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Jonas Egert über „Ping Pong Paradise“: „Ein kleiner Ball ganz groß“


Mit seinem Dokumentarfilm „Ping Pong Paradise“, der gleichzeitig auch sein Abschlussfilm von der HFF München ist, feierte Jonas Egert auf dem 40. DOK.fest München Weltpremiere. Wir wollten wissen, woher die Liebe für Tischtennis kommt und was er als Producer bei der if… Productions gelernt hat.

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Jonas Egert: Sein „Ping Pong Paradise“ hat mit Cine Global einen Verleih gefunden (Credit: madfilms)

Sie tauchen in Ihrem Abschlussfilm ein in die Welt des Tischtennis-Sports. Gibt es da selbst eine Affinität? Wie kommt man da drauf?

Jonas Egert: Eine Affinität gab es auf jeden Fall, aber rein hobbymäßig draußen an der Steinplatte. Ich war 2022 auf der Suche nach einer Geschichte für meinen Abschlussfilm an der HFF München, als mir mein Mentor und Freund, der Dokumentarfilm-Regisseur Jörg Adolph, einen SZ-Artikel zum Transfer-Coup des TTC Neu-Ulm schickte. Ich bin also nach Neu-Ulm gefahren und habe den Gründer Florian Ebner und Trainer Dmitrij Mazunov kennengelernt. Was mich an dem Verein ursprünglich interessierte war nicht unbedingt der Sport an sich. Ich fand es eher spannend auf einer menschlichen Ebene in diese Nische einzutauchen und zu beobachten, wie sich die Beteiligten durch diese einzigartige Saison manövrieren würden. Es war mir ziemlich früh klar, dass das eine spannende Erzählung werden könnte – dass es so ausgeht, wie es am Ende eben ausgeht, hätte ich aber natürlich nicht ahnen können. Und inzwischen schaue ich mir natürlich jedes internationale Turnier an, der Sport hat mich total angefixt. 

Ihr Dokumentarfilm ist beobachtend. Waren das Konzept, Dreh und erzählerischer Ansatz schnell gefunden? Wie war die Annäherung?

Jonas Egert: Als großer Fan des Direct Cinema, also des rein beobachtenden Drehens, ohne Inszenierung, gesetzte Interviews oder einen auktorialen Off-Erzähler, fiel die Entscheidung für diesen Stoff auch schon von der Form wegen leicht. Denn so eine Saison folgt ja an sich schon klaren dramaturgischen Regeln, die es für die Fans des Sports spannend machen soll. Wir wussten also, dass es hier in kurzer Zeit viel zu beobachten geben würde und mich hat interessiert, wie die Spieler und Trainer untereinander sind, was sie beschäftigt: Welche Fragen stellen sie sich gegenseitig? Welche Fragen und Kommentare werden von außen reingegeben? Was sind die Routinen in dieser sehr spezifischen Arbeitswelt? Das immersive Eintauchen in dieses Sport- und Vereinsleben war für mich also nur so möglich: durch das bedingungslose und konsequente Mitlaufen, Beobachten und Zuhören. Meine eigenen Fragen habe ich vor und nach den Dreharbeiten gestellt, um die Orientierung nicht zu verlieren.

„Ping Pong Paradise“ ist nicht nur Ihr Abschlussfilm von der HFF München, sondern auch Ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm. Was hat Sie bei der Arbeit überrascht? Welche Prozesse waren die herausforderndsten?

Jonas Egert: Die größte Herausforderung war das Treffen von Entscheidungen für und gegen Erzählstränge, Figuren, Themen im Schnitt. Denn so eine Saison (gedreht über 60 Drehtage) mit viel Personal und diversen Wettbewerben enthält wirklich viel Stoff – wir haben da in eine Menge Leben tiefe Einblicke erhalten und ganz nebenbei noch den Niedergang eines Vereins dokumentiert. Dabei haben mir die Editorin Anja Pohl und Jörg Adolph, der uns auch beim Schnitt unterstützt hat, sehr geholfen und dienten auch als Korrektiv für meinen Blick, der ja sehr vom Dreh geprägt war. Überrascht hat mich das zwar nicht, aber dieser Prozess braucht schon sehr viel Zeit und fühlt sich in etwa so an wie das Schreiben eines Drehbuchs, bei dem man die Szenen schon gedreht hat.

Wie geht es mit der von Ihnen und Sylvain Cruiziat gegründeten Firma madfilms weiter? Gibt es bereits neue Projekte in Entwicklung?

Jonas Egert: madfilms produziert als nächstes den Kurzfilm „Vaterland“ (AT) von Berthold Wahjudi, der sein Abschlussfilm an der HFF München sein wird. Der Ende 20-jährige deutsch-indonesische Yanto durchlebt darin in vier Kapiteln verschiedene Formen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung anhand von Nationalität, aber mit einem sehr humorvollen Blick des Regisseurs. Berthold hat mit dem Film sowohl bei der Berlinale Short Form Station, als auch beim European Short Pitch teilgenommen, seit letzter Woche ist er FFF gefördert und der BR koproduziert diese internationale Koproduktion mit Indonesien (Annisa Adjam).

Sie sind auch Producer bei Ingo Fliess‘ if… Productions. Was haben Sie bei ihm bislang gelernt?

Jonas Egert: Das würde dieses Gespräch hier womöglich sprengen. Aber wenn ich mich auf eine Sache reduzieren müsste, wäre es das Bewusstsein darüber, die Haltung und Ideen der Autor*innen und Regisseur*innen wie einen Schatz zu beschützen, gemeinsam und in großem Vertrauen daran zu schleifen (dabei auch Uneinigkeit auszuhalten) und sich selbst als konstruktiver Vermittler zwischen der Idee und den Partnern (Förderern, Sender, Verleiher etc.) zu verstehen. Und vielleicht noch eine Sache: dass es immer einfach ist, gemeinsam Erfolge zu feiern, eine langjährige Zusammenarbeit aber erst durch das gemeinsame Verkraften von Misserfolgen möglich wird.

Ihr Film feierte beim DOK.fest München Weltpremiere. Wie haben Sie die erlebt? 

Jonas Egert: Die Premiere war sehr schön, wir waren im Rio 1, ein großes Kino, vor dem ich etwas Respekt hatte. Aber der Film liebt die Leinwand und den Ton – ein kleiner Ball ganz groß. Und dann sind in München, wo ich seit zehn Jahren lebe, natürlich viele Freunde und Branchenkolleg*innen gekommen, mit denen wir im Anschluss noch etwas feiern konnten. Wir haben noch zwei Screenings in der HFF offen (Do. 18:00 Uhr und Sa. 14:00 Uhr), können aber auch mit großer Freude verkünden, dass der Münchner Verleih Cine Global den Film 2026 in die Kinos bringen wird!

Die Fragen stellte Barbara Schuster