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„Kostendruck ist prägendes Thema“


Als zentraler Ansprechpartner für die HDF-Mitglieder weiß Jonas von Fehrn-Stender aus erster Hand, welche Themen die Kinobetreiberinnen und -betreiber umtreiben. Wir sprachen mit ihm anlässlich seiner kürzlichen Ernennung zum 2. stellvertretenden Vorstand des Verbandes.

Jonas von Fehrn-Stender
Jonas von Fehrn-Stender wurde Anfang April zum 2. stellvertretenden Vorstand des HDF Kino ernannt (Credit: HDF Kino)

Sie kommen aus einer Kinofamilie. War damit der Berufsweg emotional schon vorgegeben?

Jonas von Fehrn-Stender: Wenn man zwei Etagen über dem Kino und damit gefühlt quasi neben dem Projektor aufwächst, ist es vermutlich schwer, nicht vom Kinofieber gepackt zu werden. Meine Eltern haben mich auch schon sehr früh zu Branchenveranstaltungen und Tradeshows mitgenommen, womöglich hat mich das zusätzlich geprägt. Für mich stand jedenfalls schon in recht jungen Jahren fest, dass ich in dieser Branche, in der ich groß geworden bin, auch würde arbeiten wollen. Das ist sicherlich nicht ganz untypisch. Wir sehen ja, wie viele Familienunternehmen wir in den Reihen unserer Mitglieder haben. Unternehmen, die in zweiter, dritter, teils schon vierter Generation geführt werden. Allerdings – und ich finde das ausgesprochen wichtig – sehen wir auch immer mehr Quereinsteiger, die über einen Nebenjob in die Branche kommen und die ihr nicht nur langfristig beruflich treu bleiben, sondern die auch zunehmend Verantwortung tragen, bis hin zur Übernahme eigener Häuser. Das ist großartig, zumal es in besonderer Weise vom Glauben an die Zukunft zeugt.

Ihre Tätigkeit beim HDF haben Sie 2019 aufgenommen, in einem Jahr, in dem es aufwärts zu gehen schien. Wie haben Sie die Zeit seither erlebt?

Jonas von Fehrn-Stender: 2019 war natürlich ein tolles Jahr, gerade zum Ende hin durften wir gleich mehrere Goldene Leinwände vergeben. Für „Joker“, „Das Perfekte Geheimnis“ und „Die Eiskönigin 2“, vorher bereits für „Avengers: Endgame“ und „Der König der Löwen“. Mit diesem Schwung im Rücken und mit viel Optimismus sind wir dann ja auch auf der Münchner Filmwoche ins neue Jahr gestartet. Dann kam der März. Ich erinnere mich noch ganz genau an die erste Mail, in der uns ein Kinobetreiber schrieb „Mir wurde heute das Haus zugemacht“. Das war eine Zäsur, das war unvorstellbar. Über das, was die Pandemie ausgelöst hat, wie groß die Angst war, wie fordernd diese Zeit auch für den HDF als Interessenvertretung war, brauchen wir kaum sprechen. Aber rückblickend hat sich auch gezeigt, was unsere Branche im positiven Sinn prägt. Wie groß der Zusammenhalt ist, wenn es darauf ankommt. Dass Grenzen überwunden, ganz viele Kooperationen geknüpft wurden. Wenn man der Pandemie etwas Positives abringen will, dann die Tatsache, dass wir alle ein bisschen enger zusammengerückt sind und ein gemeinsames Ziel vor Augen haben: das Kino wieder voranzubringen. Seit 2020 ist auch wieder sehr, sehr viel Schönes geschehen. Wir haben zahlreiche Erfolgsgeschichten erlebt, den Sommer 2023 mit „Barbie“ und „Oppenheimer“ werde ich nie vergessen. Positive Überraschungen wie diese sind auch etwas, das unsere Branche ausmacht – und ich freue mich auf viele weitere Überraschungen.

Sie sind Ansprechpartner für Mitgliederthemen im HDF. Was liegt den Betreiberinnen und Betreibern denn gerade besonders am Herzen?

Jonas von Fehrn-Stender: Ich denke da unterscheidet sich das Kino nur wenig von anderen Branchen. Die steigenden Kosten in allen Bereichen und der mittlerweile immense Kostendruck sind und bleiben ein prägendes Thema. Umso mehr, da auch die Bürokratisierung weiter zunimmt, was nicht nur mit höherem finanziellen, sondern auch steigendem zeitlichen Aufwand einhergeht. Solchen Herausforderungen müssen sich die Kinos vor dem Hintergrund der zuletzt enttäuschenden Ergebnisse stellen. Mit dem vergangenen Jahr konnte man nicht wirklich zufrieden sein und gerade in den ersten drei Monaten dieses Jahres erreichten uns viele Anrufe von Kinobetreiberinnen und Kinobetreibern, denen das Fehlen der großen Hits Sorge machte. Immerhin lässt sich sagen, dass man ganz klar erkennen konnte, woran es lag. Insbesondere aufgrund der Streiks des Jahres 2023 gab es enorme Lücken in der Filmversorgung. Umso größer ist die Hoffnung, die man in die kommenden Monate setzt, in denen das Angebot definitiv deutlich stärker aussieht; tatsächlich würde ich die Stimmung jetzt als durchaus positiv bezeichnen. „Minecraft“ war schon einmal ein gutes Ausrufezeichen. Ein ganz großes Thema ist natürlich auch eines, bei dem wir als HDF ganz besonders gefragt sind, für unsere Mitglieder einzutreten. Es gibt enormen Investitionswillen in der Branche. Alle wollen modernisieren, wollen entschlossen in die Zukunft gehen, das Erlebnis immer noch weiter verbessern. Aber dafür benötigen die Kinos Unterstützung. Die FFA-Förderung ist jetzt wieder angelaufen, aber das reicht nicht. Wir benötigen zwingend weitere Investitionsförderung – und das so schnell wie möglich.

Zumindest von außen sieht es so aus, als würde die Entscheidung, einen neuen Standort für den Kinokongresses zu suchen, teils recht emotional bewertet. Täuscht der Eindruck?

Jonas von Fehrn-Stender: Baden-Baden liegt tatsächlich vielen unserer Mitglieder als Veranstaltungsort am Herzen. Das kann ich nachvollziehen, immerhin wurde der Kongress dort fast durchgängig über 50 Jahre hinweg ausgetragen. Das ist auch mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. Tatsächlich haben meine Eltern einst ihre Hochzeitsreise zum Kongress gemacht, davon erzählt mein Vater immer noch gern. Diese enge Bindung war selbstverständlich ein zentraler Punkt bei der Diskussion. Aber ich bin sicher, dass wir dieses Gefühl auch in einer anderen Stadt erreichen können. Entscheidend ist, dass wir als Branche zusammenkommen, dass wir einen Ort und einen Rahmen haben, um aktuelle Themen zu diskutieren, gemeinsam in die Zukunft zu blicken und unsere Branche proaktiv zu gestalten. 

Wenn Sie Debatten in der Öffentlichkeit verfolgen: Was würden Sie sagen, ist der hartnäckigste Irrtum, der sich über die Kinobranche hält?

Jonas von Fehrn-Stender: Das ist leicht zu beantworten. Die andauernden Behauptungen, Kino sei tot oder liege zumindest im Sterben. Diese Abgesänge gibt es, seit ich denken kann. Home-Entertainment, Streaming, Raubkopien und dann natürlich Corona. Es findet sich immer wieder ein Grund, der Menschen dazu verleitet, Abgesänge anzustimmen. Die sind seit jeher falsch und werden nicht richtiger. Ich bin überzeugt davon, dass das Kino immer neue Wege findet, um relevant zu bleiben und seinen Gästen ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. 

Wie würden Sie selbst Ihre künftige Rolle beim HDF beschreiben?

Jonas von Fehrn-Stender: Nach außen wird sich im Prinzip nicht viel ändern. Ich werde weiterhin zentraler Ansprechpartner für unsere Mitglieder sein, insbesondere zu allen Themen, die im Kinoalltag so aufkommen. Innerhalb des Vorstands beraten wir dann, wie wir Dinge politisch unterstützen oder in Einzelfällen vielleicht auch direkt helfen können. In diesem Zusammenhang sei übrigens auf die kostenlose juristische Erstberatung hingewiesen, die unsere Mitglieder bei der Kanzlei Unverzagt in Anspruch nehmen können. Nach wie vor wird es darum gehen, die Wünsche und Anliegen der Mitglieder in unsere Arbeit einfließen zu lassen, beratend zur Seite zu stehen und sie stets über wichtige Entwicklungen, Termine und Fristen auf dem Laufenden zu halten – gerade zu Themen wie der Förderung, bei der sich noch in diesem Jahr hoffentlich etwas tun wird.