Allzu groß ist der Sprung gegenüber 2024 am Ende zwar nicht. Aber 336.000 verkaufte Tickets sind eine Zahl, die sich wahrlich sehen lassen kann, zumal am abschließenden Publikumstag eine andere „Veranstaltung“ um Aufmerksamkeit buhlte. Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle jedenfalls zeigt sich „sehr zufrieden“ mit der Jubiläumsauflage, ihr Team gehe mit Elan an die Planungen für 2026.

Nein, gänzlich ohne kontroverse Äußerungen lief auch die große Preisverleihung der Berlinale nicht ab. Aber selbst die Jüdische Allgemeine hob – wenngleich unter der Überschrift „Ohne Israelhass geht es nicht“ – nicht zuletzt den „guten Willen der Festivalleitung“ hervor. Kein Vergleich mit dem vergangenen Jahr. Was mit dem Vorstoß des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dirk Stettner ist, der zur Halbzeit des Festivals ein Ende der finanziellen Unterstützung durch die Stadt gefordert hatte? Allzu große Traktion schien dieser nach der ersten Aufregung erst einmal nicht zu finden, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner kommentierte ihn (bislang) nicht weiter.
Die 75. Berlinale jedenfalls ist nach der feierlichen Preisverleihung am Samstagabend, in deren Rahmen „Oslo-Stories: Träume“ von Dag Johan Haugerud mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, am 23. Februar mit einem Publikumstag zu Ende gegangen. Wie erfolgreich dieser am Wahltag konkret war? Das geht aus der Abschlussbilanz des Festivals nicht hervor, man freut man sich darin aber über „tausende Zuschauer:innen“ die an diesem Tag in die Kinos geströmt seien, um die Wiederholungsvorstellungen ausgewählter Festivalfilme der Jubiläumsausgabe zu besuchen.
Dass der Wahltag Publikum gekostet hat (wie übrigens auch dem Kinomarkt als solchem), ist zumindest eine naheliegende Vermutung – gerade auch angesichts der Tatsache, dass sich der Publikumsvorsprung gegenüber der 74. Ausgabe, der zur Halbzeit noch bei rund 14.000 gelegen hatte, bis zum Ende auf gut 6000 reduzierte. Was aber auch heißt: Mit rund 336.000 an das Publikum verkauften Tickets war der Zuspruch noch ein Stück (um die zwei Prozent) größer als im (durchaus guten) vergangenen Jahr. Hinzu kamen rund 19.000 Fachbesucherinnen inklusive der Pressevertreter.
Die neue Intendantin Tricia Tuttle jedenfalls zeigt sich mit der Bilanz „sehr zufrieden“: „Wir haben eine positive Resonanz auf die Entscheidungen unserer Jurys und großartiges Feedback zu den Verbesserungen unserer Infrastruktur und auch zum Film- und Branchenangebot erhalten. Erfreulich ist auch der Anstieg der Zuschauer*innenzahlen und dass die Stimmung hervorragend war. Mit diesem Elan gehen wir nun in die Planung für 2026.“
In insgesamt acht Sektionen waren mehr als 1000 öffentliche Vorführungen, begleitet von rund 340 Publikumsgesprächen mit Filmteams, geboten. Besonders hervorgehoben wird seitens der Festivalleitung die neu eingeführte Sektion Perspectives – auch weil von den dort vorgestellten 14 Spielfilmdebüts „einige“ noch während des Festivals international verkauft worden seien.
Die Teilnehmerzahlen beim European Film Market blieben laut der Bilanz konstant, wobei es viele Erstteilnehmer:innen aus Indien und Osteuropa gegeben habe. Die USA waren stark präsent und stellten die zweitgrößte Gruppe nach Deutschland, gefolgt von Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich. 998 Marktvorführungen, davon 82,3 Prozent Marktpremieren, zogen über 1.314 Einkäufer:innen an.
„Äußerst erfolgreich“ sei die 22. Ausgabe des Berlinale Co-Production Market gewesen: Mehr als 1.500 Einzelmeetings mit Koproduzent*innen wurden in der neuen Location Octogon am Leipziger Platz organisiert sowie fünf Geldpreise in Höhe von insgesamt über 60.000 Euro an neue Spielfilmprojekte vergeben. Insgesamt nahmen über 600 internationale Teilnehmer:innen die unterschiedlichen Angebote des Co-Production Market wahr.