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„Eindrucksvolle Bestätigung unserer Arbeit“


Zum zweiten Mal nach 2012 wurde die Schauburg Karlsruhe von der BKM mit dem Spitzenpreis für das beste Jahresfilmprogramm geehrt. Wir sprachen mit Herbert Born und seiner Tochter Saskia Fleischhauer über ein ganz besonderes Haus, Leidenschaft für analoges Abspiel, anstehende Jubiläen und die nächsten Pläne.

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Herbert Born und Saskia Fleischhauer auf der denkmalgeschützten Treppe im Foyer der Schauburg Karlsruhe (Credit: THE SPOT media & film)

Ein früher Samstagmittag Anfang November: Leicht diesig, aber doch mild – und vor allem trocken. Wahre Menschenmassen wälzen sich durch das Karlsruher Einkaufszentrum Ettlinger Tor, auf dem weiteren Weg in die Südstadt sieht man neben dem Kongresszentrum die Schlange vor der Zookasse (an der für „persönlichen Service“ gegenüber einer Online-Buchung übrigens ein Aufpreis verlangt wird…). Einkaufstag, Ausflugstag. Und Kinotag. Denn nicht nur ich habe mich an diesem Tag um kurz vor 12 in jenes Haus aufgemacht, das gerade zum zweiten Mal mit dem Spitzenpreis der BKM für das beste Jahresfilmprogramm ausgezeichnet wurde. Sondern auch zahlreiche Besucher. Läuft also? Ich traf Herbert Born und Saskia Fleischhauer zum Gespräch über einen von Deutschlands einzigartigen Kinojuwelen.

Herzlichen Glückwunsch noch einmal zum zweiten BKM-Spitzenpreis binnen 12 Jahren. Haben Sie eigentlich noch den Überblick, wie oft Ihr Haus schon auf Bundes- und Landesebene ausgezeichnet wurde?

Herbert Born: Seit ich das Kino 2005 übernommen habe, waren wir sowohl auf Landes- als auch Bundesebene jedes Jahr unter den Preisträgern, meist sogar im oberen Bereich. Von der MFG Baden-Württemberg wurden wir in der Vergangenheit schon zwei Mal mit dem Spitzenpreis geehrt – und jetzt auch zum zweiten Mal von der BKM. Das ist schon wirklich großartig, es ist eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Arbeit. Den „Kino-Champion“ des VdF gibt es ja leider nicht mehr, aber das war auch schön, 2008 explizit von den Verleihern gewürdigt zu werden.

Was ist an solchen Ehrungen – insbesondere jener für das Kino mit dem besten Programm der Republik – am Ende für Sie wichtiger? Die finanzielle Unterstützung oder das mediale Echo?

Herbert Born: Die Prämien nimmt man natürlich ausgesprochen gerne mit, gar keine Frage. Sie sind schließlich ein wichtiger Baustein in der Kinoförderung, auch wenn sie natürlich nur bedingt einplanbar sind – erst recht nicht der Höhe nach. Verwendung hat man immer, man steht ja nie still, sondern hat stets Pläne. Aber tatsächlich ist es der immaterielle Wert, sind es die Anerkennung und das Medienecho, die so einen Spitzenpreis zu etwas ganz Besonderem machen. Das hat schon Gewicht. 

Wie haben Sie den Abend der Verleihung denn erlebt?

Saskia Fleischhauer: Wir bewegen uns im Kreis toller und engagierter Kolleginnen und Kollegen – und auch wenn man vorher weiß, dass man zumindest irgendeinen der Preise erhält, wächst die Spannung dann doch von Minute zu Minute. Die Einblendungen zu den Preisen wandern ja doch recht schnell über die Leinwand und je weiter der Abend voranschreitet, desto mehr fragt man sich, ob man sich nicht vielleicht doch auf der Preisträgerkarte übersehen hat. Und dann gab es dieses Jahr noch die musikalische Pause vor dem Spitzenpreis, da stieg die Nervosität dann doch sehr – aber am Ende war es natürlich ganz wunderbar, auf die Bühne gerufen zu werden. 

Dass in der Schauburg „konsequent Arthouse gespielt“ werde, war laut dem Juryvorsitzenden Torsten Frehse einer der Gründe für die Auszeichnung. Wie sieht das in der Praxis aus? Wie definieren Sie Ihr Programm, wo ziehen Sie die Grenze?

Herbert Born: Natürlich fokussieren wir uns konsequent auf Filmkunst. Denn sie bildet die DNA dieses Hauses, seit die Schauburg im Jahr 1971 von unserem Vorgänger Georg Fricker, einem der Urgesteine der AG Kino, übernommen worden war. Karlsruhe ist auch ein gutes Pflaster für ein solches Angebot. Wir haben einen großen Campus, sehr viele Kunstinteressierte…

Überdurchschnittlich viele Beamte, die laut Programmkinostudie zu den eifrigsten Arthouse-Besuchern zählen…

Herbert Born: Ja, das ist wohl so. Wir haben ja eine Ermäßigung für Rentner – und den speziellen Pensionärsausweis sehen wir schon relativ oft… Aber zurück zur Programmauswahl: Im Prinzip ziehen wir keine Grenze. Man geht ja erst einmal davon aus, sein Publikum gut zu kennen und zu wissen, was es interessiert. Ich denke, wir haben da ein ganz gutes Händchen. Teilweise machen wir es auch an einzelnen Kreativen fest: Von Christopher Nolan zum Beispiel spielen wir natürlich jeden Film. Aber wo sind seine Werke zu verorten? Im Arthouse? Im Cross-Over-Bereich? Im Mainstream? Nolan selbst kümmern diese Grenzen nicht, warum sollten wir uns dann den Kopf darüber zerbrechen? Ein toller Film ist ein toller Film – und im Fall von Nolan winkt dann regelmäßig auch eine 70mm-Kopie, die zusätzliche Fans anzieht, die teils ein ordentliches Stück Weg auf sich nehmen.

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Die Schauburg in der Karlsruher Südstadt (Credit: Andrea Fabry)

Als 70mm-Abspielort ist die Schauburg geradezu legendär. Aber wie wichtig ist dieser Bereich innerhalb ihres Gesamtangebots denn tatsächlich?

Herbert Born: Ich halte ihn für ausgesprochen wichtig, denn es ist ein Bereich, mit dem wir uns über die Region hinaus profiliert haben. Zugegeben: Dahinter stecken auch viel persönliches Interesse und große Leidenschaft. Ich bin wirklich überzeugt, dass eine perfekte 70mm-Kopie auch in Zeiten von 4K, HFR und HDR noch immer ein einzigartiges, ein ganz besonderes Erlebnis bietet. Der Zuspruch gibt mir recht, unser Publikum teilt meine Leidenschaft offenbar. Hinzu kommt bei uns noch ein besonderes Alleinstellungsmerkmal.

Die gekrümmte Cinerama-Leinwand…

Herbert Born: Richtig. Es ist ja mittlerweile die einzige in Deutschland und eine der ganz wenigen in Europa, ehrlich gesagt würde mir nur noch das Pictureville Cinema im National Science and Media Museum in Bradford einfallen. Eigentlich ist das schade. Ich weiß noch genau, wie ich Georg Fricker 2004 zu ersten Übernahmegesprächen in der Schauburg traf und er mir „La Strada“ auf der Cinerama-Leinwand zeigte. Ich war nicht nur tief beeindruckt, sondern mir war klar, dass man das wirklich nach außen tragen und offensiv damit werben muss. Noch heute ziert der Begriff Cinerama jedes unserer Programmhefte. Aus gutem Grund. Denn analoge Projektion ist schon für sich genommen etwas Besonderes. Auf dieser Leinwand aber kommt sie noch einmal ganz anders zur Geltung. Das macht das analoge Abspiel für uns zum echten Standbein.

Haben Sie sich schon in die Technik hineingefuchst?

Saskia Fleischhauer: Ich kann mich noch erinnern, wie mir als ganz kleines Kind schon gezeigt wurde, wie man 35mm-Film korrekt einlegt, ich kam damals noch gar nicht wirklich an alle Teile des Projektors ran…  Die Grundzüge sind mir vertraut, aber ich würde nicht behaupten, dass ich es beherrsche. Denn analoges Abspiel – und insbesondere 70mm-Abspiel – ist etwas, das wirklich intensiv gelernt und geübt sein will. Insofern hat es einen doppelten Nutzen, dass wir bemüht sind, innerhalb unserer Filmreihen immer wieder analoge Vorstellungen auch in 35mm unterzubringen, wie aktuell in unserer Almodóvar-Reihe. Die Gäste schätzen es und unsere Mitarbeiter bleiben in der Technik fit.

Herbert Born: Es ist wirklich extrem aufwändig, es steckt eine Menge Know-How dahinter. Man bedient sich einer jahrzehntealten Technik, für die es kaum noch Ersatzteile gibt. Erst kürzlich haben wir uns Material besorgt und per Laser zuschneiden lassen, um selbst Teile für die Bildmaskierung zu erstellen. Wir sind gerade dabei, einen 70mm-Projektor komplett zu restaurieren, dafür muss man mehrere andere alte Geräte ausschlachten. Wie gesagt, das erfordert schon echte Leidenschaft – aber es wird honoriert. Nicht nur die 70mm-Vorführungen ziehen ein treues Publikum an, sondern auch jene in 35mm.

Ich erinnere mich noch genau an die BKM-Verleihung 2013, als Sie zum Einstieg den Anfang von „West Side Story“ in 70mm auf der Cinerama-Leinwand zeigten. Worauf darf man sich denn bei der Zeremonie im kommenden Jahr freuen?

Herbert Born: Auf die damalige Verleihung werde ich tatsächlich immer noch angesprochen, das muss bei Vielen wirklich im Kopf hängen geblieben sein. Mal sehen, „West Side Story“ ist natürlich schwer zu toppen. Vielleicht das Wagenrennen aus „Ben Hur“? Lassen Sie sich überraschen, uns fällt sicherlich etwas Besonderes ein.

Ein besonderes Jahr ist 2025 für die Schauburg ohnehin – schließlich steht das 20jährige Jubiläum ihrer Betriebsübernahme und gleichzeitig des 70mm-Festivals an.

Herbert Born: Ja, das hatte ich 2005 gleich im ersten Jahr ins Leben gerufen, das war etwas, das damals niemand gemacht hat – und noch heute hat es absoluten Seltenheitswert. Im kommenden Jahr ist anlässlich des Jubiläums geplant, es ein wenig zu verlängern und über fünf Tage laufen zu lassen, begleitet von Vorträgen über die Geschichte des Formats. Ich habe da einen Spezialisten aus Dänemark an der Hand, der faszinierende Einblicke geben kann. Was genau laufen wird, kann ich noch nicht sagen. Natürlich werden wir versuchen, auch aktuelle Filme ins Programm zu nehmen, ich könnte mir vorstellen, dass die 70mm-Kopie von „The Brutalist“ ein schönes Highlight wäre. Was mein eigenes Jubiläum anbelangt, bin ich auch schon am Überlegen, vielleicht gestalten wir eine Filmreihe mit Werken, die mir persönlich ganz besonders am Herzen liegen.

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Der legendäre Cinerama-Saal (Credit: Foto Connemann)

Im Prinzip reichen die Wurzeln der Schauburg bis ins Jahr 1902, aber 1929 ließe sich als eigentliches Geburtsjahr der Schauburg bezeichnen, als das Kino unter diesem Namen eröffnete. Damit stünde 2029 ein ganz besonderer Geburtstag an.

Herbert Born: Und den werden wir sicherlich gebührend feiern, so viel kann ich schon einmal verraten. Wir hoffen dann natürlich auch, ein paar Sponsoren zu finden. Aber jetzt stehen erst einmal die Jubiläen des kommenden Jahres an.

Wie läuft es denn aktuell in der Schauburg? Ist man auf dem Weg, wieder an vorpandemische Zeiten anzuknüpfen?

Herbert Born: Wir sind noch nicht wieder ganz auf diesem Niveau angelangt, aber die Tendenz ist grundsätzlich positiv. Am Ende des Tages ist die Entwicklung immer ein wenig volatil, weil sie einfach vom Filmangebot abhängt. Wenn anspruchsvolle Blockbuster da sind, die den Namen auch verdienen, die ein breites Publikum ansprechen, dann strömen die Leute zu uns. Der letzte Sommer war mit dem Parallelstart von „Oppenheimer“ – den wir natürlich in 70mm gespielt haben – und „Barbie“ wirklich herausragend, auch im Open-Air, wo wir bei 2500 Plätzen an zwei Terminen vor „vollem Haus“ spielen konnten. Es scheint jedoch doch immer schwerer zu werden, diese „Blockbuster“ hinzubekommen, auch im Arthouse-Bereich. Aber ich will mich nicht beklagen, gerade der Jahresauftakt war ja sehr erfreulich, nicht zuletzt dank des „Hüller“-Effekts. Auch momentan läuft es sehr ordentlich. Es ist zwar kein ganz großer Ausreißer da, aber Filme wie „Münter und Kandinsky“, „Riefenstahl“ oder „Der Buchspazierer“ werden wirklich gut angenommen – und es kommen ja auch in diesem Jahr noch ein paar Highlights.

Hat sich Ihre Publikumsstruktur denn seit der Pandemie verändert?

Saskia Fleischhauer: Eigentlich nicht. Direkt nach der Pandemie hat es ein wenig länger gedauert, bis die ältere Generation zurückgekommen ist. Das war bei uns natürlich besonders auffällig, da wir einen sehr hohen Anteil an Senioren im Publikum haben. Und letztlich hängt es immer auch vom Angebot ab. Aber jetzt sind unsere Stammgäste wieder da – und die Altersstruktur entspricht im Grunde jener vor Corona.

Die junge Generation adressieren Sie aber auch – gerade jetzt lief „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“.

Saskia Fleischhauer: Das ist das Kinderkino, das wir jeden Tag um 15 Uhr anbieten. „Harry Potter“ ist jetzt eher ein Ausreißer nach oben, zu dem tatsächlich hauptsächlich Erwachsene gekommen sind, wie wir dann doch ein wenig erstaunt festgestellt haben. Grundsätzlich richten wir uns in diesem Rahmen vorwiegend an das ganz junge Publikum zwischen vier und sechs Jahren, das gerade seine ersten Kinobesuche macht. Das ist ein Programm, mit dem wir vor Ort auch eine gewisse Lücke füllen – und natürlich ist es wichtig, Angebote für die nächste Publikumsgeneration zu machen. Das beißt sich auch in keiner Weise mit einem Arthouse-Fokus.

Haben Sie sich schon einmal mit dem Gedanken an ein Kinoabo auseinandergesetzt?

Herbert Born: Wir sehen uns das natürlich sehr interessiert an, ich stehe auch im Austausch mit Matthias Damm von Cineville. Ich will von daher nichts ausschließen, aber noch würde das nicht ganz in unsere Philosophie passen, zumal wir vor allem in Form unserer vor über 25 Jahren eingeführten Fünferkarte ein eigenes Kundenbindungsprogramm haben, das sehr gut funktioniert und das pro Besuch höheren Umsatz generiert, als es Cineville aktuell noch tut. Ein Abomodell ist am Ende des Tages ja immer eine Wette darauf, dass die Menschen es nicht voll ausschöpfen, ansonsten würde es ja nicht funktionieren. Diese Wette kann natürlich aufgehen, ich sehe ja beispielsweise an mir selbst, welche Streamingdienste ich habe und wie punktuell ich sie am Ende des Tages nutze. Was sicherlich auch ein Punkt ist: Je breiter das Angebot ist, desto attraktiver ist so ein Kinoabo – und wir wären mangels eines direkten Wettbewerbers in der Stadt und dem näheren Einzugsgebiet vermutlich die einzigen, die es anbieten würden. Insofern: Wir halten die Augen offen, aber aktuell stehen andere Vorhaben im Fokus.

Auch im Sinne der Kundenansprache?

Saskia Fleischhauer: Absolut. Wir stehen gerade vor dem Abschluss eines längeren Projekts: Der völligen Neugestaltung unserer Website, der man ja durchaus einen gewissen Retro-Charme zusprechen durfte, die aber nicht mehr zeitgemäß war. Das hat sich leider länger hingezogen als geplant, denn mitten im Projekt ging die Agentur, mit der wir das ursprünglich umsetzen wollten, in Insolvenz, wir mussten es dann neu ausschreiben. Letztlich haben wir eine ortsansässige Agentur gefunden, die sich mit großer Begeisterung um „ihr Lieblingskino“ kümmert. Die Website wird komplett neu aufgesetzt, sowohl optisch als auch inhaltlich, das umfasst unter anderem die enge Verknüpfung mit dem Ticketsystem, Schnittstellen für die Einbindung von Trailern und einfachere Bedienung – auch im Backoffice. Nicht nur die Bestückung wird künftig stark vereinfacht, sondern auch die Exporte, die wir aus den Inhalten generieren, wie zum Beispiel die Störer mit Spielzeiten und anderen Informationen für unsere Plakate. Die Seite soll noch in diesem Jahr in den Testbetrieb gehen und wir hoffen, dass wir sie im Januar dann live schalten können.

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Das Foyer der Schauburg (Credit: Andrea Fabry)

Ist es angesichts der älteren Publikumsstruktur auch eine Gratwanderung, Gewohntes komplett umzukrempeln?

Saskia Fleischhauer: Nein, nicht wirklich, zumindest nicht an dieser Stelle – zumal wir mit der Neugestaltung nicht zuletzt auch auf Kundenfeedback reagieren, das uns immer mal wieder erreicht. Als wir nach der Pandemie mit dem Online-Ticketing angefangen haben, hatte ich tatsächlich ein wenig die Befürchtung, dass unsere älteren Stammgäste Probleme damit haben könnten, sich umzugewöhnen. Aber es war eher das Gegenteil der Fall, sie haben das sehr schnell für sich entdeckt, das funktioniert sehr gut.

Was ist darüber hinaus geplant?

Saskia Fleischhauer: Wir wollen nächstes Jahr unseren kleinen Saal komplett renovieren, das Bambi mit seinen 61 Plätzen. Eigentlich hätten wir das gerne schon dieses Jahr in Angriff genommen, aber zunächst hat der Eigentümer das Dach erneuert – und diese Arbeiten haben sich leider etwas hingezogen, sodass wir die Modernisierung im Inneren verschoben haben.

Herbert Born: Wenn dann die Säle fertig sind, kommen die Toiletten dran. Dann sehen wir weiter. Wie gesagt: Es gibt immer etwas zu tun.

Wie wichtig wäre es für Ihre Vorhaben denn, dass sich auch bei der Kinoförderung durch den Bund noch etwas tut?

Saskia Fleischhauer: Viele der Maßnahmen der jüngeren Vergangenheit, darunter nicht zuletzt die Renovierung unseres großen Saals, konnten wir mit Unterstützung durch das Zukunftsprogramm umsetzen. Das ist schon ein sehr wichtiges Instrument, schließlich sind solche Maßnahmen immer mit sehr hohem finanziellem Aufwand verbunden. Das gilt umso mehr in einem teilweise denkmalgeschützten Haus. Gleichzeitig gibt ein solches Instrument bei der Investitionsplanung auch ein gewisses Maß an Sicherheit.

Auch in einem Jahr, in dem die Mittel nach 20 Sekunden ausgeschöpft waren?

Herbert Born: Das war schon ein Ding – in einem Kinoforum wurden anschließend Screenshots mit dem Sekundenzähler gepostet… Wir waren zum Glück erfolgreich.

Saskia Fleischhauer: Das zeigt umso mehr, wie wichtig das Zukunftsprogramm ist. Ein Wegfall wäre wirklich mehr als bedauerlich – und würde sicherlich künftige Projekte erschweren.

Nun sind sie, Frau Fleischhauer, ausgerechnet unmittelbar vor der Pandemie in die Geschäftsführung eingestiegen…

Saskia Fleischhauer: Das ist richtig. Ich komme ja eigentlich aus Frankfurt, bin nach dem Abitur dann aber nach Karlsruhe gezogen und habe dann sofort wieder im Kino gearbeitet, gleichzeitig aber auch eine Ausbildung gemacht und studiert, meinen Abschluss und meinen Bachelor gemacht. Es ist schließlich wichtig, seinen Horizont zu erweitern. 2019 haben wir dann darüber gesprochen, ob ich ins Unternehmen einsteigen will – und ich war sofort Feuer und Flamme. Ende 2019 habe ich dann in der Geschäftsführung angefangen und rund drei Monate später wurden die Kinos geschlossen…

Herbert Born: Ich hätte mir so etwas niemals ausmalen können. Dass ein Kino über Monate geschlossen sein würde. Das war geradezu gespenstisch, wenn man reinkam. Es herrschte komplette Stille, nicht einmal ein Kühlschrank brummte… Anstatt Kino machen zu können, war man mit Bürokratie beschäftigt, mit Überbrückungshilfen, Kurzarbeit, später dann mit Sicherheits- und Hygienekonzepten undundund…

Saskia Fleischhauer: Ich bin unendlich froh, dass das hinter uns liegt. Aber sehen wir es positiv: Wir haben die schlimmste Krise gemeistert, die man sich nur ausmalen kann. Jetzt können wir wieder nach vorne blicken – und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als im Kino zu arbeiten. Aber das hat man vermutlich auch einfach im Blut, wenn man dort aufgewachsen ist…

Das Gespräch führte Marc Mensch