber es gibt kein besseres Kinoerlebnis als gutes 3D. Das ist ein echter Mehrwert im Kino, umso mehr, als es aus dem Home Entertainment komplett verschwunden ist. Am Ende reichen drei oder vier große 3D-Titel im Jahr – und da reden wir noch nicht einmal von den Größenordnungen eines „Avatar“. Wenn weniger Filme in schwach hochgerechneten Fassungen daherkommen, ist das sogar ein Gewinn. Aber ja, im Prinzip ist schon richtig: Wenn die Zahl der guten 3D-Filme unter eine kritische Masse sinkt, wird es schwierig, die entsprechenden Investitionen noch zu rechtfertigen. Aber noch sehen wir eine solche Situation nicht am Horizont – und gerade in Münster haben wir nach wie vor einen sehr guten 3D-Anteil.