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Filmemacher Bertie Gregory zu „Die geheimnisvolle Welt der Pinguine“: „Wir drehten bei minus 54 Grad“


Anlässlich des Earth Day startet heute bei Disney+ sowie dem Fernsehkanal National Geographic Wild der Dreiteiler „Die geheimnisvolle Welt der Pinguine“, produziert von James Cameron. Wir haben die Gelegenheit genutzt, uns mit Filmemacher Bertie Gregory, populär dank „Tiere hautnah mit Bertie Gregory“, über die Ausnahmedoku zu unterhalten.

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Bertie Gregory, Filmemacher von „Die geheimnisvolle Welt der Pinguine“ (Credit: National Geographic/Zubin Sarosh)

Dokus über Pinguine kennt man schon – „Die Reise der Pinguine“ war ein Millionenerfolg in den deutschen Kinos. Was macht „Die geheimnisvolle Welt der Pinguine“ besonders, was können Sie zeigen, was man nicht bereits gesehen hat?

Bertie Gregory: Als man mich fragte, ob ich Teil des Projekts werden wollte, hatte ich erst einmal Sorge, weil Pinguine so oft schon nicht nur gefilmt, sondern auch spektakulär gefilmt worden waren. Den bekanntesten Film haben Sie gerade genannt. Erschwerend kommt dazu, und dafür konnte ich aus erster Hand garantieren, dass sie an unwirtlichen Orten leben, wo das Filmen kein Zuckerschlecken ist. Es ist kalt, man kommt nicht gut hin, die Logistik ist ein Albtraum. Ich war also besorgt. Aber dann konnte ich mich doch dafür erwärmen, weil man uns im Grunde keine zeitlichen Einschränkungen gab. Wir konnten so lange filmen, bis wir wirklich so viel einzigartiges Material hatten, dass wir guten Gewissens sagen konnten: So etwas hat man noch nie gesehen. 

Wie lange konnten Sie denn drehen?

Bertie Gregory: Wir hatten mehr als zwei Jahre. Wenn man die nötige Zeit ungestört in der Natur verbringen kann, dann wird man auch die Aufnahmen bekommen, die man sich erträumt. Dann kommt man dem Verhalten der Pinguine auf die Spur, dann deckt man ihre Geheimnisse auf. Wenn Sie also fragen, was die Serie besonders macht, dann ist es genau das: die Menge an Aufnahmen, wie man sie noch nie davor gesehen hat: Pinguine, die aus 17 Meter Höhe von einer Eisklippe ins Meer springen, die Fische von riesigen Pelikanen stehlen und und und.

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„Die geheimnisvolle Welt der Pinguine“ (Credit: National Geographic/Bertie Gregory)

Wenn man mit einer Naturdoku beginnt, kann man nie wissen, was man am Ende haben wird. Wann war Ihnen bewusst, dass sie auf dem richtigen Weg waren?

Bertie Gregory: Bevor wir überhaupt mit dem Dreh begannen, stellten wir umfassende Recherchen an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wann wir wo sein mussten, um den besagten Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Sie haben Recht: Pinguine lesen keine Drehbücher, was unheimlich nervt. Aber das hat auch seine guten Seiten: Vielleicht bekommt man nicht immer das, was man erwartet. Aber oft ist das Unerwartete noch viel besser. Uns war es ein Anliegen, einerseits ein Programm zu produzieren, in dem man viel über Pinguine und die besonderen Herausforderungen dieser Tierart erfährt, andererseits aber auch Material zu präsentieren, das einen emotional berührt. Das Leben von Pinguinen kann eine echte Achterbahnfahrt sein, voller dramatischer und verrückter Höhepunkte. Das bringen wir gut rüber, denke ich.

„Als wir fertig waren, hatten wir mehrere hundert Stunden Filmmaterial im Kasten.“

Wie viel Material haben Sie gedreht, wie sind Sie ihm Herr geworden?

Bertie Gregory: Als wir fertig waren, hatten wir mehrere hundert Stunden Filmmaterial im Kasten. Unser Fokus lag gewiss auf den Aufnahmen mit Verhalten, wie man es noch nie gesehen hat. Wir wollten einen Einblick geben, wie sich das Leben eines einzelnen Pinguins wirklich anfühlt. Also gab es eine Handvoll von Pinguinen, auf denen unser besonderes Augenmerk lag. Das ist schon interessant, wenn man merkt, dass sie alle verschieden sind, regelrecht eigene Persönlichkeiten haben. Das hat obendrein die erfreuliche Nebenwirkung, dass man als Zuschauer eine emotionale Bindung aufbaut. 

Was waren die besonderen Herausforderungen während des Drehs?

Bertie Gregory: Wie Sie sich denken können, ist es in der Antarktis arschkalt. Das ist nicht nur anstrengend und fordernd, sondern stellt einen auch technisch unentwegt vor Aufgaben. Unser kältester Tag war minus 54 Grad. Es gibt kalt, und dann gibt es Wahnsinn. Minus 54 Grad ist Wahnsinn hoch zwei. Wir mussten konstant überprüfen, ob die Kameras noch funktionierten – und ob wir Menschen noch funktionierten. Bei den Kameras war es so, dass wir vor der Produktion zuhause in Großbritannien entsprechende Tests angestellt hatten und versuchten herauszufinden, was die Belastungsknackpunkte sind und was entsprechende Lösungen für etwaige Probleme sein könnten. Und dann mussten wir herausfinden, wie wir uns warm genug halten konnten. Als erstes frieren die Hände und Füße ab, also kamen erwärmte Handschuhe zum Einsatz, die man in die Kamera einstöpseln konnte, wo sie von der Batterie gespeist wurden. Das war auch deshalb praktisch, weil man auf diese Weise viel dünnere Handschuhe verwenden konnte, was den Umgang mit den Kameras und den Drohnen vereinfachte. 

Wo haben Sie während des Drehs gelebt?

Bertie Gregory: Beim Dreh mit den Kaiserpinguinen haben wir ganz klassisch auf dem Eis gecampt, etwas mehr als einen Kilometer von der Pinguinkolonie entfernt. Als wir dort waren, war es gerade 24 Stunden am Tag hell. Wir konnten die Pinguine also den ganzen Tag über Sehen und Hören. Die einzige Einschränkung war die Müdigkeit: Wenn man schläft, kann man nicht drehen. Logisch. Nach den zweieinhalb Monaten dort fühlte ich mich, als wäre ich selbst bereits fast ein Pinguin. 

Gibt es eine besondere Erinnerung?

Bertie Gregory: An einem Tag erhielten wir Besuch von einem einzelnen Pinguin aus der Kolonie. Er hing den ganzen Tag bei uns im Lager herum, wollte gar nicht mehr gehen. Das war verrückt. Kaiserpinguine benehmen sich sehr königlich, sie sind sehr höflich und ruhig. Sie lassen sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen, auch von einem Filmteam nicht. Das übertrug sich auf das Team. Wir waren absolut tiefenentspannt. 

Das Gespräch führte Thomas Schultze.