Wir lassen die Produzent:innen aus den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm und Kinderfilm, die 2025 für einen Deutschen Filmpreis nominiert sind, in einer Umfrage zu Wort kommen. Falls Sie sich fragen: Die Reihenfolge ist alphabetisch nach Filmtitel sortiert, ungeachtet der Kategorie.
THE SPOT läutet mit verschiedenen Features den Countdown zur Verleihung des Deutschen Filmpreis 2025 ein. In einer großen Umfrage lassen wir etwa die nominierten Produzent:innen aus den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm und Kinderfilm zu Wort kommen. Falls Sie sich fragen: Die Reihenfolge ist alphabetisch nach Filmtitel sortiert, ungeachtet der Kategorie. Hier antworten Rozita Hendijanian und Mani Tilgner, die mit „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ von Mohammad Rasoulof in der Kategorie Bester Spielfilm nominiert sind. Der Film hat noch fünf weitere Nominierungen erhalten.
Deutsche Filmpreis für Sie? Hat sich durch die Tatsache, dass der Preis nicht mehr dotiert ist, etwas für Sie verändert?
Rozita Hendijanian: Die Nominierung für den Deutschen Filmpreis ist für mich eine bedeutsame Bestätigung eines Weges, den ich mit persönlichen Entscheidungen, Risikobereitschaft und dem Vertrauen in ein außergewöhnliches Projekt gegangen bin. „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ wurde bewusst abseits etablierter Produktionsstrukturen realisiert. Dass der Film nun in einem solch anspruchsvollen Umfeld wahrgenommen wird, hat für mich großen Wert. Die Abschaffung der Preisgelder hat meine Haltung nicht verändert – allein die Sichtbarkeit des Films auf dieser Ebene ist für mich bereits ein bedeutender Erfolg.
Mani Tilgner: Es ist eine unglaubliche Freude und Ehre für uns, dass wir gleich mehrfach, unter anderem in der Kategorie bester Film, nominiert sind. Es ist für uns das erste Mal und somit spielt für uns die Veränderung der Dotierung nicht so eine große Rolle wie für andere, die vielleicht auf diesen Preis gehofft und sogar schon den Preis bei der Finanzierung des nächsten Projekts mitgedacht hatten. Natürlich hätten wir gerne ein Preisgeld gehabt, denn gerade bei unseren eher ungewöhnlichen Projekten ist die Finanzierung nicht immer so einfach gewesen.
Wenn Sie auf die Arbeit an Ihrem Film zurückblicken: Worauf sind Sie am meisten stolz? Was macht dieses Projekt ganz besonders, sowohl allgemein als auch für Sie?
Rozita Hendijanian: Die Mitarbeit an „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ war für mich eine einzigartige und tief bewegende Erfahrung. Besonders geprägt hat mich die Möglichkeit, reale Momente von Protesten festzuhalten. Der Film reflektiert die Wunden und Hoffnungen einer Gesellschaft im Streben nach Gerechtigkeit. Ich bin dankbar, Teil dieses ehrlichen und engagierten Erzählprozesses gewesen zu sein.
Mani Tilgner: Wir sind in erster Linie einfach unglaublich froh, dass dieser Film fertiggestellt werden konnte. Alle Projekte mit Mohammad Rasoulof, an denen ich beteiligt war, bürgten ein enormes Risiko, vor allem für die Crew, die vor Ort im Iran gedreht hat. Aber dieses Projekt war das vielleicht unwahrscheinlichste in seiner Realisierung. An jedem Drehtag haben wir gebangt. Aber auch die internationale Zusammenarbeit, wie z.B. der Schnitt, der schon parallel zum Dreh hier in Deutschland stattfand, war sehr besonders und beeindruckend. Für mich selber, aber natürlich für alle anderen Beteiligten auch, war der Weg, den der Film nach der Premiere in Cannes genommen hat, unglaublich. Zuletzt mit der Nominierung für den Oscar als bester internationaler Film und dann quasi als Abschluss dieses verrückten Jahres der deutsche Filmpreis.
Die Novellierung des FFG ging zum Jahresende 2024 gerade noch durch. Was erhoffen Sie sich von der neuen Regierung? Was muss geschehen? Welche Schritte sind nun wichtig, um Deutschland insgesamt als attraktiven Filmstandort zu gestalten?
Rozita Hendijanian: Die Novellierung des FFG ist eine wertvolle Chance, die Filmbranche in Deutschland zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Dies würde Deutschland als Filmstandort attraktiver machen und kreative, vielfältige Projekte nachhaltig stärken.
Mani Tilgner: So viel kann ich dazu im Einzelnen nicht sagen aber für uns als Produktionsteam, das vor allem im Rahmen von internationalen Koproduktionen arbeitet, wäre es natürlich toll, wenn die bürokratischen Hürden und andere Barrieren, die diese Arten von Projekten mit sich bringen, möglichst klein gehalten werden. Allgemein natürlich auch der Wunsch, dass Projekte unserer Größe möglichst gut gefördert werden und das vorhandene Geld nicht zu sehr in die Produktion von kommerziell orientierten Mainstreamproduktionen geht.
Unverändert befinden wir uns in Zeiten des Umbruchs. Halten Sie das deutsche Kino im Jahr 2025 für vital und relevant?
Rozita Hendijanian: Auch wenn ich das deutsche Kino noch immer näher kennenlerne, erscheint es mir im Jahr 2025 lebendig, relevant und wandlungsfähig. In einer Zeit des Umbruchs greifen viele Filmschaffende aktuelle gesellschaftliche Themen mutig auf und schaffen neue Räume für Diskurs und Erzählung. Diese Dynamik empfinde ich als überaus inspirierend.
Mani Tilgner: Ich denke, die Oscar-Nominierungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es wieder vermehrt ein internationales Interesse an deutschen Filmproduktionen gibt. Das hat sicherlich auch mit dem Mut und der Offenheit zu tun, ein breiteres Verständnis dafür zu entwickeln, was einen deutschen Film ausmacht.