Nicht zuletzt die Preisverleihung der letztjährigen Berlinale sorgte für kontroverse Debatten. Unter Tricia Tuttle positioniert sich das Festival im Vorfeld im Sinne von Meinungsfreiheit und gegenseitigem Verständnis, tritt falschen Gerüchten entgegen – und geht völlig offen mit der Tatsache um, dass man kaum alle Erwartungen wird erfüllen könne.

„Ich erlebe mein Team, unsere Mitarbeiter*innen und freien Mitarbeiter*innen seit meinem Amtsantritt im April in einem Strudel konkurrierender Spannungen. Ich bin besorgt, wie dieser immense, manchmal unmöglich auszuhaltende Druck von allen Seiten so viele umsichtige und engagierte Kolleg*innen beeinflusst. Wir sind keine Politiker*innen. Wir sind Menschen, die ein wichtiges, faires und einladendes Filmfestival gestalten wollen.“
Es sind extrem wichtige Worte, die die neue Festivalleiterin Tricia Tuttle wenige Tage vor dem Startschuss zur 75. Berlinale im Blog „Berlinale Notes“ an die Öffentlichkeit richtet. Worte, die auf den Punkt bringen, was im Strudel medialer Empörungsmaschinerien allzu oft untergeht: Es wirklich allen recht zu mache, ist im Prinzip ein Ding der Unmöglichkeit. Was zählt ist der unbedingte Wille, Meinungen zuzulassen, dabei aber nach Möglichkeit vermittelnd zu wirken.
Zur Berlinale Note #4: „Anmerkungen zu Meinungsfreiheit, Brave Spaces und Film“
„Wir wissen, dass wir angesichts der zunehmend fragmentierten Debatten hinter den Erwartungen mancher Menschen zurückbleiben werden“, schreibt Tricia Tuttle. Vorauseilende Defensive? Wird man ihr womöglich sogar unterstellen. Aber es sind vielmehr Worte, deren Ehrlichkeit, Klarheit und Offenheit Applaus verdienen.
Wie ein respektvoller und offener Dialog bei der Berlinale sichergestellt werden soll? Antworten darauf hat das Festival in ein FAQ gegossen, in dessen Rahmen auch einem falschen Gerücht entgegengetreten wird.
„Wir sind Menschen, die ein wichtiges, faires und einladendes Filmfestival gestalten wollen. Wir wollen die Menschen, die uns am Herzen liegen, nicht im Stich lassen. Unser Team kann in dieser Situation nicht alleine stehen, und wenn wir es versuchen sollten, werden wir verlieren. Wir brauchen die Gemeinschaft unserer Community. Wir sind allen Filmemacher*innen, unseren Besucher*innen und Gästen sowie der Industrie sehr dankbar für die kommenden Begegnungen und freuen uns auf ein Wiedersehen mit denjenigen, die dieses Jahr nicht dabei sind“, so Tuttle in den „Berlinale Notes“.
Und abschließend: „Wir wissen, dass nicht alle mit einer Stimme sprechen werden, genauso wenig wie unsere Mitarbeiter*innen oder Festivalpartner. Aber die meisten kommen in der geteilten Hoffnung zusammen, voneinander zu lernen, und der Überzeugung folgende, dass Filmemacher*innen uns helfen eine bessere Welt zu sehen und uns diese vorzustellen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen, damit die Berlinale auch weiterhin ein Erfolg für unsere Communities bleibt.“