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Buongiorno aus Bozen: Was beim Bolzano Film Festival Bozen los ist


Schöne Entdeckungen haben wir schon gemacht beim 38. BFFB. Dazu zählen „My Boyfriend El Fachista“ von Matthias Lintner oder „The Settlement“ von Mohamed Rashad. Der ägyptische Regisseur gab zudem bei einem Talk Einblick in das aktuelle Kino seines Heimatlandes. Außerdem pitchten die Teilnehmer:innen des Kurzfilm-Trainingsprogramms MASO ihre Projekte. Und auf Christian Petzold wartet heute Abend der Ehrenpreis.

Bozen empfängt mit Wärme und Sonnenschein. Keine einzige Wolke ist am Himmel. Voller Touristen ist das kleine Städtchen in Südtirol immer. Während des Bolzano Film Festival Bozen sind es vielleicht noch etwas mehr, weil zusätzlich Film Afficionados angereist sind. Zum zwölf Filme umfassenden Haupt-Wettbewerb gehören auch „My Boyfriend El Fachista“ des aus Südtirol stammenden Regisseurs Matthias Lintner. Es ist ein sehr persönlicher Film, produziert von seiner Mariquitas Film und Helios Sustainable Film mit Förderung der IDM, über seine Beziehung zu dem kubanischen Aktivisten Sadiel, der für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft und von Lintner gefilmt wird, an der Pferdekoppel, nackt auf der Toilette, in Unterhose auf dem Balkon…. Die dokumentarische Arbeit brennt sich ein, weil sie unmittelbar daherkommt und eindringlich Liebe und politische Gegensätze aufeinanderprallen lässt. Interessante Sprünge durch Jahreszeiten, Orte und Städte lassen erahnen, wie lange Lintner Material gesammelt hat.

Ein weiterer Titel des von Vincenzo Bugno zusammengestellten Wettbewerbs ist „The Settlement“ von Mohamed Rashad, der auf der Berlinale Weltpremiere feierte und mit Hilfe des World Cinema Fund hergestellt werden konnte. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, wie der aus Alexandria stammende Regisseur bei einem Talk über das zeitgenössische ägyptische Kino erzählte. Nachdem ein Mann in einer Fabrik in Alexandria tödlich verunglückt ist, bot die Unternehmensleitung dessen Sohn eine Stelle an, um keine juristischen Schwierigkeiten zu bekommen. Der junge Mann akzeptierte das Angebot, auch, um die Familie weiter ernähren zu können. Rashad arbeitete fünf Jahre an seinem Spielfilmdebüt, die Finanzierung sei extrem schwierig gewesen. Einen lokale Filmförderung gibt es nicht in Ägypten, obwohl die Filmindustrie sehr groß sei und sogar führend in der arabischen Welt, wie Rashad erzählte. Wie in vielen Ländern sei die Branche aufgesplittet in Arthouse und Mainstream. „Hollywood hat auch Impact in Ägypten. Es werden entsprechend viele kommerzielle Filme hier produziert“, so der Regisseur, der in Kairo Film studierte und zuvor mit „Little Eagles“ einen Dokumentarfilm realisierte. Umso glücklicher sei er gewesen, dass der World Cinema Fund der Berlinale Unterstützung zusicherte. Nach einer langen Recherche gestaltete sich die Locationsuche auch mit Hürden. „An unserer präferierten Location konnten wir nicht drehen, weil sich die Nachbarschaft über unser Vorhaben in die Haare bekam“, so Rashad. Allgemein sei es in Ägypten schwierig, Drehgenehmigungen zu bekommen. Man müsse sie viele Wochen vorher anmelden und das sei auch noch mit sehr viel Geld verbunden. Insgesamt sei die Filmszene in Ägypten sehr lebendig und sei durchaus geprägt von vielen weiblichen Filmschaffenden, wie Rashad hervorhob. „Die Anfänge des ägyptischen Kinos wurden sogar maßgeblich geprägt von weiblichen Filmschaffenden.“

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Enrico Vannucci, Creative Advisor von MASO #1 (Credit: SPOT)

Sehr kurzweilig war die Pitching-Präsentation der Partizipant:innen des neuen Kurzfilm-Trainingsprogramms MASO, das von der Südtiroler Filmförderung IDM initiiert wurde mit dem Bolzano Film Festival Bozen als Hauptpartner und zahlreichen weiteren, auch internationalen Unterstützer:innen. Nicht nur stellten die acht Filmteams der ersten Runde ihre Projekte vor – darunter aus Deutschland „On Parting“ von Angela Regiusund Felix Bausch (Bildsturz Kollektiv aus Frankfurt) und aus Österreich „Von Sinnen“ von Anouk Shad und Melody Alia Micmacher (von der Diversitätsinitiative Gewächshaus) sowie „Lifescore“, der als deutsch-französische Koproduktion entsteht (Zorana MusikićLaure Dahout) – es war gleichzeitig auch der Startschuss für die zweite Runde, in der wieder acht internationale Teilnehmer:innen mitmachen.

Heute Abend geht es dann feierlich weiter, wenn Christian Petzold den Ehrenpreis für eine herausragende Filmkarriere verliehen bekommt. Aus diesem Anlass werden auch seine Filme „Barbara“, „Roter Himmel“ und „Transit“ gezeigt. 

Aus Bozen berichtet Barbara Schuster