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Torsten Frehse und Sylvia Müller zum Start von Neue Visionen Plus: „Label-Building als Verstärker“


Am 15. Oktober wird Goodmovies zu Neue Visionen Plus. Zum Relaunch des Streaming-Angebots sprachen wir mit den Verantwortlichen Torsten Frehse und Sylvia Müller über das neue Angebot, die Label-Building-Strategie und den Erfolg von „In die Sonne schauen“.

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Sylvia Müller und Torsten Frehse stellen Neue Visionen Plus vor (Credit: International Film Distribution Summit / Thomas Janze)

Neue Visionen erweitert aktuell sein Angebot. Zum 15. Oktober werden Sie mit Neue Visionen Plus eine Streaming-Plattform launchen. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Torsten Frehse: Zum einen ist es so, dass es ein Teil einer viel größeren Kampagne eines Label-Buildings ist. Wir denken, dass Label-Building eine der Antworten auf die Veränderung des Marktes ist. Wir haben gesehen, dass vor 10, 15 Jahren das Feuilleton einen größeren Bestandteil in der Herausbringung der Filme hatte. Wir konnten es 10 Jahre ausgleichen, auch mit einer guten Social-Media-Arbeit. Wir sehen aber, dass die Social-Media-Plattformen von einer Expansionsphase in eine Abschöpfungsphase übergegangen sind und es kaum noch möglich ist, sinnvoll mit ihnen zu arbeiten und dass wir uns neue Wege überlegen müssen. Einer davon ist der der Labelbildung. Was wir im Grunde genommen machen, ist, dass wir neue Visionen als Marke stärken und unter einem Label konzentrieren, damit wir es schaffen, eine B2C-Kommunikation aufzubauen, mit der wir mit dem Publikum direkt kommunizieren. Es geht darum, mehr Kommunikation mit dem Publikum aufzubauen. Der Relaunch von ehemals Goodmovies in Neue Visionen Plus ein Schritt in diese Richtung. 

Sie haben gerade über die Kommunikation mit dem Publikum gesprochen. Wie soll das auf der Plattform genau ausschauen? Gibt es dafür extra Formate oder auch Bereiche, in denen die NutzerInnen mitwirken können? 

Frehse: Vor allen Dingen wollen wir die Nutzerinnen und Nutzer in direkte Kommunikation mit uns bringen, indem sie Informationen direkt aus erster Hand bekommen. Wir wollen mehr Anreize bieten, uns in allen Arten und Weisen zu folgen und nicht nur zuzuschauen. Dazu gibt es auch dezidierte Formate, die viel intensiver die Filme filmanalytisch begleiten – vor allem zu den Filmen, bei denen weiteres Interesse des Publikums nach Erklärungen besteht. Die erste Sendung wird die Filmanalyse mit Rüdiger Suchsland und Mascha Schillinski zu „In die Sonne schauen“ sein, weil wir gesehen haben, dass bei einigen Zuschauerinnen und Zuschauer Erklärungsbedarf besteht. Die Plattform hat das Potential, ein Informationszugang zu aktuellen Kinofilmen zu werden. Es wird auch Funktionen geben, um das Publikum stärker mit einzubeziehen. Diese werden nicht interaktiv sein, aber ein stärkerer Anreiz zur Kommunikation wird aufgebaut. 

Welche Zielgruppen haben sie dabei genau vor Augen?

Sylvia Müller: Wir haben uns angeschaut, wie bisheriges Label-Building funktionierte. Wir haben uns gefragt: Wer hat bisher Label-Building gut aufgesetzt? Wann sind die Labels entstanden, die nicht schon vor 40, 50 Jahren vorhanden waren? In den letzten zehn Jahren fallen vor allem A24 und Neon auf, die das, glaube ich, ziemlich gut machen. Es ist nicht so, dass wir deren Ansatz kopieren wollen, aber auch dort sehen wir diesen Ansatz, direkt mit dem Publikum zu kommunizieren. Neue Visionen ist in den letzten zehn Jahren Platz zehn im Ranking aller Verleiher in Deutschland. Das ist in etwa der Stand, den A24 und Neon im Durchschnitt auch in den USA haben. Daraus schlossen wir, dass es falsch wäre, diesen Weg nicht zu gehen. Es gibt genug Menschen, die Neue Visionen kennen. Wir haben schon oft bei Veranstaltungen die Erfahrung gemacht, dass Leute auf uns zu kamen und sagten, „Ja, ich schaue jeden Film von Neue Visionen“. Meine Erstreaktion war: „Wow“, weil bisher die Bewerbung des Verleihs nicht unser Ziel war. Wir haben bemerkt, dass die Leute längst wissen, was Neue Visionen ist. Darüber haben wir in den letzten Jahren nachgedacht. Wir sind bereits relativ bekannt. Das Label-Building kann ein Verstärker sein.

Frehse: Ein Rechenbeispiel: Wenn wir es schaffen, dass wir in unseren Newsletter am Ende 100.000 bis 200.000 Abonnentinnen und Abonnenten haben und feststellen können: Da sind auch 3000 dabei, die in Leipzig  sind, und wir informieren darüber, dass eine Premierenveranstaltung mit einer Regisseurin oder einem Regisseur stattfindet, dann werden wir bestimmt auch 100, 150 Karten verkaufen, wenn wir das entsprechend kommunizieren können. Dafür hätten wir wahrscheinlich sonst mehrere hundert Euro ausgegeben für den Social Media-Auftritt. Das hat sich aus unserer Sicht geändert. Social Media ist nicht nur in seiner Wirkung schwächer geworden, sondern wir müssen uns auch zunehmend darüber Gedanken machen, ob wir irgendwelchen amerikanischen TechGiganten unser Geld schenken. Darin sehen wir auch unsere soziale und politische Verantwortung. Wie können wir planen, dass diese Mittel auch in einem deutschen Kinomarkt bleiben? Im Augenblick ist bei Facebook und Instagram die organische Reichweite zwischen 3 und 7 Prozent bei denen, die bereits Userinnen und User sind. Das ist kein Faktor mehr. Wir leben im Grunde genommen im Filmmarketing in einer Post-Social-Media-Welt. Damit müssen wir umgehen. Die Markenbildung, durch die Leute uns direkt folgen können, ist aus unserer Sicht ein wichtiger Weg. Vielleicht sagen wir auch in fünf Jahren, dass es nicht so viel gebracht hat, aber ich denke, dass es wichtig ist, dieses grundsätzliche positive Denken fortzuführen.

Dabei ist der Fokus vor allem auf die lokale Marke in Deutschland oder geht es auch um den europäischen Markt? 

Frehse: Wir müssen sehr realistisch bleiben. Neue Visionen ist ein deutscher Name, eine deutsche Firma. Natürlich bringen wir vor allen Dingen europäische Filme ins Kino, aber letztendlich bringen wir sie alle hier ins Kino und dabei bleibt es auch. 

Sie haben bereits erwähnt, dass der Markt sich insgesamt sehr in Bewegung befindet. Dabei existieren bereits sehr viele Arthouse-Streamer. Was soll der Unique Selling Point bei Neue Visionen Plus werden? 

Müller: Neue Visionen Plus wird der erste Arthouse-Streamer sein, der seine Inhalte ausdrücklich auch mit Infotainment verbindet. Im Grunde genommen schaffen wir eine Mediathek, durch neue Sendungen, die über die Filme hinausgehen, wie Talkformate und Filmanalysen. Wir stehen gar nicht unter Druck, die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums beim Fernsehen bedienen zu müssen, die geringer ist. Wir haben die Möglichkeit, viel längere Beiträge zu veröffentlichen. Wir sind auch politisch viel unabhängiger als Fernsehsender.

Schaut man sich bei diesen Infotainment-Formaten auch Vorbilder auf YouTube an?

Frehse: Ganz im Gegenteil. Wir wollen uns von YouTube abgrenzen. Wenn man bei YouTube ein Thema wie Inflation sucht, finden sie fast nur Beiträge dazu, die in die Richtung gehen, wie man am besten sein Geld anlegen kann. Dass jemand im Detail erklärt, wie Inflation entsteht, welche ökonomischen Prozesse dabei ablaufen und so weiter, findet dort gar nicht statt. So etwas kann man bei uns intensiv sehen und hören. Stichwort Filmanalyse: diese sollen nicht nur Bewerbungen des Kinostarts sein, sondern unabhängig davon Filme genauer beleuchten. Das sind Stärken, die wir bei uns sehen und bei den wir frei entscheiden können, da wir unabhängig von Geldgebern einfach machen können. 

Podcasts und andere Info-Formate werden heutzutage „nebenbei“ rezipiert. Ist eine solche Nutzung auch mit hineingedacht worden?

Müller: Ja, das wird vorkommen und das ist sicher auch ok. Aber unsere Sendungen haben schon auch einen Qualitätsanspruch. Wir möchten dem Publikum seriöse Inhalte bieten, die sich auf hohem Niveau mit Gegenwartsfragen auseinandersetzen und Fragen stellen, die eine substantielle  Auseinandersetzung anstoßen können. 

Zum Programm selbst. Wie wollen Sie dieses aufstellen? Wird hauptsächlich das reguläre Neue Visionen-Programm ins Streaming überführt?

Frehse: Das wird ein Teil des Angebots sein. Hinzu kommt natürlich auch das Programm von Kolleginnen und Kollegen, die bisher auch schon bei Goodmovies dabei sind. Also alle Partnerinnen und Partner, die wir bisher hatten, bleiben an Bord. Es ist niemand dabei, der geht, aber es ist auch allen klar geworden, dass wir diese Neuaufstellung mit Neue Visionen als Zugpferd nutzen wollen. Wir sind ausdrücklich offen, auch für Filme von anderen Kollegen. Wir bieten auch Geschäftsmodelle an, die sie partizipieren lassen. 

Werden die Analysen, die bereits zu Sprache kamen, vor allem für neue Titel produziert? Wird es auch Retrospektiven geben?

Müller: Alles. Wirklich ganz ehrlich, alles. Bestimmte Filme, die müssen auch gar nicht Teil unseres Programms sein, werden Themen anschneiden oder Darstellungsformen bedienen, die eine Filmanalyse sinnvoll machen. Wir sind uns bewusst, dass die Nachfrage für neue Filme größer sein wird. Einen Klassiker mal richtig erklärt zu bekommen ist definitiv interessant. Von „Der weiße Hai“ bis zum Horror existieren Phänomene, die mit unserer Gesellschaft verknüpft sind. An diesen Punkten macht es Sinn, verschiedene kulturelle und künstlerische Bewegungen, wie sie im Film stattgefunden haben, einzufangen und zu erklären. Wir wollen die Schulen des Kinos im Gedächtnis erhalten. Auch dafür soll Neue Visionen Plus ein Ort sein. 

Zu den einzelnen Infotainment-Formaten . Wie sehen diese im Detail aus?

Frehse: Die Filmanalyse-Sendung „Im Reich der Bilder“ mit Rüdiger Suchsland ist eins der Formate. Suchsland ist eine Person, die Wiedererkennungswert hat und bei der man erwarten kann, dass er in seiner manchmal auch kompromisslosen, aber trotzdem ansprichsvollen Art mit den Filmen und den Umständen des Films umgeht. Weiterhin gibt es „Skip“ von und mit Kai Lüftner. Kai Lüftner ist ein Kinderbuchautor, der exklusiv bei uns eine Kindersendung produziert. In der Sendung werden Graffiti, Kochshow, Liebe, und vieles weitere in eine wirklich schöne Familien-Sendung integriert. Und ich selbst mache eine Sendung, die „Kapital“ heißt, in der es darum geht, wie unsere Gesellschaft geprägt ist von Ökonomie, die aber relativ breit aufgestellt sein wird. Ein Thema ist Inflation, ein Thema ist Numismatik, also Münzen, ein Thema ist solidarische Ökonomie, ein Thema werden die Kapitalformen von Pierre Bordieu sein.

Müller: Dann gibt es noch die Journalistin und Autorin Christina Bylow, die zum Thema Architektur und Wohnen eine Sendung macht. Hier wird es sowohl um nachhaltige Bauweisen gehen, aber vor allen auch um die Frage des sozialen Raums und welche Gestaltungsmöglichkeiten es gibt, sowohl individuelle als auch allgemeine Wohn- und Raumbedürfnisse in Einklang zu bringen. 

Kann man den Ansatz als Gegenpol zu Formaten auf TikTok verstehen? 

Frehse: TikTok sowieso, aber auch fast schon als Gegenpol zu vielen Ansätzen des Fernsehens. Und vor allen Dingen auch ein Gegenstück zur oftmals politischen Ausrichtung von YouTube-Formaten. Wo existiert eine demokratische Alternative bei YouTube? Das wollen wir bieten. Wir wollen etwas mit intellektuellem Mehrwert anbieten. 

Wird das Programm mit der Zeit noch erweitert?

Müller: Es wird erweitert, auf jeden Fall. In den Zentralstudios am Potsdamer Platz haben wir ein gutes Team mit Potential für mehr. Zum Beispiel soll in unserer Bar Buñuel in Berlin-Mitte ein Live-Talk-Format etabliert werden, wo bestimmte Themen in einer Atmosphäre des Weintrinkens diskutiert werden. Dieses wird dann auch auf Neue Visionen Plus zu sehen sein. Wir denken auch über eine Kochsendung nach und natürlich über Sendungen zu vielen kulturellen Bereichen, die im Fernsehen so gut wie gar nicht mehr vorkommen: Musik, Kunst usw., die derzeit vor allem eine Podcast-Öffentlichkeit bedienen.

Verändert sich mit dem Relaunch die technische Grundlage bei Neue Visionen Plus?

Frehse: Wir setzen weiterhin auf unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit Kinostar, die sowohl für den Channel als auch für die App und die Website unser technischer Partner bleiben. Das ist auch einer der Vorteile. Wir müssen nicht eine neue Seite bauen und schauen, wie viele tausend Bugs man am Ende korrigieren muss. Wir setzen auf eine Zusammenarbeit, die jetzt schon 7-8 Jahre funktioniert. 

Neue Visionen Plus wird ja auch auf Prime Video angeboten. Verändert sich dort irgendetwas für die Kunden? 

Frehse: Jeder Kunde hat die Möglichkeit, den Channel dort zu abonnieren, wo er möchte. Wir wissen, dass im Augenblick Amazon Prime als Media Hub die Nummer 1 in Deutschland ist. Aber es gibt auch die Möglichkeit, die App zu abonnieren, die man auf dem TV installieren kann oder einfach über den Browser zu streamen.

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Zur Herausbildung der Marke Neue Visionen gehört auch die Merch-Offensive (Credit: Neue Visionen)

Neben dem Relaunch von Neue Visionen Plus habt ihr euren Merch-Bereich extrem ausgebaut. Das gehört sicherlich auch zum Label-Building. Könnt ihr schon erste Bilanzen ziehen? 

Frehse: In der Branche kommt es extrem gut an. Wir merken immer, wenn wir einen Stand aufstellen, wie bei der Filmkunstmesse beim Cineplex-Tag oder dem HDF-Kongress, dass die Leute Schlange stehen, um etwas mitzunehmen. Das ist auch ein gutes Gefühl, dass Menschen sagen: „Ich kann mir vorstellen, Neue Visionen auch mal anzuziehen.“ Ich würde mich freuen, wenn wir bei Festivals und Messen mehr Merch von uns sehen könnten. Ein Nebenkommentar: An dieser Stelle möchte ich betonen, dass wir uns trotz des Relaunches von Neue Visionen Plus klar zum Kino bekennen. Bei uns werden keine Filme rauskommen, die sich nicht an die Sperrfrist halten. Für uns ist das Kino weiter die Priorität. Uns stört es nicht, wenn Leute Merch von anderen Verleihen tragen. Wir sind ja keine Rennställe. Unser Merch ist weniger als Konkurrenz, sondern als Signal an die Branche zu verstehen. Wir meinen es mit der Markenbildung ernst und das Merch gehört zum nächsten Schritt. Wir hatten echt gutes Publikum beim temporären Pop-Up-Store im Prenzlauer Berg. In dieser Woche haben mehr als 100.000 Menschen den Store gesehen. Wir wollen durch solche Aktionen mehr auf die Verantwortlichen in der Kinobranche hinweisen. Wir wollen Interesse dafür schaffen, was wir machen. Für diesen Ansatz brauchen wir uns nicht schämen, sondern gehen gezielt vorweg. Wir produzieren unser Merch nicht für einen Millionen-Absatz. Aber zum Beispiel unsere Baby-Strampler, die Socken mit dem Stern oder aber vor allem die Cineast-Linie kam sehr gut an. Wir sehen das als Experiment. Wir wollen etwas probieren.

Bleibt es bei dem Angebot bei Kleidung? 

Frehse: (Lacht) Wir hätten den Schal im Sommer mitmachen sollen. So in die Richtung Fanschal. Wir waren in unserer bisherigen Kollektion eher vom Sommer geprägt. Unsere Hoodies bringen einen aber auch durch die kühleren Jahreszeiten. Alles nachhaltig produziert und fair gehandelt. Ein benachbarter Malermeister hat für seine Belegschaft zehn der Hoodies gekauft, weil er meinte, es gibt selten Sachen, die so angenehm warm sind. Malerfirmen hatten wir als Absatzmarkt nicht auf dem Schirm. (Lacht)

Müller: In der Klasse meines Sohnes tragen mittlerweile 5 Kinder freiwillig den Kinder-Hoodie – sie werden jetzt bestimmt auch häufiger ins Kino gehen und das nicht unbedingt nur in Neue Visionen-Filme.Wenn auf der Berlinale auch nur 50 Leute Kleidung von Neue Visionen anhaben, erreichen wir mehr Sichtbarkeit. Die Leute können so ins Gespräch über Neue Visionen kommen. Man darf diesen realen Effekt, außerhalb des Internets viral zu gehen, nicht unterschätzen.

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„In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski (Credit: Studio Zentral)

Teil der wachsenden Marke von Neue Visionen ist natürlich auch der Erfolg von „In die Sonne schauen“. Wie haben Sie diesen bisher wahrgenommen, natürlich auch im Bezug der deutschen Oscar-Einreichung?

Müller: Ja, es war ja  kein Zufall, dass wir den Starttermin eine Woche nach vorne verlegt haben. Wir haben genau auf diese Woche spekuliert (eine Woche nach Verkündung der deutschen Oscar-Einreichung). Wir waren uns sehr sicher, dass „In die Sonne schauen“ ausgewählt werden würde. Wir hatten im Vorfeld mit den Produzenten mit Mascha Schilinski und dem weiteren Team schon sehr viele Interview-Tage angesetzt, und unsere Promo-Kampagne traf einen Nerv. Das hat schon alles gut hingehauen. . Ehrlich gesagt wären 200.000 Besucherinnen und Besucher mehr uns noch lieber gewesen. Das gute Sommerwetter hat uns leider etwas die Spitzen genommen . Wir vermuten, dass wir am Ende so circa 400.000 erreichen. Das ist natürlich sehr gut. 

Frehse: Ich kenne einen Betreiber, den ich sehr, sehr schätze, der in Cannes gesagt hat, als er aus der Vorstellung kam: „Der macht keine 50.000 Besucher“. Am Ende von Cannes waren es 150.000. Der hat die Wette definitiv zweimal verloren. 

Ist da vielleicht um die Oscars herum nochmal eine neue Auswertung geplant? 

Frehse: Wir greifen da natürlich weit voraus. Ein paar Stufen sind ja schon noch zu nehmen. Aber natürlich, wenn „In die Sonne schauen“ für den Oscar nominiert wird, was wir sehr hoffen, wird er natürlich nochmal verstärkt im Kino angeboten. . Jetzt sind andere Akteure am Zug. Schön ist jedenfalls, dass der Film Gesprächsthema in der Öffentlichkeit ist. Auch in der Auseinandersetzung bleibt der Film stark. Ich glaube, dass inzwischen Leute, die den Film zweimal angeschaut haben, ein Faktor sind. Auch für viele Kinos war der Film eine extrem gute Überraschung – vor allem auf dem Land, auch in Ostdeutschland. Das haben wir auch mit der Kampagne geschafft. Es hat sich gelohnt, gleich mit 150, 170 Kinos anzufangen. Da hätten andere wahrscheinlich mit 65 Kopien gestartet oder so.

Danke für das Interview!