Vergangene Woche erst hatte das 50. Toronto International Film Festival erste Titel für seine Vorzeigereihen Gala Presentations und Special Presentations genannt. Nun legt das TIFF noch einmal nach mit einer Flut weiterer Titel. Fest steht, dass Edward Berger und Mascha Schilinski ihre neuen Arbeiten zeigen werden.
Zum 50. Jubiläum will es das Toronto International Film Festival noch einmal wissen, nachdem der einstig unangreifbar erscheinende Platzhirsch in den letzten Jahren im ewigen Wettstreit mit Venedig und Telluride doch auffällig ins Hintertreffen geraten war – großteils durch eigenes Verschulden, weil man den Ruf des weltoffenen Festivals und Werkschau des Weltkinos aufs Spiel setzte durch offenkundig politisch motivierte Entscheidungen, welche Titel man in die kanadische Metropole einladen würde. Nachdem vergangenen Woche erste Hochkaräter wie „Wake Up Dead Man – A Knives Out Mystery“, „Roofman“ (beide als Weltpremieren) oder Chloë Zhaos „Hamnet“ (als Amerikapremiere) verkündet worden waren, legte Festivalchef Cameron Bailey heute noch einmal nach – wie mittlerweile gewohnt einen Tag vor der Programmankündigung von Venedig: Anhand der Zuordnung, ob es sich bei den Titeln um Weltpremieren, Nordamerikapremieren, internationale Premieren oder Kanadapremieren handelt, lässt sich immer schon ganz gut ablesen, welche Filme Alberto Barbera morgen verkünden wird. In Deutschland kann man sich auf jeden Fall freuen, weil Mascha Schilinski ihre Cannes-Sensation „In die Sonne schauen“ in der Sektion Special Presentations erstmals in Nordamerika präsentieren wird. Außerdem wird die deutsche Koproduktion „A Poet“ von Simón Mesa Soto gezeigt, die ebenfalls in Cannes Premiere gefeiert hatte.

Kommen wir erst einmal zu den Weltpremieren – oder anders gesagt den Titeln, die morgen nicht Teil der Venedig-Ankündigung sein werden. Dazu gehören Aziz Ansaris Komödie „Good Fortune“ mit Keanu Reeves (als Erzengel Michael) und Seth Rogen, Maude Apatows Regiedebüt „Poetic License“, Isabel Coixets „Three Goodbyes“, Romain Gavras’ hoch für Venedig gehandelter „Sacrifice“, David Michôds„Christy“, Yeon Sang-hos „The Ugly“, James Vanderbilts „Nuremberg“ und Alice Winocours „Couture“ mit Angelina Jolie, den man auch eine Weile als Kandidat für Venedig gesehen hatte.
In der Reihe Gala Presentations starten außerdem als Weltpremieren „Adulthood“ von Alex Winter, „Driver’s Ed“ von Bobby Farrelly, „Eternity“ von David Freyne, „Fuze“ von David Mackenzie, der erst vor einem Jahr „The Negotiator“ in Toronto gezeigt hatte, „Glenrothan“ von Brian Cox, „Lilith Fair: Building a Mystery“ von Ally Pankiw, „Palestine 36“ von Annemarie Jacir, „Swiped“ von Rachel Lee Goldenberg und „Deux Pianos“ von Arnaud Desplechin. Zu den bereits bekannten Titeln kommt auch der Cannes-Hit „Eleanor the Great“ von Scarlett Johansson.

Bei den Special Presentations werden als neue Weltpremieren u. a. noch „Bad Apples“ von Jonathan Etzler, „California Schemin‘“ von James McAvoy, „Charlie Harper“ von Tom Dean und Mac Eldridge, „Easy’s Waltz“ von Nic Pizzolatto, „EPiC: Elvis Presley in Concert“ von Baz Luhrmann, „Eternal Return“ von Yaniv Raz, „Hedda“ von Nia DaCosta und „The Christophers“ von Steven Soderbergh. Interessanter sind fast noch die nordamerikanischen und kanadischen Premieren, weil man davon ausgehen darf, dass sie zum Venedigprogramm bzw. Venedig- und Tellurideprogramm gehören. Das umfasst „Calle Malaga“ von Maryam Touzani (One Two Films), „Dead Man’s Wire“ von Gus Van Sant, „Frankenstein“ von Guillermo Del Toro, „Rose of Nevada“ von Mark Jenkin, „Scarlet“ von Mamoru Hosoda, „Silent Friend“ von Ildikó Enyedi, bei dem die Pandora als deutscher Koproduzent an Bord ist, „The Smashing Machine“ von Benny Safdie mit Dwayne Johnson. Als kanadische Premiere läuft Edward Bergers „Ballad of a Small Player“, der erst vor einem Jahr mit „Konklave“ in Telluride/Toronto vertreten gewesen war. Aus Cannes kommen zudem noch die deutschen Koproduktionen „The Secret Agent“ von Kleber Mendonça Filho (One Two Films), „Sentimental Value“ von Joachim Trier (Komplizen Film), „A Poet” von Simón Mesa Soto (Ma.ja de) und „Sirât“ von Oliver Laxe (ZDF, Arte).
Thomas Schultze