Die Hoffnung auf eine Zukunft bleibt – aber vorerst findet die Kinogeschichte am Sendlinger Tor in München ein Ende. Zum Abschied am 15. Januar, in dessen Rahmen sich die Betreiberfamilie Preßmar ein letztes Mal vor einem großen Münchner Regisseur verneigt, ist das Haus noch einmal bis auf den allerletzten Platz besetzt.
Wer vom Filmtheater Sendlinger Tor noch im historischen Saal Abschied nehmen will, muss sich sputen: Für den letzten Spieltag am morgigen 15. Januar gibt es zum jetzigen Stand nur noch wenige Karten für die Vorstellung um 14 Uhr – und nur noch zwei für jene um 17 Uhr. Die Abendvorstellung um 20 Uhr ist bis auf den letzten Platz besetzt.
Es ist das Ende einer Ära. Nicht nur für die Familie Preßmar, die den Standort nach rund 80 Jahren nach der Kündigung des Pachtvertrages durch die Gebäudeeigentümer (und nach jahrelangem juristischem Ringen) aufgeben muss. Sondern auch für die Münchner Kinolandschaft, in der das mitten in der Innenstadt gelegene Premierenhaus schon von Weitem mit einem besonderen Merkmal – handgemalten Großplakaten – ins Auge fiel.
Von der bayerischen Kinobranche hatte die Familie Preßmar bereits im Dezember einen emotionalen Abschied genommen (wir berichteten): Im Rahmen der Verleihung der bayerischen Filmtheater-Programmprämien hatte der FFF Bayern (dessen Büro sich nur wenige hundert Meter vom Kino befindet) Fritz und Evi Preßmar extra auf die Bühne geholt. Ein Abschied, bei dem Fritz Preßmar am Ende gerade so die Tränen unterdrücken konnte, bei dem er aber nicht nur seiner festen Überzeugung Ausdruck verlieh, dass das Kinoerlebnis nie sterben werde – sondern auch der Hoffnung, dass der „schweren Herzens angetretene“ Abschied seiner Familie aus der Kinobranche kein dauerhafter Abschied vom Filmtheater Sendlinger Tor als Kino sei. Die versammelte Branche hatte ihren Respekt mit tosenden, anhaltenden Standing Ovations bekundet.
Die Hoffnung, dass dieses „außergewöhnliche Kinodenkmal“ mit seiner 112-jährigen Geschichte den Münchnern erhalten bleibt, bringt man nun auch in einer Abschiedsbotschaft an das Publikum zum Ausdruck – in der man auch insgesamt 18 Millionen Kinogästen für die schöne Zeit dankt.
Der „Letzte Vorhang“, drei abschließende Vorstellungen am 15. Januar, steht ganz im Zeichen des am 11. Februar 2020 verstorbenen Münchner Regisseurs Joseph Vilsmaier, eines jahrzehntelangen Freundes der Familie Preßmar, dessen Werke im Filmtheater Sendlinger Tor regelmäßig ihre Premieren feierten und die allein dort über 350.000 Besucher erreichten. Gezeigt werden „Herbstmilch“ und „Rama Dama“, letzterer ein Film, der auch an die Anfangstage des Kinos unter Führung der Familie Preßmar erinnert, die das Haus nach dem Krieg im Jahr 1946 übernommen hatte.
Erinnert wird darüber hinaus an Münchens größten Komiker, im Begleitprogramm laufen ausgewählte Kurzfilme von Karl Valentin und seiner Partnerin Liesl Karlstadt. Außerdem wird vor jeder der drei Vorstellungen noch einmal der Jubiläumsfilm gezeigt, der anlässlich des 100jährigen Geburtstages des ursprünglich am 17. Oktober 1913 mit Die Herrin des Nils“ eröffneten Kinos im Jahr 2013 entstand.
Das Filmtheater Sendlinger Tor wurde unter der Leitung der Familie Preßmar vielfach prämiert – unter anderem wurde das Programm 34 Mal im Rahmen der bayerischen Programmprämien und fünf Mal bei den Kinoprogrammpreisen der Landeshauptstadt ausgezeichnet. Zwei Mal wurden die Betreiber mit der Medaille „München leuchtet“ für besondere Verdienste um die bayerische Metropole ausgezeichnet – und 1990 hatte Fritz Preßmar den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises erhalten.