Wie stellt sich die Marktsituation nach dem ersten Halbjahr 2025 dar – und was muss besser werden? SPOT hat sich anlässlich der FILMTAGE KÖLN in der Kino- und Verleihbranche umgehört. Hier antwortet Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino.

#1 Wie beurteilen Sie zum Halbjahr die generelle Entwicklung im deutschen Kinomarkt und wie zufrieden sind Sie mit den eigenen Ergebnissen?
Christine Berg: Selbst als bekennende Optimistin kann ich das erste Halbjahr nicht schönreden. Mit rund 37 Mio. verkauften Tickets und einer stark ausgedünnten Startliste liegen wir bisher hinter dem letzten Jahr, welches sich ebenfalls nicht besonders hervorgetan hat. Die Kinos werden damit wiederholt vor große Herausforderungen gestellt, welcher sie sich jedoch annehmen. Nach dem Motto „Mache aus der Not eine Tugend“ wurden neue kleine Formate gefunden, besonders der Trend „Stricken im Kino“ verfängt. Das mag der eine oder andere belächeln, aber das Publikum nimmt diese Konzepte an. Die Kinos zeigen sich flexibel und bleiben damit sichtbar. Wie heißt es im Volksmund „Du kannst die Zukunft nur gestalten, wenn Du aus der Vergangenheit lernst“ – das lösen die Kinos ein, denn sie wissen, dass man immer beweglich sein muss, um zu überleben. Trotz allem müssen wir anfangen darüber zu reden, ob wir neben den üblichen Herausforderungen – Filmversorgung, Wetter… – zusätzlich ein strukturelles Problem haben.
#2 Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Punkt, der im Markt adressiert werden müsste?
Christine Berg: Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs in der gesamten Branche, daher gibt es viele Punkte. Einer der wichtigsten ist die engere Zusammenarbeit der Filmbranche, um den deutschen Film im Kino zu stärken. Dafür müssen wir mehr auf unsere Kreativen schauen, den Produzentinnen und Verleihern den Rücken stärken und alle Auswerter mit im Boot haben. Nur gemeinsam haben wir jetzt die Chance, unsere Branche noch weiter nach vorne zu bringen. Aber dazu gehört auch eine stabile, verlässliche Förderung, die dringender denn je benötigt wird, damit wir unserem Ziel von 35 Mio. Tickets im Jahr für den deutschen Film näherkommen und den Kinos damit die Unabhängigkeit gegenüber dem amerikanischen Film bieten.