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Mario Krebs & Ernst Ludwig Ganzert: „Werden mit Produktionen wie ‚Bach‘ weiter in andere Länder gehen müssen“


Am heutigen Mittwoch läuft zur besten Sendezeit die große TV-Premiere des Familienfilms „Bach – Ein Weihnachtswunder“ im Ersten. Mario Krebs und Ernst Ludwig Ganzert sprechen über eine der aufwendigsten Produktionen der Eikon Media, die ohne österreichische Unterstützung in diesem Glanz nicht möglich gewesen wäre.

Mario Krebs und Ernst Ludwig Ganzert
V.l.: Die Produzenten Mario Krebs und Ernst Ludwig Ganzert mit ihrem „Bach“-Film (Credit: privat, ARD Degeto Film/MDR/BR/ORF/EIKON Media/epo Film/Ricardo Gstrein)

„Bach – Ein Weihnachtswunder“ soll kein Biopic sein. Hätte es bei Ihnen aber eine Möglichkeit gegeben, dass Johann Sebastian Bach und seine Familie sächseln?

Mario Krebs: Tatsächlich haben wir das Ganze mal bei unserem Film „Katharina Luther“ probiert. Die beiden Hauptdarsteller versuchten sich im Thüringischen. Aber dann sagte selbst der MDR, dass das ein No-Go sei. Sicher hätte sich die tolle Verena Altenberger auch das Sächsische vorbildlich draufgeschafft. Aber ob die Sachsen damit einverstanden gewesen wären, ist nochmal eine andere Angelegenheit. Wir besetzen immer hochdeutsch.

Es ist ein Familienfilm, der aber auch auf historischen Fakten basiert. Was ist historisch verbürgt und wo beginnt in Ihrer Produktion die künstlerische Freiheit?

Mario Krebs: Historisch verbürgt ist der Konflikt zwischen Johann Sebastian Bach und dem Rat der Stadt Leipzig und der Kirchenverwaltung zu der Art seiner Musik, die von den Auftraggebern als „zu opernhaft“ beschrieben wird. Es ist keine opernhafte, aber eine dramatische Musik, die nicht nur in den Kopf, sondern auch in die Herzen geht. Bachs Interesse, aus der Stadt der Pfeffersäcke und Kaufleute wegzukommen, die mit Kunst nicht viel zu tun hatten, ist historisch korrekt. Vieles an unserem Film ist verbürgt, etwa auch, dass eine Frau wie Anna Magdalena Bach, die eine exzellente Musikerin war, in der Kirche nicht singen durfte. Der beeinträchtige Sohn Gottfried ist auch belegt, der uns durch die Geschichte hindurchführt. Alles andere sind Zutaten eines Familienfilms.

„Bach“ ist eine sehr wertig aussehende Produktion. Wo und wie viel haben Sie vor Ort gedreht? Und ist es eine der aufwendigsten Produktionen, die Eikon Media bisher umgesetzt hat?    

Ernst Ludwig Ganzert: „Bach– Ein Weihnachtswunder“ gehört mit einem Budget von 5,8 Millionen Euro sicherlich zu den teuersten 90-Minütern, die wir bisher gemacht haben. Das Geld haben wir aber auch wirklich gebraucht. Wir haben an Originalschauplätzen in Mitteldeutschland gedreht und die Musik in Leipzig in der Thomaskirche kurz vor Drehbeginn mit dem Original-Thomanerchor aufgenommen, um sie dann verfügbar für den Dreh zu haben. Wir haben uns dann aber dafür entschieden, nicht in der Thomaskirche zu drehen, weil sich die Kirche in den Jahrhunderten seither stark verändert hat. So wurde der Merseburger Dom für uns der beste Drehort, da es dort die riesige Barock-Orgel gibt, die aus dieser Zeit stammt, auch wenn sie inzwischen modernisiert worden ist, was man aber optisch nicht sieht, weil der Prospekt aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt und so erhalten wurde. Der Dom bot uns eine unglaubliche Wertigkeit, auch der historisch erhaltene Domplatz mit seiner Verbindung zum Schloss war ein großes Geschenk für uns. Die Außenaufnahmen haben wir dann auch noch in Weimar und auf dem historischen Friedhof von Buttstädt in der Nähe von Weimar gedreht. Etwa die Hälfte der sechs Drehwochen fanden in Mitteldeutschland statt, dann sind wir nach Österreich umgezogen, wo die ganzen Innenaufnahmen in Schloss Greillenstein im Waldviertel bei Wien gemacht wurden, dessen Inneneinrichtung noch ziemlich originalgetreu aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Dort fanden wir zum Beispiel Räume, wo wir das Leipziger Rathaus innen drehen konnten und auch die Bach-Wohnung hat unser Szenenbildner Pierre Pfundt dort eingerichtet.     

Mario Krebs: Diese Produktion war nur möglich, weil wir das neue Fördersystem in Österreich mit unserem Partner epo-Film nutzen konnten und bei unseren Dreharbeiten in Mitteldeutschland tatkräftig von der MDM unterstützt wurden. André Naumann und Markus Görsch waren hier starke, professionelle und immer ansprechbare Partner, auch in schwierigen Situationen, wenn es mal mit einer Drehgenehmigung hakte. Ansonsten hätten wir einen solchen Film nicht machen können. Das ist die Realität. Wir hatten bei „Katharina Luther“ mehr als sechs Millionen Euro Budget, hier hatten wir weniger trotz der zwischenzeitlichen massiven Kostensteigerungen bei einem vergleichbaren Produktionsaufwand. Die ARD hat uns mit großer Energie und allen Mitteln unterstützt, das Budget in dieser Höhe zusammenzubekommen, was wir allen Partnern hoch anrechnen, denn die Gelder im Sender werden vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Rundfunkbeitrag nicht mehr.  Trotzdem will man hochwertige Produktionen. Die Zusammenarbeit mit epo-Film haben wir jetzt auch bei einem anderen Projekt weitergeführt. In Österreich gibt es kein Gremium, das inhaltlich entscheidet, was man vorlegt. Man muss bestimmte wirtschaftliche Parameter erfüllen, dann bekommt man die Förderung. Das ist eine Wirtschaftsförderung im guten Sinne. Dass das in Deutschland nach den ganzen Diskussionen in den vergangenen zwei Jahren zur Reform der Förderung nicht zu Stande gekommen ist, ist schon ein Trauerspiel. Wir konnten die Wertigkeit unseres Films nur über diese Kombination herstellen.

Bach - Ein Weihnachtswunder
Die Familie in „Bach – Ein Weihnachtswunder“ (Credit: ARD Degeto Film/MDR/BR/ORF/EIKON Media/epo Film/Ricardo Gstrein)

„Bach – Ein Weihnachtswunder“ ist ein Paradebeispiel für das, was die Eikon Media leisten kann: Es ist prominent besetztes öffentlich-rechtliches Unterhaltungsfernsehen auf hohem Niveau, nicht ohne Bildungsanspruch und in diesem Falle auch mit einer gewissen christlichen Botschaft. Erntet diese Aussage Zustimmung oder Widerspruch?  

Ernst Ludwig Ganzert: Das haben Sie schon ganz gut zusammengefasst. Wobei wir nicht überlegen, wie wir einen Film machen können, über den sich unsere Gesellschafter, die bekanntlich evangelische Landeskirchen sind, freuen würden. Wir gehen eher über gute Geschichten. Johann Sebastian Bach und seine Familie vor dem Hintergrund der Entstehung des Weihnachtsoratoriums zu erzählen, geht auf eine Idee meines Kollegen Mario Krebs zurück, die er gemeinsam mit dem Autor Christian Schnalke entwickelt hatte. Die Anregung, sie in Form einer Weihnachtsgeschichte für ein großes Publikum auszubauen, kam dann sehr stark von unseren Partnern beim MDR (Sven Döbler und Johanna Kraus) und der ARD Degeto (Claudia Luzius und Christoph Pellander), was dem Film dann seine jetzige Form gegeben hat, über die wir uns alle freuen. Im späteren Drehbuchstadium kamen noch Amke Ferlemann vom BR und Klaus Lintschinger vom ORF dazu, die wertvolle Erfahrungen in den Entwicklungsprozess einfließen ließen. Unser großartiger Regisseur Florian Baxmeyer war in diesem Stadium ebenso entscheidend, es war ihm von Anfang an wichtig, einen emotionalen Film für ein großes Publikum zu drehen und trotzdem dem großen Künstler Bach gerecht zu werden.

Wie viele Premieren feierte „Bach“?

Ernst Ludwig Ganzert: Es gab eine große ARD-Premiere in Leipzig, bei der außer den Schauspielern der komplette Thomanerchor anwesend war, ein unvergessliches Erlebnis für alle, die dabei sein konnten. Und es gab auch noch eine beträchtliche Zahl weitere Premieren in ganz Deutschland. Wir durften bereits Ende Oktober die Filmfestspiele Biberach eröffnen, danach haben unsere Gesellschafter weitere Kinovorführungen u.a. in Essen, Wiesbaden, Erfurt, Weimar, Gotha und Eisenach organisiert, weil sie den Film großartig fanden. Dies hatte einen hohen Werbewert und zudem die Ausstrahlung im Ersten und den Start in der ARD-Mediathek über den weit verzweigten Verteiler unserer Gesellschafter noch bekannter gemacht, was vor einigen Jahren bei unserem Film „Katharina Luther“ schon einmal hervorragend funktioniert hat. Es wurden viele Kirchenmusiker und Pfarrer eingeladen, die sich über den Film gefreut haben, weil er die Rolle der Kirchenmusik damals und heute für ein Publikum beleuchtet, das nicht unbedingt mehr kirchennah oder gläubig ist. Wenn es Idealprojekte für unsere Gesellschafter gibt, dann waren „Katharina Luther“ und nun der „Bach“-Film sehr nah dran.

Mario Krebs: Wir sind aber in der Arbeit, die wir bei Eikon Media machen, inhaltlich vollkommen frei. Wir sind von den Gesellschaftern nicht angehalten, bestimmte Themen umzusetzen. Die Gesellschafter sehen auch, dass das Geschichtenerzählen ihre originäre Aufgabe am Sonntag und die gesamte Woche über ist. Bei ihnen sind es Geschichten, die aus dem Neuen und dem Alten Testament kommen. Diese Geschichten enthalten immer große Konflikte. Dort werden immer die Bedingungen der menschlichen Existenz verhandelt. Wir versuchen besondere Geschichten in den Formaten, in denen wir arbeiten, zu erzählen: im „Polizeiruf 110“, im „Dänemark-Krimi“ und auch in unseren Einzelstücken. Es geht um Menschen, die sich einer Herausforderung gegenübersehen und diese bestehen müssen. Wir versuchen in der Kakophonie, die heute herrscht, in der nicht mehr Fakten, sondern Meinungen gelten und die Rücksichtslosigkeit in der Kommunikation immer weiter zunimmt, bestimmte Standards des Umgangs der Menschen miteinander zu pflegen. Dass sie bei uns auch an eine Transzendenz angebunden sind, nimmt der Zuschauer wahr, der genauso denkt, oder er nimmt es nicht wahr. In der heutigen Situation, in der die Einschaltquote teils zur Monstranz wird, wäre es schade, wenn es unsere Art Geschichten zu erzählen nicht mehr am Markt gäbe.

Bach - Ein Weihnachtswunder
Verena Altenberger spielt Bachs Frau (Credit: ARD Degeto Film/MDR/BR/ORF/EIKON Media/epo Film/Ricardo Gstrein)

Wie ist die Auftragslage für Eikon Media? Es ist ein generelles herausforderndes Jahr für alle Produzentinnen und Produzenten – und es wird erst einmal nicht leichter.

Ernst Ludwig Ganzert: Wir haben einige Projekte für kommendes Jahr, aber noch nicht genug. Ich glaube jedoch, dass niemand genug hat, weil alle auf die Bremse treten: Die Sender, die Auftraggeber und anderen Partner. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben schon im vergangenen Jahr damit begonnen, etwas verhaltener zu planen, weil nicht klar war, wie die Rundfunkbeitragsdiskussion ausgeht. Jetzt ist klar, dass es erst einmal keine Erhöhung geben wird, was nicht gut ist. Es gibt die Auflösung der Regierungskoalition und Neuwahlen. Die drei Säulen der Filmförderreform werden nicht zum 1. Januar kommen, wie wir uns das erhofft hatten. Wir werden weiter damit kämpfen müssen, mit Produktionen wie „Bach“ in andere Länder gehen zu müssen, um die Finanzierung zu sichern. Das von einem Kollegen geprägte Schlagwort heißt jetzt: „Survive Twenty-Five“. Man darf sich keine Illusionen machen. 2025 wird ein Jahr, in dem alle froh sein können, wenn sie mit einem blauen Auge rauskommen. Man kann nur hoffen, dass wir mit einer neuen Regierung wieder auf Augenhöhe mit Österreich kommen, wo alle aktuell gut gelaunt sind. 

Mario Krebs: Wir beobachten die Marktsituation sehr gut und sehen, dass sich die Streamer etwas aus dem Markt zurückziehen. Unsere Kompetenz ist aber nicht nur der der Familienfilm, sondern auch der Polit-Thriller, Krimi und Action, zum Beispiel unser Projekt „Das zweite Attentat“, das wir ebenfalls in 2024 mit dem WDR und der ARD Degeto als Partner gedreht haben. Auch da gibt es inhaltlich einen gewissen Anspruch, der sich mit dem Programmversprechen, das die Streamer an ihr Publikum geben, zusammenfügt. Da war uns bisher das öffentlich-rechtliche Fernsehen näher. Bei der neuen Miniserie „Das zweite Attentat“ kommt weniger als die Hälfte des über 10 Millionen hohen Budgets von der ARD. Wir gingen über Förderungen in Deutschland und anderen Ländern und haben mit internationalen Co-Produzenten gearbeitet. Gleichzeitig ist es eine Illusion zu denken, dass Länder wie Frankreich, Belgien oder die Niederlande nur auf uns warten würden, denn die wollen erst einmal ihre eigenen kreative Kräfte unterstützen. Für uns als kleine Mittelständer ist es schon eine Herausforderung, in solch einer Marktsituation zu agieren. Wir machen als Auftragsproduktionen Formate wie den „Dänemark-Krimi“ weiter, wir machen einen weiteren „Polizeiruf 110“-Film, haben im Sommer eine schöne Komödie im WDR mit unserem „Bach“-Autoren und sind auch bei weiteren Projekten im Gespräch mit den Sendern.

Ihre Polit-Thriller-Serie „Das zweite Attentat“ ist über drei Länder hinweg erzählt. Was erwartet dort genauer das Publikum?

Mario Krebs: Es ist die Geschichte eines Sohnes, der nach 20 Jahren im Zeugenschutzprogramm in Athen feststellen muss, dass alles, was er über den Tod seines Vaters und seiner Schwester erfuhr, nicht stimmt. Beide wurden bei einem Angriff auf die Familie getötet. Im Nachlass seiner Mutter findet der Sohn Hinweise, dass das Leben des Vaters ganz anders gewesen sein muss. Bei der Recherche kommt immer mehr heraus, dass der Vater als Scharfschütze des BND eine Aktion im Irakkrieg 2023 abgesichert hat, die schief ging. Die Hauptrollen spielen Noah Saavedra, Daniel Lommatzsch, Jakob Diehl, Deleila Piasko und Désirée Nosbusch. Großes Kino. An dem Projekt sind wir seit fünf Jahren dran. Beim Dreh gab es die Herausforderung, wo wir Irak, Jordanien, Bosnien drehen, wo der Vater des Protagonisten als Bundeswehrsoldat im Einsatz war. Wir drehten letztlich auch aus finanziellen Gründen vieles in Athen. Ich stand am Set mit der wunderbaren Barbara Eder, die das Projekt großartig als Regisseurin gestaltete, während Ernst uns als Produzent vor allem auch bei der Finanzierung und im Legal-Bereich sehr gut den Rücken freihielt. Es ist eine Koproduktion mit WDR und ARD Degeto und wir wurden maßgeblich vom GMPF, der Film- und Medienstiftung NRW, dem Luxemburg Film Fund und der griechischen EKOME unterstützt. Es gab darüber hinaus ein großes Investment durch One Gate Media und Bravado Media, die sich gemeinsam um den internationalen Vertrieb unserer Serie kümmern.

Ernst Ludwig Ganzert: Die Zusammenarbeit zwischen Mario und mir hat auch schon bei früheren Projekten in der jeweiligen Expertise sehr gut zusammengewirkt. Das hat sich bei „Bach – Ein Weihnachtswunder“ und „Das zweite Attentat“ auch wieder bewährt. Wir haben bei Eikon Media zudem eine neue Generation von Produzentinnen und Produzenten, die mit uns fiktional und non-fiktional zusammenarbeitet. Ich habe die Arbeit bei der Eikon in den 20 Jahren, die ich das jetzt schon begleiten darf, immer als Privileg empfunden. sowohl was meine Kollegen im Unternehmen als auch die Kreativen angeht, mit denen wir unsere Projekte umsetzen. Das hat mit der speziellen Konstellation und mit unserem und dem inhaltlichen Anspruch unserer Gesellschafter zu tun. Das dürfte in dieser Form auf dem Markt singulär sein. Natürlich müssen auch wir ausreichend Geld verdienen, um unsere Mitarbeiter und die Miete zu bezahlen. Aber es gibt bei uns keinen großen Konzern im Hintergrund, der überzogene Umsatzrenditen erwartet. Eher können wir auch einmal in ein Projekt investieren, das wirtschaftlich herausfordernd ist, wenn wir inhaltlich davon überzeugt sind. Das hilft uns bei der Arbeit und macht uns auch für Kreative interessant, weil sie wissen, dass sich bei uns alle Produzenten persönlich und mit großer Leidenschaft um ihre Projekte bemühen. In der eher schwierigen Marktsituation, mit der wir aktuell umgehen müssen, empfinde ich das als positive Botschaft.

Das Interview führte Michael Müller