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Gareth Edwards über „Jurassic World – Die Wiedergeburt“: „Ein verrückter Traum“


Der Brite Gareth Edwards ist der einzige Regisseur, der von sich behaupten kann, einen „Godzilla“-, einen „Star Wars“- und einen „Jurassic World“-Film gedreht zu haben. Dass sich das für ihn völlig unrealistisch anfühlt, bekräftigt er im Interview, das er THE SPOT am Rand der Deutschlandpremiere von „Jurassic World – Die Wiedergeburt“ in Berlin gab.

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Gareth Edwards bei mDreh von „Jurassic World – Die Wiedergeburt“ (Credit: UPI)

Sie haben aus Ihrer Bewunderung für Steven Spielberg nie ein Hehl gemacht, haben auch gesagt, Ihr „Jurassic World – Die Wiedergeburt“ sei eine Verbeugung vor dem originalen „Jurassic Park“. Wie viel Steven Spielberg steckt in Ihrem Film – und wie viel Gareth Edwards?

Gareth Edwards: Selbst wenn ich alles geben würde, eine perfekte Nachahmung von Steven Spielberg hinzubekommen, wenn ich meine allerbeste Arbeit abliefern würde, um Spielberg zu entsprechen, würde ich kläglich scheitern, würde ich versagen, würde man meine DNS in jedem Bild sehen. Also muss ich wohl oder übel sagen: Da steckt ganz viel Gareth Edwards in dem Film. Man kann sich selbst nicht entkommen. Ich glaube nicht wirklich, dass ich einen bestimmten Stil habe, aber je mehr Filme ich mache, desto mehr stellt man fest, dass es gewisse rote Fäden gibt, Ähnlichkeiten. Bei diesem Film war es mir ein Anliegen, ihm ein schlagendes Herz zu geben. Ich habe einen naturalistischen Ansatz gewählt, bin mit der Kamera mitten reingegangen, habe lange Takes gedreht, um ein Maß an Spontaneität zu erzielen. Das war mir wichtig. Aber man muss aufpassen, die Zügel nicht aus der Hand zu geben. Der Film benötigt Tempo, im Zweifelsfall erledigt man das im Schneideraum, und dann hat man nicht viel davon, den Darstellenden mehr Raum gegeben zu haben als der Film verträgt. 

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Deutschlandpremiere von „Jurassic World – Die Wiedergeburt“: Gareth Edwards (2.v.l.) mit den Stars seines Films (Credit: Sebastian Gabsch / UPI)

Konnten Sie wenigstens ein bisschen was entsprechend umsetzen?

Gareth Edwards: Ungefähr nach der Hälfte des Drehs plauderte ich ein bisschen mit unserem Grip, einer der besten seines Fachs, hat schon mit allen gearbeitet, Ridley Scott und und und. Ich fragte ihn, was die komplizierteste Einstellung war, die er jemals hinbekommen musste. Er sah mich an und sagte: Vor ein paar Wochen, die Szene im Museum… Ich war verblüfft und meinte: Echt jetzt, wie denn das? Er antwortete, dass es schwierig sein könne, wenn man die Kamera von Markierung 1 zu Markierung 2 bewegen müsse. Diese Einstellung hätte 19 Markierungen gehabt und fünf Minuten gedauert. Ich nickte und sagte: Achso… Ich hatte das nicht so gesehen. Es war mir nur darum gegangen, effizient und schnell zu sein, weil wir so wenig Zeit hatten. 

„,Jurassic Park’ ist unberührbar, ein perfekter Film. ABER…“

Man sieht dem Film seine Ambition an, die einzelnen Setpieces sind stimmig. Hut ab also. Was man nicht so leicht hinbekommt ist dieses Gefühl des Staunen, das sich unweigerlich bei „Jurassic Park“ einstellte: Wir waren die Ersten, die so etwas sahen!

Gareth Edwards: Aufzählen zu wollen, was „Jurassic Park“ so fantastisch macht, würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Ich könnte den ganzen Tag schwärmen und wäre immer noch nicht fertig. Aber hier ist die Top 3, das Offensichtliche. Das Konzept. Wenn man das hört, ohrfeigt man sich und sagt: Fuck, das hätte mir auch einfallen können. Steven Spielberg auf der Höhe seiner Kunst, in dem Jahr, in dem er auch „Schindlers Liste“ gemacht hat – in der Tat hat er „Jurassic Park“ während des Drehs von „Schindlers Liste“ geschnitten. Der Einsatz von CGI. Das hat das Kino für immer verändert. Zum ersten Mal hatte man den Eindruck, echte Dinosaurier auf der Leinwand zu sehen. Nimmt das zusammen, steht man vor einem Monolithen. „Jurassic Park“ ist unberührbar, ein perfekter Film. ABER… 

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Gareth Edwards bei der Deutschlandpremiere von „Jurassic World – Die Wiedergeburt“ in Berlin (Credit: UPI)

Aber?

Gareth Edwards: Aber! Was ich hinbekommen wollte, war Folgendes. Ich wollte den Film so machen, als wäre es nicht ein Film von heute, der in Konkurrenz mit den sechs bereits gedrehten „Jurassic“-Filmen tritt, sondern als hätten wir ihn damals gedreht, während Steven Spielberg „Jurassic Park“ machte. Und weil er schneller fertig und das Ergebnis so gut war, hat man unseren Film erst einmal weggesperrt, nur um 32 Jahre später zu entdecken: Der ist gar nicht so schlecht. Das war die Idee…

Man vergisst, dass „Jurassic Park“ 1993 eine Art Comeback war für Steven Spielberg, eine Rückkehr zu alter Form, alten Tugenden, nachdem er Jahre lang allzu zuckersüße Filme gemacht hatte, „Always“, „Hook“… Man hatte ihm einen Film wie „Jurassic Park“ nicht mehr zugetraut. 

Gareth Edwards: Mir gibt das Hoffnung, wenn man sich das Schaffen einiger der größten Filmemacher ansieht, wie sie nach ihren großartigen ersten Arbeiten in einer Sackgasse feststecken und dann auf einmal die Kurve kriegen, weil sie zu erkennen scheinen, dass die Arbeit selbst die Belohnung ist. Erst einmal muss ich sagen, dass ich mich niemals mit den Großen vergleichen würde, dafür bin ich viel zu sehr Fanboy. Aber ich schöpfe einen gewissen Mut aus dieser Betrachtung, dass man sich an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf ziehen kann, wenn man einmal feststeckt. Es ist nicht vorbei, wenn man zu den Arrivierten gehört. Ridley Scott? Großer Anfang mit „Alien“ und „Blade Runner“, dann eine Zeit des Durchhängens und auf einmal, peng, „Gladiator“. Spielberg, wie Sie sagen. Es ist tröstlich, dass man es als Filmemacher in der Hand hat zu sagen: Das ist die Richtung, in die ich gehen will, das will ich ausprobieren – und doch nicht zu vergessen, was einen ursprünglich gut gemacht hat. Am allerbesten: Hitchcock. Seine allerbesten Filme hat er im letzten Drittel seiner Karriere gemacht.

„Dass ich jetzt einen ,Jurassic World’-Film gemacht habe, ergibt für mich keinen Sinn. Das ist nicht echt, es ist ein Teil der ,Matrix’.“

Wie sieht es bei Ihnen aus? Wie betrachten Sie den Gareth Edwards, der vor 15 Jahren „Monsters“ gemacht, ohne Budget, auf dem Sofa in seiner kleinen Wohnung?

Gareth Edwards: Er ist mein Zwillingsbruder. Ich kann nicht erkennen, dass ich mich in irgendeiner Form weiterentwickelt habe. Ich hatte nur viel Glück und kann mit ungleich höheren Budgets das machen, was ich liebe. Es ist doch verrückt! Ich erinnere mich, dass wir uns ziemlich am Ende des Drehs von „Monsters“, ein wirklich kleiner Film mit einem Budget von weniger als 500.000 Dollar, ansahen und Scoot McNairy, mein Hauptdarsteller, fragte: Was muss passieren, damit Du den Eindruck hast, dieser Film habe sich für Dich gelohnt? Es war ein harter Dreh, wir konnten uns NICHTS leisten. Ich sagte zu ihm: Wenn mir aufgrund dieses Films anbieten würde, eine Episode von „Dr. Who“ drehen zu dürfen, dann wäre es die Mühen Wert gewesen. Und ich bin noch nicht einmal ein großer Fan von „Dr. Who“! Aber das war das Maximum meiner Träume, und selbst diese Idee war eine Fantasterei, völlig unrealistisch. Wenn mir damals jemals gesagt hätte, jetzt klopfen dann gleich Warner Bros. an und fragen Dich, ob Du „Godzilla“ machen willst, und dann könntest Du einen „Star Wars“-Film für Disney drehen, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Dass ich jetzt einen „Jurassic World“-Film gemacht habe, ergibt für mich keinen Sinn. Das ist nicht echt, es ist ein Teil der „Matrix“.

Und dennoch…

Gareth Edwards: Ich bin sehr stolz auf „Monsters“, war es auch damals schon. Ich wusste: Der hat etwas. Er war so gut, fand ich, dass ich es mir leisten konnte zu träumen. Was wäre, wenn… Und dann kam „District 9“ von Neill Blomkamp, der offenbar die gleiche Idee gehabt hatte wie ich in Südafrika und unfassbar viel talentierter ist als ich… Und das nahm mir erst einmal allen Wind aus den Segeln, weil es „District 9“ war und nicht mein kleiner „Monsters“, der die Welt eroberte. Da war ein kurzer Moment absoluter Hoffnungslosigkeit. So kurz vor dem Ziel und dann… Peng, alles vorbei. Wenn sich nicht tatsächlich aus dem Nichts „Godzilla“ ergeben hätte, weiß ich nicht, was aus mir geworden wäre. Ich stand vor dem Nichts. 

Nicht mehr…

Gareth Edwards: Nicht mehr, stimmt… Aber verrückt ist es trotzdem. Ein verrückter Traum.

Das Gespräch führte Thomas Schultze.