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Stephen Frears: „Ich mag es, nicht so genau zu wissen, was ich tue“


Beim Geneva International Film Festival wird Stephen Frears mit dem Film & Beyond Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Wir sprachen mit dem Regisseur von Filmen wie „Die Queen“ oder „The Lost King“ über seinen Blick auf die Filmindustrie und das Filmemachen.

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Stephen Frears (Credit: Casarotto & Ramsay Accociates)

Sie sind hier, um den Film & Beyond Award entgegenzunehmen – wie blicken Sie darauf bzw. auf Preise generell?

Stephen Frears: Ich habe ehrlich gesagt keine richtige Meinung zu Awards… Wenn man alt wird, bekommt man plötzlich ständig Preise (lacht). Ich würde lieber einen Film drehen. Aber natürlich ist es immer schön, wenn Leute nett zu einem sind.

2006 erhielten Sie bereits einen Lifetime Achiement Award in Zürich – damals sagten Sie, Filmfestivals seien wie ein Ghetto. Was meinten Sie damit?

Stephen Frears: Als ich ein Kind war, ging ich einfach ins Kino um die Ecke. Und ich liebe es, ins Kino zu gehen. Deshalb gefällt mir die Idee nicht, dass Filme in diesem abgegrenzten, nicht für alle zugänglichen Bereich gezeigt werden – zumindest sehe ich Festivals so. Aber die Branche hat sich auch verändert, deswegen verstehe ich inzwischen auch, dass Festivals ihren Vorteil haben und ohne sie Vieles schlechter wäre.

Sie fingen in den 60er Jahren an Filme zu drehen. Wie hat sich die Filmindustrie seitdem verändert?

Stephen Frears: Die Filme, mit denen ich aufgewachsen bin, werden so nicht mehr gedreht. Damit meine ich vor allem amerikanische Filme, die im Studiosystem gedreht wurden.  Und wenn man jetzt anfängt, könnte man niemals die Karriere haben, die ich hatte. Ich hatte eine tolle Karriere und hatte viel Glück. Jetzt ist die Filmbranche viel kommerzieller und kompromissloser. Außerdem sind Filme irgendwie etwas Besonderes geworden – es war besser, als sie einfach ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens waren.

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Gordon Warnecke und Daniel Day Lews in „Mein wunderbarer Waschsalon“ (Credit: IMAGO / Allstar)

Sind Sie also der Ansicht, dass das Publikum die Filme nicht mehr richtig wertschätzt?

Stephen Frears: Nicht unbedingt, ich glaube eher, die jungen Menschen werden um gute Filme betrogen. Wenn man ihnen Klassiker zeigt, können sie nicht glauben, wie wundervoll sie sind. Natürlich müssen die Filme heute nicht sein, wie wir alten Männer das wollen… Aber so sind wir eben aufgewachsen.

Was haben Sie über all die Jahre über das Filmemachen gelernt?

Stephen Frears: Keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob man wirklich etwas lernt. Man löst Probleme und die Filme werden gleichzeitig besser und schlechter. Als ich jung war, wusste ich nicht sehr viel. Klar hatte ich dadurch auch weniger Erfahrung beim Filmemachen, aber meine Werke hatten eine gewisse Unschuld, die jetzt weg ist. Oft merkt man auch nicht wirklich, dass man gerade etwas lernt. Orson Welles hat viel über Sound gelernt, als er Hörspiele fürs Radio gemacht hat, aber er hätte wahrscheinlich nicht gesagt, dass er genau da gelernt hat, mit Sound umzugehen. Man lernt immer etwas und mit der Zeit wird das Filmemachen dadurch immer leichter.

Sie wirken in Interviews oft sehr unbekümmert, nicht wirklich interessiert an Ihrer eigenen Arbeit…

Stephen Frears: Ja, das liegt daran, dass ich nicht wirklich einen bestimmten Blick auf die Welt habe. Als ich „Mein wunderbarer Waschsalon“ gemacht habe, war das eine sehr originelle Geschichte, aber wir haben das nicht so ernstgenommen oder darüber nachgedacht. Es war diese brillante Analyse der britischen Gesellschaft. Die Ernsthaftigkeit kam zum Vorschein, weil der Drehbuchautor Hanif Kureishi ein sehr cleverer, mutiger, ernsthafter Mann und gleichzeitig ein Clown ist. Ich rede also nicht so gerne über mich selbst, weil ich es mag, wenn die Dinge spontan passieren. Ich mag es, nicht so genau zu wissen, was ich tue.

Auch wenn Sie über die Suche nach neuen Projekten sprechen, klingt das sehr einfach, Sie sagen immer, Sie suchen nur nach einem Drehbuch, was Ihnen gefällt. Was finden Sie denn besonders herausfordernd am Filmemachen?

Stephen Frears: Das größte Problem ist, ein neues Thema zu finden. Aber ich hatte sehr viel Glück und habe mein ganzes Leben lang immer neue, interessante Themen gefunden. Ich wollte nie einen Film über die Queen drehen, aber jemand hat mir ein Drehbuch über sie gegeben, das sehr gut war und letztendlich stellte es sich als genau das heraus, was die Leute sehen wollten. Und niemand hatte zuvor einen Film über die Queen gemacht; Originalität kommt also immer in unerwarteten Momenten und Themen.  

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Stephen Frears und Helen Mirren am Set von „Die Queen“ (Credit: Concorde“)

Gibt es denn ein spezifisches Thema, das Sie noch interessieren würde?

Stephen Frears: Tatsächlich hat erst kürzlich jemand zu mir gesagt: „Ist es nicht langsam Zeit, einen Film über den Brexit zu drehen?“ Das fand ich eine sehr interessante Idee, denn der Beginn des Austrittsprozesses ist jetzt fast 10 Jahre her. Ich denke also, ich werde einen Produzenten darauf ansprechen und gucken, was passiert.

Am herausforderndsten ist also die Themenfindung – was schätzen Sie am meisten am Filmemachen?

Stephen Frears: Das Kollaborative. All die Kameraleute, Editors, Komponisten, Schauspieler etc. mit denen ich gearbeitet habe, haben mich sehr beeinflusst. Ich habe eine große Freude an dem, was sie tun. Ich sehe mich selbst nicht als der Wichtigste am Filmset, deshalb hatte ich so eine lange Karriere. Ich habe auch nie an die Auteur-Theorie geglaubt. Beim Dreh von „Gefährliche Liebschaften“ hatte ich ein Gespräch mit dem Designer, bei dem er mir genau sagte, wie ich den Film machen sollte, mir vorschlug, in welcher Szene ein Korridor eine Rolle spielen sollte etc. Wenn die Kritiker vom Cahiers du Cinéma davon wüssten… (lacht). Klar, die Filmemacher der Nouvelle Vague haben tolle Filme gemacht, aber gleichzeitig haben sie auch viel Unsinn erzählt.

Auf welche Projekte dürfen wir uns von Ihnen in der Zukunft freuen?

Stephen Frears: Ich möchte in Amerika einen Film über einen Zirkus drehen und es gibt ein TV-Projekt, das sich aktuell in Entwicklung befindet und auf einem Werk von Dürrenmatt basiert.

Das Gespräch führte Lea Morgenstern.