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KI im Kinoalltag: Die richtige Nutzung zählt


Bei der Filmkunstmesse 2025 gab ein Panel zur Künstlichen Intelligenz Antworten zur gehypten Technik. Branchenvertreter diskutierten Potenziale und Grenzen der Technologie. Das Nutzungspotenzial sei da, wenn man den richtigen Umgang mit KI lernt.

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Daniel Charigault (Cineways) stellte die Nutzungsmöglichkeiten von KI im Kinobetrieb vor (Credit: THE SPOT media & film)

Suchmaschine, AI-Slob und Deep Fakes – Künstliche Intelligenz ist derzeit eines der meistdiskutierten Themen in Wirtschaft und Kultur – und längst auch im Kino angekommen. Bei der Filmkunstmesse 2025 in Leipzig widmete sich ein Panel der Frage, welche konkreten Einsatzmöglichkeiten bereits bestehen und wo die Grenzen liegen. Zwischen technischer Grundierung und praktischen Einblicken aus dem Kinobetrieb zeichnete sich ein Bild ab, das gleichermaßen von Euphorie und Skepsis geprägt war.

Den Auftakt machte Marvin Wiechert von der Yorck Kino GmbH, der in einem Grundlagenvortrag die Mechanismen generativer KI skizzierte. KI-Systeme, so seine Erläuterung, funktionieren im Kern über Musteranalysen und Wahrscheinlichkeitsprognosen – Chatbots wie ChatGPT „rechnen“ gewissermaßen das wahrscheinlich nächste Wort aus. Dieser scheinbar banale Mechanismus ermögliche inzwischen erstaunliche Ergebnisse bei der Text- und Bildproduktion, bringe aber auch Risiken mit sich: Halluzinationen, das heißt erfundene Informationen aus dem Nichts, gehören zum System, von falsch berechneten Telefonnummern bis hin zu erfundenen Vorführungszeiten.

Trotz dieser Unsicherheiten lassen sich die Tools für zahlreiche Routinetätigkeiten nutzen. Pressemitteilungen, Newsletter oder interne Kommunikation können von Large-Language-Models in Chat-Form beschleunigt werden, ebenso Übersetzungen oder einfache Korrekturarbeiten. Auf dem Markt dominiert zwar nach wie vor OpenAIs ChatGPT, doch auch Google mit Gemini und das europäische Start-up Mistral drängen nach vorne, wobei letzteres mit einem stärkeren Datenschutzprofil wirbt. API-Integrationen erlauben zudem die Einbettung in bestehende Systeme – bis hin zur Rolle als Recherche-Bot. Parallel hat die Bildgenerierung rasante Fortschritte gemacht: MidJourney, DALL·E oder spezialisierte Tools wie Nano Banana eignen sich zunehmend als Alternativen zu Photoshop. Noch jung, aber vielversprechend ist die KI-gestützte Videogenerierung.

„KI könnte sich als Blase entpuppen, langfristig werden sich aber einige wenige Player durchsetzen“, ordnete Wiechert die Dynamik ein. Zugleich verwies er auf den kulturhistorischen Kontext: Generative Systeme verändern Erwartungen an Inhalte, gerade jüngere Nutzer:innen hätten durch den permanenten Zugriff auf automatisiert generierte Texte und Bilder ein anderes Verständnis von Authentizität entwickelt. In den USA greifen laut JAMESfocus-Studie bereits knapp 80 Prozent der 13- bis 28-Jährigen regelmäßig auf generative KI zurück.

Deutlich praxisnäher fiel der zweite Teil des Panels aus, gestaltet von Daniel Charigault, Qualitäts- und Risikomanager bei Cineways. Er zeigte anhand konkreter Workflows, wie Kinos bereits heute Effizienzgewinne erzielen können. Besonders bei Mikroprozessen – also kleinen, wiederkehrenden Aufgaben – entfaltet KI ihre Stärke. Dienstpläne lassen sich mit automatischen Kalenderabgleichen schneller zusammenstellen, für Veranstaltungen können Preisberechnungen und Angebotsgenerierungen in Echtzeit erfolgen. Ein Beispiel aus der Praxis: ChatGPT kalkulierte live im Panel eine Saalmiete über Sprachsteuerung.

Auch im Marketing eröffnen sich neue Wege: zielgruppenspezifische Mailings, Social-Media-Templates oder Animationsclips mit Tools wie Renderforest. Letzteres nutzt bereits bei YouTube-Spots Versatzstücke aus Popmusik – was allerdings sofort Fragen nach Urheberrechten aufwirft. 

Ein weiteres Anwendungsfeld ist der Kundendialog. Das Cinedom in Köln hat mit dem „Cine Bot“ bereits einen Chatbot im Einsatz, der Auskünfte über FSK-Freigaben oder Vorführzeiten gibt. Diese Systeme können den Service beschleunigen, sind aber anfällig für ungenaue Antworten. Gerade bei frei verfügbaren Versionen vieler Tools ist zudem Vorsicht geboten: Während die kostenfreien Varianten oft mit veralteten Daten arbeiten und schwächere Sicherheitsstandards bieten, ermöglichen professionelle Accounts zuverlässigere und besser geschützte Ergebnisse.

Das Fazit des Panels: Künstliche Intelligenz kann den Kinobetrieb an vielen Stellen entlasten – von der Verwaltung über Marketing bis hin zum Service. Sie ersetzt jedoch nicht die kritische Prüfung durch Fachkräfte. 

Mit Blick nach vorne zeichnet sich ab, dass der Einsatz von KI in der Kinobranche weiterwachsen wird. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Tools neue Funktionen entwickeln, könnte sich das Verhältnis zwischen klassischer Internet-Suche und KI-gestützten Informationssystemen bereits in den kommenden Jahren verschieben. Dass ChatGPT Google in puncto Suchunterstützung überholen könnte, erscheint aus heutiger Sicht nicht mehr utopisch. Für die Branche bedeutet das: KI wird bleiben – die Kunst liegt darin, sie sinnvoll zu integrieren und gleichzeitig ihre Grenzen zu kennen.