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KINO KINO KINO (#09): Diesmal mit Dietrich Brüggemann


Ein Leben ohne Kino ist möglich, aber nicht erstrebenswert. Mit unserem SPOT-Fragebogen KINO KINO KINO hören wir uns bei Filmemachern um, was ihre bleibenden Kinoerlebnisse waren. Hier antwortet Dietrich Brüggemann, dessen „Home Entertainment“ Weltpremiere in der Reihe Neues Deutsches Kino des 42. Filmfest München feiert.

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Dietrich Brüggemann mit „Brazil“, „Manche mögen’s heiß“ und seinem eigenen Film, „Home Entertainment“ (Credit: privat, IMAGO / Allstar, IMAGO / Cinema Publishers Collection, Filmfest München)

Können Sie sich an Ihren ersten Kinobesuch erinnern? Was? Wann? Wo? Wie?

Dietrich Brüggemann: Ich glaube, das war das „Dschungelbuch“. Es muss irgendwann im 20. Jahrhundert in München gewesen sein. Ich war sehr klein und sehr beeindruckt. 

Gibt es einen besonderen Kinobesuch, den Sie als bleibend bezeichnen würden?

Dietrich Brüggemann: Ein Abend im Lichtblick Kino in Berlin, das hat nur ungefähr 36 Plätze, und da lief mal „Der Würgeengel“ von Luis Bunuel, aber irgendwas an der Tonanlage war kaputt. Nachdem der Vorführer eine Dreiviertelstunde lang mit der Technik gekämpft hatte, gab es Geld zurück und man konnte gehen. Man konnte aber auch bleiben. Ich blieb. Zum letzten Akt war der Ton dann endgültig nicht mehr zu retten, also stellte der Vorführer sich in den Saal und erzählte, was im Film passierte. (Jahre später stellte sich heraus, dass dieser Vorführer Torsten Frehse gewesen war, der Chef des Verleihs Neue Visionen.)

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Jim Broadbent und Katherine Helmond in „Brazil“ von Terry Gilliam (Credit: IMAGO / Allstar)

Gibt es einen Film, der Sie dazu bewegt hat, selbst Filmemacher werden zu wollen?

Dietrich Brüggemann: In meiner Zivildienstzeit gab es an der Regensburger Uni eine studentische Initiative, die jeden Freitag in einem Mehrzweck-Theatersaal Filme zeigte (und zwar als richtige 35mm-Kopie). Da lief eines Tages Terry Gilliams „Brazil“, und danach war die Welt für mich nicht mehr so, wie davor.

Ihr schönster Kinobesuch?

Dietrich Brüggemann: 2009 war ich mit meiner Schwester auf einem Deutsche-Filme-Festival in Nantes. Wir hatten einen Vormittag nichts zu tun und dachten uns: Schauen wir uns doch mal „Die Welle“ an. Der lief nämlich auf diesem Festival. Also gingen wir zur angegebenen Zeit ins Kino und liefen dort einfach einer Schulklasse hinterher, weil wir dachten, die werden jetzt schon in „Die Welle“ gehen. Als das Licht im Saal ausging, lief dann aber nicht „Die Welle“, sondern „Manche mögen’s heiß“. Der wird in Frankreich Schülern gezeigt, damit sie mal sehen, was ein guter Film ist. 

Können Sie sich an einen Kinobesuch erinnern, der Ihnen auf besondere Weise verleidet wurde?

Dietrich Brüggemann: 1999 war ich Vorführer in einem Multiplex in München. Die Arbeit selbst mochte ich gern, aber das Betriebsklima war unerfreulich, und als mir am Ende die Probezeit nicht verlängert wurde, war ich insgeheim ganz erleichtert. Das war quasi ein neunmonatiger Kinobesuch, bei dem ich froh bin, dass er vorbei ist. 

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?

Dietrich Brüggemann: „No Country For Old Men“. Aber nicht damals, als er rauskam, sondern kürzlich in der 35mm-Reihe in den Hackeschen Höfen in Berlin.

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Jack Lemmon und Marilyn Monroe in „Manche mögen’s heiß“ (Credit: IMAGO / Cinema Publishers Collection)

Welchen Film haben Sie am öftesten gesehen?

Dietrich Brüggemann: Das wird vermutlich der oben erwähnte „Brazil“ gewesen sein. Oder natürlich meine eigenen, denn wenn man einen Film macht, dann sieht man ihn zwangsläufig sehr oft, aber das zählt irgendwie nicht – man sieht den Film sehr oft und kann es doch nicht erwarten, ihn mit Publikum zu sehen. 

Gibt es ein Guilty-Pleasure?

Dietrich Brüggemann: Das Kino kam als „Guilty Pleasure“ in die Welt, als billige Belustigung auf Jahrmärkten, und ich finde, im Kino kann die Pleasure gar nicht guilty genug sein. Alles, was Spaß macht, ist auch irgendwie „guilty.

Welchen Film Ihres Lieblingsregisseurs mögen Sie überhaupt nicht?

Dietrich Brüggemann: Um Lieblingsregisseur zu werden, reicht bei mir ein einziger Film. Und leider bleibt es oft dabei. „Wild Tales“ von Damián Szifron aus dem Jahr 2014 ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe – aber was hat der Mann seitdem gemacht? Ich finde in der IMDB einen offenbar soliden Thriller von 2023. Wo bleibt die Weltkarriere? Woran liegt es, dass ich in den letzten elf Jahren nicht fünf tolle Filme von ihm gesehen habe?

Auf welchen Kinofilm freuen Sie sich besonders?

Dietrich Brüggemann: Auf den nächsten tollen Film von Damián Szifron. 

Gibt es eine besondere Filmentdeckung, die Sie in jüngster Zeit gemacht haben?

Dietrich Brüggemann: Ich entdecke gerade Werner Herzog, aber als Schriftsteller. „Eroberung des Nutzlosen“, sein Tagebuch aus der Entstehungszeit von „Fitzcarraldo“, ist das beste Buch, das ich seit längerer Zeit gelesen habe.

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Dietrich Brüggemann zeigt „Home Entertainment“ (Credit: Filmfest München 2025)

Gibt es einen Filmklassiker, den Sie bis heute nicht gesehen haben, den Sie aber unbedingt sehen wollen?

Dietrich Brüggemann: Mehr, als ich mich öffentlich zu sagen traue. Beispielsweise „Der Pate II“ und „Der weiße Hai“. 

Gibt es einen Filmklassiker, den Sie gerne selbst gemacht hätten?

Dietrich Brüggemann: Alle! Aber vor allem „Der Pate II“ und „Der weiße Hai“.

Warum muss man Ihren aktuellen/neuen/jüngsten Film unbedingt im Kino sehen?

Dietrich Brüggemann: „Home Entertainment“ ist vielleicht der erste Film überhaupt, der vom Filmegucken handelt. Ein Paar sitzt den ganzen Abend auf dem Sofa, will einen Film anschauen und kann sich nicht entscheiden. Dieser Stoff ist überlebensgroß, und deswegen gehört er auf die große Leinwand. Außerdem würde man sonst, wenn man ihn zuhause anschauen würde, sich quasi selber zuschauen, und das wäre sehr seltsam. 

Was soll Ihr nächster Film werden?

Dietrich Brüggemann: Ich schreibe gerade einen Horrorfilm, der ausschließlich in einem Campingzelt spielt. Und ich will seit Jahren Goethes „Faust 1“ als Science-Fiction-Film in einem futuristischen Berlin des Jahres 2100 verfilmen. Ersteres kostet fast nichts, letzteres könnte sehr teuer werden. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es noch zahlreiche weitere Projekte. Wer sich beteiligen will, möge mir schreiben. 

Kino bedeutet für Sie…

Dietrich Brüggemann: Das beste aus allen Welten und dazu noch aus Welten, die es gar nicht gibt.