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Niels Alberg von PUBLIKUM.io: „Ein ausgezeichneter Eindruck von der Filmgemeinde in Hamburg“


Niels Alberg ist Mitbegründer und CEO von PUBLIKUM, einem Dienstleister für Zuschauerforschung, der eine Kombination aus KI-Analyse und anthropologischen Erkenntnissen anbietet. Jetzt eröffnet die dänische Firma eine Niederlassung in Hamburg. Wir haben nachgefragt.

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Niels Alberg (Credit: Publikum.io)

Wie würden Sie die DNA von PUBLIKUM.io beschreiben?

Niels Alberg: Kurz gesagt: Wir helfen Filmemachern dabei, sowohl ein künstlerisches als auch ein kommerzielles Verständnis für ihr Publikum zu entwickeln – ohne dabei Kompromisse hinsichtlich der kreativen oder geschäftlichen Seite eines Projekts einzugehen. Dazu kombinieren wir KI-gestützte Analysen des Zeitgeists und der Marktkonkurrenz mit anthropologischen Erkenntnissen darüber, wie das Publikum emotional auf Geschichten reagiert. Wir arbeiten genreübergreifend und möchten Filmen dabei helfen, „auf zwei Beinen zu stehen“, wobei Originalität und Qualität ebenso wichtig sind wie die Attraktivität für das Publikum. In den letzten fünf Jahren haben wir mehr als 150 Film- und Fernsehprojekte in einer Vielzahl europäischer Länder unterstützt. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen wie Zentropa, Maipo, SF Studios, Lemming Film, Nordisk Film, Oslo Pictures, Toolbox, De Mensen, Profile Pictures, Miso Film, LevelK Sales und viele andere starke europäische Akteure. Die europäische Dimension ist für uns von entscheidender Bedeutung. Wir haben unsere Methoden und Kooperationsformate so entwickelt, dass sie mit der europäischen Filmtradition im Einklang stehen, in der Raum für künstlerische Freiheit sein muss. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus anthropologischem Verständnis von Gesellschaften, Zeitgeist und den menschlichen Reaktionen des Publikums auf Themen und Gespräche. Dies ermöglicht uns Diskussionen, in denen künstlerische Reflexionen und strategisches Denken verschmelzen. Unser Ziel bei jedem Projekt ist es, Filmen zu einem größeren Publikum zu verhelfen und gleichzeitig einen tiefgreifenderen Eindruck zu hinterlassen.

Sie eröffnen eine Niederlassung in Hamburg. Was sind Ihre Pläne? 

Niels Alberg: Wir wollten schon lange enger mit Deutschland zusammenarbeiten. Trotz des starken deutschen Interesses gab es bisher relativ wenige konkrete Kooperationen – obwohl wir unseren Ansatz in Deutschland in rund 15 öffentlichen Präsentationen vorgestellt haben. Wir haben Sol Bondy und Fred Burle von One Two Films bei der Entwicklung ihres aktuellen Spielfilms „Köln 75“ unterstützt. Aber deutsche Beispiele sind rar. Unsere Analyse ist einfach: In Deutschland besteht eine starke Nachfrage nach unseren Dienstleistungen, aber um erfolgreich zu sein, müssen wir näher am Markt sein. Es reicht nicht aus, nur von Kopenhagen aus zu operieren. Deutschland ist im Vergleich zu Dänemark und den anderen Ländern, in denen wir tätig sind, riesig, und auch die Finanzstrukturen sind ganz andere und erfordern mehr Aufmerksamkeit von unserer Seite. All das bedingt Nähe und ein tieferes Verständnis der lokalen Besonderheiten. Für mich geht es dabei weniger um „kulturelle Unterschiede“ – wie oft behauptet wird, sondern vielmehr um die Notwendigkeit einer lokalen Präsenz in jedem neuen Markt. Wir sind bereits in neun Märkten außerhalb Dänemarks tätig, von denen jeder seine eigene Kultur hat. Das gilt natürlich auch für Deutschland, aber als Anthropologen und Soziologen ist es unser Spezialgebiet, mit kulturellen Unterschieden umzugehen. Hier kommt es darauf an, näher an deutschen Filmemachern, Unternehmen, Förderern und Organisationen zu sein, damit wir unsere Tools und Angebote genauer an den deutschen Kontext anpassen können. Das Büro wird bereits im Oktober dieses Jahres eröffnet.

Warum Hamburg? Warum ist das ein geeigneter Standort für Sie?

Niels Alberg: Wir haben uns aus mehreren Gründen für Hamburg entschieden. Ein wichtiger Faktor ist die MOIN Filmförderung. Seit mehreren Jahren führen wir einen konstruktiven Dialog mit MOIN, die ein langfristiges Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns gezeigt hat. Die wird nun Realität. Auch die geografische Lage spielt eine Rolle. Die Stadt ist von Dänemark aus leicht zu erreichen, was wichtig ist, da die Mitarbeiter in der Anfangsphase und wahrscheinlich auch darüber hinaus hin- und herreisen werden. Von Hamburg aus ist Berlin mit dem Zug in zwei Stunden zu erreichen, Köln in weniger als vier Stunden und München in etwa sechs Stunden. Damit ist Hamburg ein äußerst praktischer Knotenpunkt für die Zusammenarbeit mit Partnern in ganz Deutschland, während gleichzeitig die Nähe zu unserem dänischen Büro gewahrt bleibt. Schließlich haben wir durch unsere wiederholten Einladungen zur Explorer Konferenz einen ausgezeichneten Eindruck von der Filmgemeinde hier gewonnen, einschließlich der vielen Unternehmen in der Region.

Was erhoffen Sie sich von der Expansion?

Niels Alberg: Aus kulturellen und geografischen Gründen haben wir uns seit unserer Gründung im Jahr 2021 auf Länder konzentriert, die relativ nah an Dänemark liegen. Bis 2025 unterstützen wir jährlich etwa 50 bis 60 Filme und Serien mit Zuschaueranalysen und Strategien und arbeiten auch mit Sendern zusammen. Deutschland ist unser größtes Nachbarland und aus diesem Grund ein besonders wichtiger Markt für uns. Hier spüren wir denselben Ehrgeiz wie in vielen anderen Ländern, in denen wir bereits aktiv sind, darunter neben Dänemark auch Österreich, die Schweiz, Belgien, Norwegen und die Niederlande. In diesen Ländern sind Filmemacher, Förderer und andere Organisationen aus der Branche stets bemüht, ihr Publikum mit guten und bedeutungsvollen Geschichten zu versorgen – Geschichten aus ihren eigenen Ländern, die einen zentralen Teil der kulturellen Gemeinschaft bilden. Gleichzeitig sollen diese Filme – in ihren Ausspielwegen über Kinos, Plattformen und Festivals – den Beteiligten sowohl finanzielle als auch künstlerische Anerkennung verschaffen. Deutschland ist ein Land der Ideen, das es immer gewagt hat, groß zu denken – nicht nur im Film, sondern in Kultur, Kunst, Wissenschaft und Technologie. Als Außenstehende sehen wir diese Ambitionen, die im deutschen Film- und Fernsehsektor nach wie vor stark ausgeprägt sind, aber wir spüren auch, dass dieses Land noch mehr will: vor allem ein größeres Publikum für seine Filme erreichen, sowohl innerhalb Deutschlands als auch über seine Grenzen hinaus. Genau diese Kombination aus Talent, Ehrgeiz und Hunger nach mehr lässt uns den jetzigen Zeitpunkt als ideal erscheinen, um ein Büro in Deutschland zu eröffnen und landesweit Kooperationen mit allen Arten von Projekten zu beginnen, von frühen Entwicklungsphasen bis hin zu fertigen Filmen, die eine Positionierung und ein klares Verständnis ihres Publikums in den Marketingbemühungen suchen. Seit Jahren bieten wir Tools zur Unterstützung der Entwicklungsphase an, und jetzt führen wir neue Technologien ein, die es für uns noch relevanter machen, zur Arbeit der Verleiher beizutragen. Auch in dieser Hinsicht ist der Zeitpunkt für unsere Expansion in Deutschland ideal.

Die Fragen stellte Barbara Schuster

Pilotprogramm