„The other gAIrl“ dreht sich um Frank und Lisa, die im Beziehungstrott gefangen sind – noch komplizierter wird es dann, als Frank sich eine AI Companion App herunterlädt und sich in die KI verliebt. Chryssanthi Kavazi spielt Lisa und spricht im Interview darüber, was sie am Drehbuch so begeistert hat und wie sie auf das Thema Künstliche Intelligenz in der Branche blickt. Am 7. November startet die Serie in der ZDF-Mediathek.

Sie haben ursprünglich eine Ausbildung als Industriemechanikerin gemacht: Wann wussten Sie, dass Sie Schauspielerin werden möchten und warum wollten Sie in diese Richtung gehen?
Chryssanthi Kavazi: Tatsächlich ist die Ausbildung eher dazwischengekommen. Ich fand es schon immer toll, Theater zu spielen und habe auch schon als Kind auf der Theaterbühne meiner Eltern gestanden. Allerdings kam ich nicht aus einer Medienstadt, sondern aus einem kleinen Dorf, weshalb das alles Neuland für mich war. Meine Eltern haben den Schauspielwunsch immer ein bisschen belächelt und meinten letztendlich, ich soll mich bei Volkswagen für eine Ausbildung bewerben und danach zur Schauspielschule gehen. Nach der Ausbildung bin ich dann in den Betriebsrat gekommen, aber der Wunsch von der Schauspielschule wollte nicht abbrechen. Ich habe mich dann beworben, hatte im Februar mein Vorsprechen und im August war ich dann schon in Köln auf der Schauspielschule. Letztendlich war das der beste Weg für mich, weil ich in der Ausbildung total viel für mein Arbeitsleben gelernt habe und am Ende wusste, was ich wirklich machen will. Ich fand es toll bei VW, aber es war nicht das, wonach mein Herz geschrien hat.
Sie sind vor allem durch „GZSZ“ bekannt – wie sehr hat die Rolle Sie als Schauspielerin geprägt und was konnten Sie von der Arbeit an der Serie lernen?
Chryssanthi Kavazi: Ich würde tatsächlich sagen, dass ich dort alles gelernt habe. Natürlich hat mir auch die Schauspielschule etwas beigebracht, aber ich bin immer ein Fan von learning by doing. Bei „GZSZ“ wird man schnell ins kalte Wasser geworfen, was am Anfang schon hart war, aber jetzt merke ich, wie viel ich dadurch mitgenommen habe – gerade auch, weil ich so viele Drehtage im Jahr habe.
Inwiefern hat sich die Arbeit an „The other gAIrl“ davon unterschieden?
Chryssanthi Kavazi: „The other gAIrl“ ist eine Instant Fiction, das heißt, man hat vom Schreiben des Buchs bis zur Ausstrahlung sechs Monate Zeit. Die Produktionszeit war dadurch wahnsinnig kurz, wir hatten zwölf Drehtage für die sechs Folgen. Da war ich froh, dass ich es schon von GZSZ kannte, dass es sehr schnell gehen muss. Andererseits ist so jede Szene bzw. jeder Take frisch, wenn man sie nicht so oft durchspielen kann.
Sie sagten, dass Sie direkt Feuer und Flamme waren – was hat Sie am Drehbuch so begeistert?
Chryssanthi Kavazi: Ich fand die Dialoge sehr witzig geschrieben, die waren sehr knackig und auch ein bisschen derbe, was ich gut fand. Und ich mochte die Thematik mit der KI, wobei die Serie hier gar nicht weit weg von der Realität ist. Es geht um zwei Menschen, die sich ein bisschen im Alltag verlieren und deren Beziehung nicht mehr so gut läuft. In diesen Prozess des Auseinanderlebens kommt dann noch die KI dazu, die ja gerade ein großes Thema ist.
Neben dem KI-Thema geht es wie Sie bereits sagen um ganz alltägliche Beziehungsprobleme – wie nahbar ist die Serie, wie viel Identifikationsraum wird für die Zuschauer geboten?
Chryssanthi Kavazi: Ich glaube, viele Leute, die schon lange in einer Beziehung stecken, können sich in einigen Momenten wiedererkennen. Und auch KI benutzen ja viele Menschen im Alltag. Wenn ich darüber nachdenke, wie oft ich am Tag mit der KI schreibe oder ChatGPT frage, dann glaube ich, dass sich da auch viele Zuschauer angesprochen fühlen.
Das Thema Künstliche Intelligenz wird aber auch immer wieder sehr kontrovers diskutiert – kürzlich gab es zum Beispiel Debatten um eine KI-Schauspielerin, die bei einer Agentur unter Vertrag kommen soll. Wie blicken Sie auf das Thema in der Branche?
Chryssanthi Kavazi: Es gibt ja auch schon Filme, die komplett mit einer KI gedreht wurden, und ich glaube, viele haben die Sorge, dass ihre Jobs irgendwann von einer KI übernommen werden. Ich finde, diese Sorge ist berechtigt. Ich bin da relativ verhalten und schaue mit zwei weinenden Augen darauf. Klar, wenn es um die Bearbeitung in Bezug auf Ton oder Licht geht, verstehe ich, wenn man sich dabei Unterstützung von einer KI holt. Aber Schauspieler abzuschaffen oder ähnliches, finde ich natürlich schwierig.
In der Serie selbst wurde allerdings auch KI verwendet. Waren Sie bezogen darauf erst einmal skeptisch?
Chryssanthi Kavazi: Ich weiß, dass KI auf jeden Fall für Maia benutzt wurde, die Künstliche Intelligenz, in die sich Frank verliebt. Hierbei war das aber passend und notwendig, weil sie mit einer realen Schauspielerin letztendlich zu echt gewirkt hätte und eben nicht wie eine KI. Bei der Entwicklung wurde, soweit ich weiß, auch mit KI experimentiert, letztendlich sind aber die beiden Drehbuchautoren Julia Hingst und Hannes Jakobsen zu dem Schluss gekommen, dass es am besten ist, wenn sie die Geschichte komplett selbst entwickeln und schreiben.
Regie bei der Serie führte Nachwuchsregisseur Welf Reinhart – wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit ihm?
Chryssanthi Kavazi: Welf war einer der Gründe, weshalb ich umso mehr Lust auf das Projekt hatte! An seinen Ideen merkt man einfach, dass er gerade frisch im Business ist und noch dazu handelt es sich bei „The other gAIrl“ um seine erste Komödie. Aber er weiß trotzdem ganz genau, was er will – beim Dreh selbst hat man deshalb gar nicht gemerkt, dass das erst sein zweites Projekt war. Und er ist ein Schauspieler-Regisseur, er geht sehr auf die Chemie und das Spiel der Schauspieler. Er hat wirklich hilfreiche Tipps gegeben, wovon ich ein großer Freund bin.
Sie stehen gemeinsam mit Ihrem Partner Tom Beck vor der Kamera. Wie lief Ihre Zusammenarbeit ab – gestaltete die sich anders als mit anderen Schauspielern?
Chryssanthi Kavazi: Es war ein bisschen das Gefühl, als hätte man das Zuhause mit auf die Arbeit genommen. Vor der ersten Szene war ich ein bisschen aufgeregt, weil Tom mich ja in- und auswendig kennt und man natürlich möchte, dass die Chemie dann auch vor der Kamera passt. Aber dann haben wir die erste Szene gedreht und es hat total Spaß gemacht. Die Stimmung zwischen uns war sehr vertraut und wir haben uns blind verstanden. Das hat die Arbeit natürlich sehr erleichtert, genauso wie der Umstand, dass wir die Szenen auch zuhause zusammen lernen und besprechen konnten.
Was war die größte Herausforderung beim Dreh und an ihrer Figur?
Chryssanthi Kavazi: Dadurch, dass es sich um eine Miniserie und eine Instant Fiction handelt, muss man die Handlung in einem sehr begrenzten Zeitraum erzählen. Ich hatte zwischenzeitlich etwas Sorge, ob man meine Figur Lisa versteht und ihre Sichtweise nachvollziehen kann. Aber während der Dreharbeiten habe ich das dann schnell wieder verworfen, weil die Serie wirklich gut erzählt ist. Ansonsten lief eigentlich alles super, weil wir ein echt gutes, junges Team waren, in dem alle mit sehr viel Elan an die Sache herangegangen sind.
Welche Projekte stehen für Sie in Zukunft noch an?
Chryssanthi Kavazi: Abseits der Schauspielerei habe ich seit letztem Jahr eine Fashion Brand, bei der bald wieder ein Launch kommt. Und aktuell drehe ich wieder für „GZSZ“, wo ich dann ab November wieder zu sehen sein werde.
Das Gespräch führte Lea Morgenstern.